Schleppfahrzeug Leopard 2 "Tigerente"


 

Das Original

2002 wurde im Systeminstandsetzungszentrum 850 in Darmstadt ein Leopard 2 zu einem Schlepp-/ Bugsierfahrzeug umgebaut. Nach Schließung der Liegenschaft in Darmstadt steht der Panzer inzwischen im Materiallager der Bundeswehr in Karlsruhe, wird aber wohl nur noch selten eingesetzt.

Als ich vor Jahren die Fotos in Frank Lobitz‘ Leopard 2 - Buch sah, machte ich mich auf die Suche nach weiteren Fotos und wurde nur auf einer inzwischen inaktiven Seite fündig (Scale87.de). Glücklicherweise kopierte ich damals die Fotos und verfüge daher über insgesamt 14 Fotos des Panzers, mit denen ich mich an den Bau eines Modells in 1/35 wagte.  


Fotos mit freundlicher Genehmigung von Frank Lobitz

Die Bausätze

Meng: Leopard 2 A4

Perfect Scale Models: Schleppstange und Einzelteile aus anderen Zubehörsätzen

SKP: Lampensatz Leo 2

Für den Wetterschutz des Fahrers, den Turm und die Auspuffverlängerungen fertigte ein Freund Teile mit seinem 3D-Drucker an (Danke Philipp!)

Mit dem Leopard 2 A4 liefert MENG - wie gewohnt - wieder einen hervorragenden Bausatz ab. Die Detaillierung lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Zudem enthält der Bausatz alternative Teile für die verschiedenen Baulose u.ä. Bewegliche Einzelgliederketten, Ätzteile und Klarsichtteile vervollständigen den Bausatz. Dennoch gibt es natürlich immer noch ein paar Details, die verbessert werden können. Deshalb habe ich mir den Voyager-Ätzteilesatz und die weiteren oben aufgelisteten Zurüstsätze gekauft. Der Voyager-Satz enthält, neben den Ätzteilen, noch Kupferdraht für die Abschleppseile und einen Vinylschlauch für den Tankschlauch.

Der Bau




Eine Auswertung der Fotos ergab folgende Liste der nötigen Umbauten:

Bug:

  • Fahrerluke ausgebaut mit rechteckigem Rahmen um Fahrerluke
  • Wetterschutz für Fahrer
  • Innenraum Fahrerplatz (teilweise)
  • Schäkelösen an unterem Wannenbug mit Schleppschere
  • Gestell (Dreibein) mit Kette zum Halten der Schleppschere
  • Hydraulikzylinder mit Schlauch durch linken Fahrer-Winkelspiegelschacht zum Heben/ Senken der Schleppschere
  • Zwei größere Rückspiegel
  • Schneegreifer und Ersatzkettenglieder fehlen à Halterungen anbringen
  • Schwenkbare Leiter an linker Kettenabdeckung als Aufstiegshilfe

Wannenoberseite:

  • Zylinderförmiger Turm(gewichtssimulator) auf Drehkranz
  • 2 Blechschilder "Tigerente“
  • Einige Werkzeughalterungen fehlen –> aufgeschweißte Gewinde sichtbar

Wannenseiten:

  • schwere Kettenblenden durch leichte Kettenblenden ersetzt

Heck:

  • Auspuffverlängerungen aus Blechrohren

Das Fahrgestell baute ich nach Bauanleitung. Die Laufrollen habe ich mit wenigen Ausbrüchen versehen, die Kettenpolster habe ich nur mit etwas Plastikkleber aufgeraut.

Vor dem Aufsetzen der Oberwanne habe ich den Fahrerplatz soweit detailliert, dass man durch die Scheiben des Wetterschutzes des Fahrers nicht in ein schwarzes Loch blickt. Ich beschränkte mich daher rechts auf das Gestänge und den angedeuteten Fahrtrichtungshebel und links auf den großen Bedienkasten mit den Anzeigeinstrumenten. Hier habe ich noch das BV-Bediengerät und ein paar Halterungen für Munition angedeutet. Zur Darstellung der Anzeigen und Instrumente habe ich ein Decal aus dem Büffel-Bausatz von Perfect Scale verwendet. Die hochgeklappte Kopfstütze an der Oberwanne und den Fahrersitz baute ich mit Teilen aus der Restekiste. 

Nach Aufsetzen der Oberwanne musste noch die gebogene Seitenwand zwischen Ober- und Unterwanne am rechten Rand der Fahrerluke eingesetzt werden. Da man dieses Teil nicht gut vermessen kann, habe ich einfach eine nach oben überstehende 0.5 mm Plastikplatte mit der richtigen Breite eingeklebt und dann bis zum Rand der Fahrerluke abgeschnitten, verspachtelt und verschliffen.

Vor der Fahrerluke habe ich ein Rechteck aus Plastikstückchen aufgebaut und mit 3 Bleidrähten versehen, die zum Fahrerplatz führen und wahrscheinlich zum hydraulischen Heben und Senken der Schleppschere dienen. Um die Fahrerluke wird ein rechteckiger Rahmen aus Plastikprofilen aufgeklebt, der im Original Wasser ableiten sollte.

