G518 Ben Hur Trailer



 

Das Original

Ben-Hur-Anhänger war der Spitzname des US-Armeeanhängers aus dem Zweiten Weltkrieg (1t Nutzlast, eine Achse) . Der Spitzname geht auf den Haupthersteller Ben–Hur Mfg. Co. zurück, obwohl es zwischen 1941 und 1945 auch viele andere Unternehmen gab, die es produzierten.
Der normale Frachtanhänger lief unter der Ordnance Nummer G518. Es wurden auch Spezialvarianten hergestellt. Die 1 Tonnen-Anhänger waren für den Zug von Fahrzeugen mit einer Tragfähigkeit von 3⁄4 Tonnen und mehr konzipiert, wie z. B. den Dodge-LKW der WC-Serie, sowie von 1 1⁄2-Tonnen-4x4-LKW und 2 1⁄2-Tonnen-6x6-LKW wie dem Chevrolet G506 und den häufig verwendeten GMC CCKW-LKW. Die G518-Anhänger gehörten mit insgesamt 259.064 hergestellten Einheiten zu den meistgebauten und genutzten Modellen der Alliierten.

Der Bausatz

Dieser Kit überschreitet alles, was man für ein kleines Modell erwarten kann: 55 oder so Teile aus Plastik, 29 aus PE, plus ein über-maßstäbliches Stück Kette, und man muss noch vier Stücke unterschiedlich dünnen Drahts auftreiben. Einige der Plastikteile sind 1x2x1mm, das Dutzend PE-Ösen 1,5x0,6mm




Der Bau

Die Anleitung beginnt mit den Seiten der Ladefläche. Wahlweise lassen sich Rungen mit Holzleisten anbauen, was ich getan habe. An die müssen eine Reihe von PE-Teilen angeklebt werden; dankenswerterweise hat das PE-Blech Plastikfolie auf Vorder- und Rückseite, was das Risiko vermindert, Teile beim Abtrennen zum Fliegen zu bringen. Die Rückleuchten werden auf PE-Teile geklebt, sind aber inkorrekt, wie bei fast allen Bausätzen von US-Fahrzeugen aus der Zeit von 1941 bis Vietnam; ich hatte korrekte Resin-Kopien (links und rechts unterschiedlich), die ich einsetzte, mit "Verkabelung" aus gezogenem Gießast.
Die 12 winzigen PE-Zurrösen rings um die Ladefläche habe ich erst mal weggelassen, da einige von ihnen unweigerlich im weiteren Verlauf des Baues verschwunden wären.

Als nächstes kamen die Räder. Die ließen sich so einfach drehbar machen, dass ich daran nicht vorbeikonnte: ihre Achsstifte wurden durch ausgestanzte Styrol-Plättchen verlängert, und Scheiben größeren Durchmessers wurden vorbereitet, um an diese Stifte geklebt zu werden, bevor die Teile Bm5 an die anderen Hälften der Bremstromeln geklebt wurden. Und natürlich mussten die Räder Ventile aus 0,3mm Messingdraht bekommen. Bei all den winzigen Teilen aus Plastik und PE, die MiniArt in diesen kleinen Kit gepackt hat, finde ich es erstaunlich, dass man hierauf verzichtet hat.

Vor dem Ankleben der Seitenwände an den Boden der Ladefläche Ce15 habe ich ein paar Sinklinien in dem Teil verspachtelt; der Rest des Kits kam ohne aus. Die äußeren Scharniere der Ladeklappe wurden mit 0,3mm durchbohrt, wie auch die äußeren Scharnierteile an der Ladefläche; Stücke gezogenen Gießasts machten das funktionierend. Die Markierungen für die Griffe PE2 an der Ladeklappe waren so dezent, dass ich sie weg-versäubert hatte, bevor mir ihr Vorhandensein aufgefallen war – man muss die Bauanleitung am besten auswendig lernen. Die PE-Sicherungsstifte der Ladeklappe hatten, natürlich, unrealistische PE-Ketten, weshalb ich neue Stifte aus 0,3mm Messingdraht gebogen und sie mit "Latex-Ketten" aus dem Oberteil schwarzer Strumpfhose gesichert habe.

