VK3.01 & VK3.02




 

Die Originale

Bereits Ende 1937 erhob man seitens WaPrüf. In 6 die Forderung nach einem SmK-sicher gepanzerten, leichten Vollketten-Munitionsschlepper, mit dem insgesamt ca. 1 to. Infanteriemunition, davon 500 kg direkt verlastet und weitere 500 kg auf einem nachgezogenen Anhänger, transportiert werden sollte. Man ging von einem relativ kleinen Fahrzeug mit einem Gewicht von etwa 3,5 to aus, mit dem eine Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h erreicht werden sollte.

Die in Bremen ansässige Firma Carl F.W. Borgward legte einen Entwurf für einen mit 2 Mann besetzten Vollkettenschlepper, bezeichnet als VK-301, vor, der mit zwei auf der Oberwanne befindlichen, seitlich zum Abwerfen der Munitionskästen kippbaren Staubehältern ausgestattet war. In diesen sollten bspw. 6 MG-Munitionskisten mit bis zu 18.000 Schuss 7,92 mm Munition bis in die vordersten Infanteriestellungen gebracht werden. Das Fahrzeug verfügte weder über eine eingebaute Defensivbewaffnung, noch über eine Funkanlage.

Borgward erhielt zunächst den Auftrag zur Fertigung einer 0-Serie von 20 Fahrzeugen. Ursprünglich war beabsichtigt, auch die Schoeller-Bleckmann Stahlwerke AG in die Serienproduktion – in der Literatur finden sich Hinweise, dass Bedarfserhebungen von mehreren tausend Schleppern für die Infanteriedivisionen bestanden haben sollen – einzubinden. Diese Firma teilte jedoch mit, dass sie sich nicht an der Herstellung beteiligen könne, weil erhebliche Personalteile zum Dienst in der Wehrmacht eingezogen worden waren.

Tatsächlich lief die Produktion der 20 Vorserienfahrzeuge des VK-301 bei Borgward von November 1939 bis Januar 1940. Ein Teil davon wurde offenbar zu Tests und Vergleichsfahrten mit Fiat-Ansaldo-Munitionsschleppern, französischen UE-Schleppern bzw. Munitionspanzern auf Basis PzKW I Ausf. A verwendet. Auch koppelte man 2 VK-301 mit einer auf Drehgestellen gelagerten Transportbühne für längere Lasten. Über einen Fronteinsatz der VK-301 liegen keine konkreten Hinweise vor. Manche Quellen liefern dazu Andeutungen, aber es gibt auch Angaben, wonach angeblich nur 2 VK-301 als Prototypen gebaut worden sein sollen.

Es existieren auf der Basis dieses Fahrzeuges auch Bilder eines Holzmodells, das mit einem von Rheinmetall konstruierten, rückstoßfreiem Leichtgeschütz bestückt ist. Dass es sich dabei um das VK-301 handelt, erkennt man vor allem an den vorderen Kettenabdeckungen und der Befestigung der Scheinwerfer. Die oft zu lesende Aussage, dass dieses Holzmodell auf Basis des VK-302 aufgebaut war, ist daher falsch.  

Wohl aufgrund der Testergebnisse der 0-Serie VK-301 folgte die Forderung nach einigen Verbesserungen, die in die Konstruktion des Nachfolgemodells, dem ebenfalls bei Borgward gebauten VK-302 einflossen.

Insbesondere waren dies: Umstellung des Laufwerks auf nun ungeschmierte Ketten ohne Gummipolster und einem vierspeichigen Antriebsrad mit 2 außen liegenden Zahnkränzen, die vorderen Kettenabdeckungen wurden ebenso wie die Anbringung der Scheinwerfer geändert, neue verbesserte Belüftung des Lenkgetriebes, Verlagerung des Auspufftopfes von der linken Seite in die Mitte oben an der Heckseite und Vergrößerung des Panzeraufbaus für mehr Bewegungsfreiheit der Besatzung, die rechts angebrachte Stauvorrichtung für die Munitionskästen wurde geteilt, um auch kleinere Munitionsmengen abwerfen zu können.