Für den Wetterschutz des Fahrers ließ ich die Einzelteile als 3D-Druck herstellen. Man kann die Teile auch scratch bauen – habe ich versucht, aber die abgerundeten Öffnungen für die Scheiben habe ich nicht sauber hinbekommen. Die 3D-Teile sind ein gute Basis zur weiteren Detaillierung. Die Gummidichtungen um die Scheiben habe ich mit 0.8 mm Bleidraht dargestellt, den ich etwas platt drückte und dann abschnittsweise mit Sekundenkleber leicht überstehend aufklebte. Die Scheiben habe ich aus dünnem transparentem Plastik ausgeschnitten und so genau in Form geschliffen, dass sie von innen an den überstehenden Bleidraht geklebt werden konnten.   Der Wetterschutz wird leicht angehoben auf einem Holzklotz aufgelegt – vermutlich zur besseren Belüftung des Fahrerplatzes.

Die Schleppschere von Perfect Scale ist schön detailliert, kam mir aber im Vergleich zu den Originalfotos zu kurz vor. Daher habe ich sie um 7 mm verlängert und mit Plastikstückchen und Messingblech detailliert, um die Befestigungen für die Kette und den Draht darzustellen, mit dem die Schleppschere hydraulisch bewegt werden kann. Die Schleppschere wird an zwei Ösen an der unteren Bugplatte befestigt, die ich dem PSM T-Zughaken-Zubehörsatz für den Leo 2 entnahm.  

Am Bug begann ich mit den Halterungen der Schneegreifer. Dazu schnitt ich einfach die schmalen Leisten von den Bausatzteilen ab und klebte diese auf den Bug. Auf der rechten Kettenabdeckung habe ich noch die zwei Mittenverbinder weggeschnitten, da diese dort im Original nicht vorhanden sind.

Das dreibeinige Gestell mit der Kette zum Halten der Schleppschere mittig auf dem Bug baute ich aus Plastikstreifen auf. Die 3 Schäkel zum Halten der Kette stammen aus einem Schäkel-Set der 3D-Druck-Firma Shapeways. Die große Halterung, die geformt ist wie ein „Ɵ“, wurde aus zwei Schäkeln von Perfect Scale gebaut.

Links von der Fahrerluke befindet sich auf dem Bug ein hydraulischer Zylinder, mit dem die Schleppschere angehoben oder abgesenkt werden konnte. Die Steuerung erfolgte über einen Hydraulikschlauch, der durch den linken Winkelspiegelschacht des Fahrers geführt wurde. Ein Metallkabel wird über eine Rolle geführt, die in einer Halterung direkt an der Bugkante angeschweißt ist. Dies alles baute ich aus Plastik, Bleidraht und Messingblech nach.

Anstelle der zwei Bausatz-Rückspiegel werden größere verwendet. Ich hatte noch welche aus dem Büffel-Bausatz von Perfect Scale übrig.

An der linken Kettenabdeckung befindet sich eine schmale schwenkbare Leiter als Aufstiegshilfe. Ich baute diese aus 1 mm Plastikrundprofil und Draht nach. Die Leiter wird durch zwei halbrunde Schienen geführt, die schwenkbar in Halterungen an der Kettenabdeckung befestigt sind. Auch hier verwendete ich Plastikprofile zum Bau.

Weiter habe ich noch ein paar Kleinigkeiten detailliert: Die Schweißnaht am Bug, die Halterungen der Ersatzkettenglieder und die Gummiabdeckungen der Fahrscheinwerferanschlüsse. Die Scheinwerfergläser sind von SKP.

Im hinteren Wannenbereich fehlen fast alle Werkzeughalterungen, es sind nur die aufgeschweißten Gewinde mit den Schraubenköpfen sichtbar. Also habe ich alle Werkzeughalterungen abgeschliffen, verspachtelt und verschliffen. Die Gewinde und Schraubenköpfe stellte ich mit Plastikplättchen im Durchmesser 1mm und 0.5 mm dar. Die übrigen Halterungen habe ich aus 3D-Teilen von Shapeways und Messingblech aufgebaut.     

Der Turmgewichtssimulator ist ein 3D-Druck mit Durchmesser 67 mm und Höhe 31 mm, wobei ich die Maße geschätzt habe. Auf dem Dach habe ich noch 2 Heißösen mit Schweißnähten ergänzt. Ob das Dach so korrekt ist, weiß ich nicht, da es auf keinem Foto erkennbar ist. Der Turm sitzt ca. 1.5mm erhöht auf dem Drehkranz. Ich habe daher mit Plastikstückchen mehrere Auflagen in den Drehkranz geklebt, auf denen der Turm aufsitzt.

Die namensgebenden Blechschilder der "Tigerente" des deutschen Autors und Illustrators „Janosch“ sind geschätzt 20 mm lang und 15 mm hoch. Ich druckte ein Foto des Originalschildes mit der richtigen Größe aus (einmal nach rechts und einmal nach links blickend) und klebte es mit Tesa auf 0.3 mm dickes Plastik. Dann schnitt ich den Umriss aus. 