Auf der Unterseite muss man selbst Stücke Draht beisteuern zur Darstellung der Parkbrems-Leitungen; diese Gegend war für mich die schwierigste. An Verteilerkreuz Ce8 und Bremsleitungs-Führung Ce6 sollte man die jeweiligen Kontaktpunkte leicht anbohren für eine leichtere Anbringung der Drähte (für den geraden in der Mitte habe ich gezogenen Gießast genommen). An beiden Teilen musste ich die Klebeflächen etwas anschrägen für eine gute Passung. Für die Leitungen zu den Bremstrommeln habe ich dünnen Lötdraht genommen und ihre Klebepunkte an Teilen Bk12/13 durchgebohrt, damit ich sie mit Sekundenkleber sicher befestigen konnte, bevor sie zum Treffen mit Ce6/8 gebogen wurden.

Die Bauanleitung verrät einem nicht, dass die "Achse" Bk10 unterschiedliche Klebepunkte für die Bremstrommel-Platten Bk12/13 hat. Man kann also entweder die Zeichnung unter der Lupe studieren, bevor man Bk10 anklebt (die Stifte haben einen "U"-Querschnitt, und die geraden Flächen sollen zum Heck zeigen), oder man ignoriert den Unterschied und bringt die Platten so an, wie sie passen: die Details an beiden sind spiegelbildlich und sehr unauffällig. Jedenfalls ist die Anbringung der Trommeln und ihrer Leitungen sehr knifflig, denn die Leitungen müssen über die Blattfedern geführt werden, um ans System angeschlossen zu werden. Und da die Klebeflächen sehr klein sind, mus man extrem aufpassen, um ausreichend starke Verbindungen  zu erhalten.

Warum die beiden Hälften der Deichsel mit den winzigen Klammern C3 montiert werden müssen, ist mir ein Rätsel – die hätten mühelos an die Deichel anmodelliert werden können. Für meinen Geschmack waren die Anhänger-Sicherungsketten aus dem Kit unmaßstäblich groß, also habe ich sie durch welche aus dem Schiffsmodellbau ersetzt. Ihre Haken und die Montagepunkte an der Deichsel wurden durchbohrt für eine realistische Anbringung der Ketten.

Ein weiteres Teil, das ich funktionierend haben wollte, war das Stützrad – so, wie der Kit die einschlägigen Teile bietet, kann man das nur aufwärts oder abwärts ankleben, und in der unteren Position ist es nicht steuerbar. Teil Bk5 erhielt an seiner Oberecke ein weiteres Loch eingebohrt und Bk6/7 wurden durchbohrt für eine wirkliche Achse von Bk5 und seinen ersetzten  Arretierungsstift PE9. Und dann entschwand Bk5 per Pinzettenstart und musste neu geschnitzt werden, mit einer Bohrung  an der Unterseite des zylindrischen Teils. Das kostete mehrere Versuche, Abende und 0,3mm-Bohrer. Das Loch in Bk7 für den Arretierungsstift erhielt ein kleines "Führungsrohr" aus gezogenem Plastikrohr (wie in der Anleitung gezeigt, am Bauteil aber fehlend), und ich bog einen neuen Stift aus 0,3mm Messingdraht, mit Sicherung aus "Latexkette". Die Enden der Achse von Bk5 aus gezogenem Gießast wurden mit Scheibchen von Plastruct 0,6mm Sechskantstange verziert.