Borgward wurde ein Vertrag zur Produktion von zunächst 100 (manche Quellen nennen 400 Exemplare bis hin zu über 4.700 (?) Stück als festgestelltem Gesamtbedarf) avisiert. Die Serienfertigung sollte ab Oktober 1941 monatlich 12 Fahrzeuge betragen. Tatsächlich lief sie im Oktober 1941 sehr langsam mit 4 Stück an und endete etwa im November bzw. Dezember 1942, nachdem insgesamt nur 45 VK-302 der geplanten Erstserie gebaut worden waren. Zwischenzeitlich wurde zudem befohlen, statt der Munitionsschlepper dann Sprengstoffträger zu bauen, so dass die VK-302 letztlich zu den bekannten Landungslegern Borgward B IV umkonstruiert wurden.

2 VK 302 wurden versuchsweise zu Panzerselbstfahrlafetten mit einer 5 cm Pak 38 umgebaut und sollen im Truppenversuch getestet worden sein. Von dieser als Pz.Sfl. 1a bezeichneten Variante gibt es von Das Werk einen Plastikspritzguss- und von Brach-Models einen Resin-Komplettbausatz. Interessanter Weise waren diese Pz.Sfl. 1a im Gegensatz zu den Munitionsschleppern VK-302 wiederum mit dem alten Antriebsrad und den geschmierten Gleisketten mit Gummipolstern ausgerüstet.

Die letztlich 45 in Serie gebauten VK-302 hat man zunächst längeren Versuchen an der Infanterieschule Döberitz unterzogen.

Schließlich wurde mit diesen Fahrzeugen im März 1943 die „gepanzerte Munitions-Schlepper-Kompanie 801“ aufgestellt, die am 19.06.1943 in die Gegend von Mga im Nordabschnitt der Ostfront verlegt und der 1. Infanterie-Division angegliedert wurde. Berichten zufolge sollen die Truppenversuche relativ erfolgreich verlaufen sein, obgleich die Ersatzteilversorgung für die Fahrzeuge ein erhebliches Problem darstellte.

Die VK-302 gingen offenbar im Zuge der Rückzugsgefechte bis Mitte 1944 verloren. 

Die Bausätze

Der italienische Kleinserienhersteller Brach-Model bietet schon seit einigen Jahren die Bausätze der von der Firma Carl F.W. Borgward produzierten gepanzerten Munitionsschlepper mit den Bezeichnungen VK-301 bzw. VK-302 als Resinkomplettmodelle an.

Wieso, wird mancher fragen, wird dann hier nicht der neue Plastikspritzgussbausatz des VK-302 von Das Werk vorgestellt, der aktueller und wesentlich günstiger ist?

Nun, derzeit bereitet die Firma Customscale für diesen Bausatz ein Zurüst- und Korrekturset vor, dessen Erscheinen ich noch abwarten möchte, denn leider weist der Plastikbausatz einige Fehler vor allem auf der rechten Aufbauseite bei den Munitionsbehältern, den Ketten und den Antriebsrädern auf, die damit dann hoffentlich korrigiert werden können. Aber dazu ggf. ein andermal mehr. 

Der Bau

Die Komponenten der beiden Bausätze von Brach-Model sind sehr gut verarbeitet und  erfreulicherweise verzugs- und blasenfrei gefertigt. Die Entgratungsarbeiten nehmen dank der hohen Fertigungsqualität nur wenig Zeit in Anspruch. Im Grunde genommen sind beide Bausätze komplikationslos zu montieren.

Allerdings waren aufgrund von kleinen „Unebenheiten“ vermutlich in der Gussform an der Wannenunterseite des VK-302 ein paar einfache Spachtelarbeiten erforderlich.

Bei der Befestigung der Schwingarme ist darauf zu achten, dass diese die korrekten Winkel und den richtigen Abstand zum „Boden“ aufweisen, damit die Laufwerkskonstruktion richtig verläuft. Die Teile sind etwas filigran, so dass ein vorsichtiger Umgang bei der Montage angezeigt ist, damit nichts zu Bruch geht.

Der Anbau aller weiteren Kleinteile wie Scheinwerfer, Haken, Feuerlöscher usw. geht ohne Probleme vonstatten.

Bei diesen kleinen Panzerfahrzeugen sind die Aufbauten in Vollguss gehalten, so dass leider die Luken und Sehklappen nicht geöffnet dargestellt werden können. Auch die Behälter zum Munitionstransport sind fest angegossen und somit unbeweglich.     

Die Panzerketten bestehen aus in Resin gefertigten Einzelgliedern, die ohne Probleme zusammengebaut werden können.

Allerdings sollte man dabei wegen der Verklebung mit Sekundenkleber den jeweiligen Radius um Leit- und Antriebsrad gleich mit anformen und einen Klebstoff wählen, der nicht zu dünnflüssig ist und auch nicht zu schnell aushärtet, um ggf. Korrekturen vornehmen zu können.