Die schweren Kettenblenden wurde durch leichte Kettenblenden ersetzt. Ich fertigte Resinkopien an, die ich mit den anderen Kettenblenden auf einer Höhe anklebte. Die genaue Befestigung kann man auf den Fotos nicht erkennen.

Wie auf den Rohbaufotos zu erkennen, hatte ich übersehen, dass die untere Kante der vorderen kurzen Kettenblende waagerecht verläuft und nicht schräg nach unten. Das habe ich noch korrigiert.

Am Heck müssen als einzige Änderung nur Auspuffverlängerungen angebracht werden. Auch hierfür verwendete ich 3D-Druckteile, Durchmesser 8 mm. Je zwei Griffe habe ich aus Messingblech gebogen und angeklebt. Die Auspuffgrätings aus dem Bausatz habe ich weggelassen und die Verlängerungen angeklebt. Im Original wurden die Verlängerungen vermutlich seitlich am Auspuff festgeschraubt. Daher habe ich rechts und links einen Plastikstreifen mit einem Schraubenkopf angeklebt. Am oberen Rand wurde ein Blechstreifen angeschweißt und mit einem Bolzen an einer Halterung des Abschleppseils befestigt. Auch hier habe ich Messingblech verwendet. 

Damit ist der Bau abgeschlossen.


Bemalung/Alterung

Als ersten Schritt spitzte ich die Schleppschere und den Turm mit Tamiya Nato Braun XF-68 und danach mit Heavy Chipping-Fluid von AK, da ich die Roststellen mit der Haarspraymethode darstellen wollte.

Es folgte Tamiya Gelb XF-3 - abgedunkelt mit etwas Tamiya Flat Earth XF-52 - für die Wannenseiten, Bug, Heck und den Turm. 

Die Oberwanne und das Fahrgestell sind einfarbig grün. Hierfür verwendete ich Tamiya Nato Green XF-67 aufgehellt mit etwas Tamiya Weiß XF-2.

Die schwarzen Streifen an Bug und Heck sind ca. 1.8 – 2 mm breit. Nachdem ich die Streifen mit Klebeband abgrenzte, spitzte ich mit Tamiya Nato Schwarz XF-69, aufgehellt mit etwas German Grey XF-63. Die Streifen der Tigerente entstanden analog. 

Nach Abschluß der Detailbemalung brachte ich die Decals auf. Dies beschränkte sich auf die weißen Streifen des Leitkreuzes am Heck, den roten Streifen am Turm und den gelben Streifen an der Schleppschere. Auf der rechten vorderen Kettenabdeckung befindet sich wahrscheinlich noch ein Abzeichen, aber auf allen Fotos sieht man nur eine Reflektion, so dass ich auf eine Darstellung verzichtet habe.

Zur Alterung begann ich mit einem Pinwash mit „Dark Wash“ von Ammo of Mig und „Sand“ von Abt 502. Danach habe ich kleine Farbtupfer mit Dark Umbra Ölfarbe aufgebracht, die dann mit einem Pinsel verwischt wurden. Der Pinsel sollte nur wenig Verdünner enthalten und fast trocken sein. Dadurch entstehen subtile Farbnuancen.

Als nächstes stellte ich mit Pigmenten einen leichten Verstaubungseffekt dar, beschränkt auf die grünen Flächen. Dazu ging ich so vor wie in meinem Baubericht zum Leo 2 A4:

Als ersten Schritt habe ich mit einem Pinsel Pigmente aufgenommen und dann durch vorsichtiges Schütteln so fein wie möglich auf das Modell rieseln lassen.

Als zweiten Schritt habe ich die Pigmente mit einem harten Pinsel auf die Modelloberfläche gedrückt. Wichtig dabei: tupfen, nicht wischen. Die Pigmente, die danach nicht am Modell haften, habe ich weg gepustet.

Als dritten Schritt habe ich mit einem mit Wasser angefeuchteten Taschentuch die Pigmente in den Bereichen wieder teilweise entfernt, wo es zu übertrieben aussah. Auch hier gilt: tupfen, nicht wischen.

Als letzten Schritt habe ich einige Regenverlaufsspuren am Turm aufgetragen. Hier verwendete ich aufgehelltes Gelb bis hin zu Weiß, so wie es auf den Originalfotos zu sehen ist.

Fazit

Ein Umbau, der auf den ersten Blick recht überschaubar aussah, aber doch einiges an Arbeit abverlangt hat. Die 3D-Druckteile haben den Bau auf jeden Fall vereinfacht und beschleunigt.


Bewertung (Meng Bausatz):

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



Referenzen:

  • Lobitz: Leopard 2, Band 1 (Veröffentlichung der Originalfotos mit Genehmigung des Autors vom 28.03.21)
  • Internet: Fotos von Scale87.de (nicht mehr aktiv)




1890 Leser des Bauberichts seit dem 18.04.2021




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