Der "Gabel" des Stützrads, Bk17, wurde das Oberende durchbohrt und ein 0,6mm Achsstift wurde vorbereitet, indem sein Ende an eine Kerze gehalten und der entstehende "Pilz" auf eine Glasplatte gedrückt wurde. Das Loch in der Gabel wurde auf der Unterseite aufgeweitet, so dass der Pilz des Achsstifts sich darin drehen kann. Der Halb-Zylinder oben auf der Gabel wurde zu einem ganzen gemacht durch Ankleben eines Stücks Plastikrohr, um das ausgebohrte Unterende des neuen Bk5 besser zu führen – keine Ahnung, ob das vorbildgetreu ist.

Verschiedene Teile an Gießast Bk werden für dieses Modell nicht benötigt – es wäre schön, wenn die Anleitung die dem Kunden aufgezeigt hätte statt ihn alle Bauschritte mühsam durchforsten zu lassen auf der Suche nach Hinweisen, wohin sie vielleicht gehören. Ich habe Bk3,11,18 verworfen.

Die mikroskopisch  kleinen  PE-Zurrösen rund um den Anhänger sind der nackte Wahnsinn, und ich habe viele Versuche gebraucht, um letztlich diese Methode für ihre Anbringung zu finden: Eine Winzigkeit Sekundenkleber-Gel wurde zwischen den Markierungslinien angebracht, um kurzfristig dem Teil einen Halt zu geben, das dann platziert und fixiert wurde – erst mit dünnflüssigem  und endgültig mit 2 Komponenten-Kleber.

Statt des empfohlenen 0,4mm-Drahts habe ich Gummifaden als Beleuchtungskabel genommen. In der Anleitung steht nicht, wie das an der Deichsel des Vorbilds befestigt ist und wo es unter der Ladefläche verläuft. Also habe ich es mit schmalen Styrolstreifen angebracht, am linken Rahmenträger entlang bis kurz vor die Stelle, an der ich die Leitung zum Rücklicht austreten ließ. Um dem Stecker Bk4 etwas mehr Gewicht zu geben, habe ich ihn ausgebohrt und ein Stückchen Lötdraht eingeklebt.

Die Bemalung/Alterung

Die Bemalung erfolgte per Pinsel, mit Humbrol Enamel 55 als Grundierung unter Revell Aqua 46 NATO Oliv, aufgehellt mit etwas mattem Weiß. Die Holz-Teile wurden mit Aqua 86 Khakibraun grundiert und mit dem verdünnten Aqua 46 übermalt. Die Rückstrahler erhielten 2mm ausgestanzte Stücke bedruckte Alufolie, angebracht und verglast mit Future. Die Decals des Kits gefielen mir nicht, also habe ich nur einen allgemeinen weißen Stern auf die Ladeklappe gesetzt.



Fazit

Im Laufe der Jahre habe ich eine Reihe von Modellen gebaut und sie regelmäßig superdetailliert und anderweitig verfeinert, habe also nicht wirklich Angst vor kleinen Teilen. Aber dieser Kit überschreitet alles, was man für ein kleines Modell erwarten kann: 55 oder so Teile aus Plastik, 29 aus PE, plus ein über-maßstäbliches Stück Kette, und man muss noch vier Stücke unterschiedlich dünnen Drahts auftreiben. Einige der Plastikteile sind 1x2x1mm, das Dutzend PE-Ösen 1,5x0,6mm, und man soll 21,8mm von 0,2mm Draht abschneiden, um nur ein paar Dinge zu nennen. Andererseits haben die Räder keine Ventile und man erfährt nicht,wohin das elektrische Kabel führt. – Kurz gesagt: ein sehr schön detailliertes Modell, aber absolut nichts für Anfänger, und für Fortgeschrittene empfiehlt sich eine vorherige Uhrmacher-Lehre. Jeder wie er's mag, aber ich für meinen Teil werde es mir zweimal überlegen, einen weiteren MiniArt-Bausatz zu kaufen, solange es eine halbwegs vernünftige Alternative von einem anderen Hersteller gibt – wenn ich Schwierigkeiten haben will, kann ich sie mir selbst schaffen.

Bewertung:

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detaillierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****




Empfohlene Referenzen:

© 03/2025 Peter Schweisthal

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