Bei der Kette des VK-301 mit den Gummipolstern ist bei der Versäuberung der Glieder und der Antriebsräder darauf zu achten, dass die Zähne der Kettenglieder korrekt in die Aussparung des jeweiligen Antriebsrades eingepasst werden können, sonst kann es beim Aufziehen der Kette zu Problemen kommen. Hier hilft nur Geduld und wiederholtes Trockenmontieren.


Bemalung/Alterung

Grundsätzlich ist hinsichtlich der Fertigungszeit beider Fahrzeuge und auch entsprechend der Evidenzbilder eine dunkelgraue Lackierung möglich. Aber damit das Ganze nicht zu eintönig wird, habe ich mit entschieden, das VK-302 in einem Dreifarbentarnanstrich darzustellen, was wiederum aufgrund der Einsatzdauer bis ca. Mitte 1944 möglich und ebenfalls mittels zeitgenössischer Fotos nachgewiesen ist.

Für das VK-301 blieb es natürlich bei Dunkelgrau. Somit wurde in alter Manier zuerst mit Schwarzgrau MM 7021 grundiert und danach mit Anthrazitgrau MM 7020 abgetönt.

Beim VK-302 habe mich für eine dunkelgelbe (MM 2095) Grundlackierung, auf die unregelmäßig grüne (MM 2069) und dunkelbraune (MM 2096) Tarnstreifen aufgetragen wurden, entschieden.

Das Altern beider Munitionsschlepper erfolgte weitgehend gleich durch Unterlegen der Kanten und Vertiefungen mit dunklen Farbpigmenten der Firmen Kremer und MIG. Anschließend folgte der Auftrag einer Schicht matten Klarlacks (Xtra-Color) nebst 48 Stunden Trocknungszeit. Das punktuelle „Waschen“ des VK 302 nahm ich mit „Enamel Wash“ für deutsche dunkelgelbe Fahrzeuge AK 300 vor, für das VK-301 verwendete ich stark verdünnte, schwarz-braune Ölfarbe. Filter wurden mit diversen gelben, weißen und grünen Ölfarben gesetzt, die mit „White Spirit“ AK 047 in bzw. zu unterschiedlicher Intensität ausgezogen wurden. Dezente Rost- und Schmutzschlieren folgten nach gleicher Methode mittels „Rust streaks“ und „Streaking grime“ aus dem Set „Streaking effekts“ AK 062. 

Dreck- und Staubablagerungen brachte ich mit AK-Pigmenten („Light Dust“ AK 040 und „European Earth“ AK 042) auf, die durch Pigment-Fixer AK 048 grifffest gemacht worden sind.

Zuvor gab es noch diverse Kratzer, Lackabsplitterungen und kleine Roststellen, um einen „gebrauchten“ Eindruck der Fahrzeuge darzustellen. Blanke Metallstellen entstanden durch Verwendung von dunklem Graffitpulver AK 086 .

Mit unterschiedlich angemischten, verschiedenfarbigen Pigmenten von MIG wurden die Laufwerke und Panzerwannen weiter verschmutzt.

Markierungen habe ich den Vorbildfotos entsprechend relativ „sparsam“ in Form von Balkenkreuzen (nur weiße Außenlinien) und kleinen Fahrzeugnummern angebracht.

Fazit

Zwei kleine, aber feine Bausätze. Klar, die Produkte der Kleinserienhersteller sind im Verhältnis zu Plastikbausätzen wirklich nicht gerade billig, aber das Geld war halt schon mal ausgegeben. Ich bin jedenfalls schon auf den Umbau des VK-302 von Das Werk mit dem zu erwartenden Set von Customscale gespannt. Damit soll es wohl auch möglich sein, die Munitionstransportbehälter beim Abkippvorgang darzustellen.



Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****

Empfohlene Referenzen:

  • Markus Jaugitz, JJ. Fedorowicz Publishing: Funklenkpanzer
  • Motorbuchverlag, Walter J. Spielberger: Spezialpanzerfahrzeuge des deutschen Heeres  
  • Enzyklopedia of German Tanks of WW two: Arms and Armour Press Ltd. London Chamberlain, Doyle, Jentz
  • Panzer Tracts No. 17: Gepanzerte Nachschubfahrzeuge
  • Diverse Internetseiten

© 04/2021 Volker Andorfer

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