Sd.Kfz.2 Kleines Kettenkraftrad


 

Das Original


Die Produktion des Kettenkrads begann 1939 und es wurden über 8000 Einheiten davon hergestellt. Auf der Straße konnte eine Spitzengeschwindigkeit von 44 Km/h erreicht werden. Aufgrund der Drehstabfederung und des Kettenlaufwerks konnte es auch mit den unterschiedlichsten Geländebedingungen zurechtkommen und wurde auf allen Kriegsschauplätzen eingesetzt. Ursprünglich dazu entwickelt um einen kleinen Anhänger, eine PAK oder FLAK zu ziehen wurde das Kettenkrad in einer Vielzahl von weiteren Verwendungen genutzt. Als Kabelleger, für den Personentransport, um Gräben auszuheben und als Schleppmittel für Flugzeuge.

(Freie Übersetzung aus der Bauanleitung)

Der Bausatz

Zum Einsatz kam der Bausatz DW35020 von Das Werk.
Dass es sich hierbei um eine Wiederauflage eines DRAGON Modells aus dem Jahr 2001 handelt ist ja nun weithin bekannt und auf den Spritzlingen auch deutlich erkennbar. Für eine weitergehende Detailierung habe ich auf das passende PE-Set 35417 von EDUARD zurückgegriffen welches für den ursprüngliche DRAGON-Bausatz gedacht war. Da die Nummerierung der Teile gleich geblieben ist ergeben sich hier auch keine Schwierigkeiten.




Der Bau

Zuerst habe ich mal, um den Überblick nicht zu verlieren, in der Bausatzanleitung alle Bauteile markiert, die durch PE-Teile ersetzt oder ergänzt werden sollen und diese dann in der entsprechenden Baustufe eingearbeitet.
In Baustufe 1 wird der komplette Motor-/Antriebsstrang aus zwei Halbteilen zusammengeklebt und durch wenige Anbauteile ergänzt.

Dieser wird in Baustufe 2 auf die Grundplatte geklebt, hierfür sind Positionslöcher vorhanden. Ohne weiters war dies nicht möglich da der Antriebsstrang in Längsrichtung nach rechts abwich. Erst durch stärkeres Biegen konnte alles auf seine Endposition gebracht werden.

In Baustufe 3 geht es dann an die Front- und Seitenteile, die mit der Grundplatte verklebt werden. Links war das eigentlich ganz ok aber im rechten unteren Heckbereich stand das Seitenteil über die Grundplatte hinaus und alles Biegen, Ziehen und Drücken hat da nichts gebracht. Damit das dann symmetrisch aussieht habe ich diese Problemstelle mit Rundmaterial und Spachtel ergänzt und in die entsprechende Form geschliffen. An der Frontpartie wurden noch Schweißnähte aus PE und zwei Befestigungsschlaufen aus Resin angebracht.

Baustufe 4 ging dann mal zur Abwechslung spannungsfrei von statten und die Rückbank und die Heckpartie wurde vervollständigt. Hier kann ein Spaten an die Seite angebracht werden der genauso wie seine Halterungen absolut gruselig ausschaut. Die Halterungen stellt da das PE-Set bereit, für einen Spaten sollte man unbedingt auf einen Ersatz zurückgreifen. Das gleiche gilt auch für das Beil auf der linken Fahrzeugseite. Da meine Restekiste nichts mehr hergab und viele Bilder die Fahrzeuge ohne Werkzeug zeigen, habe ich beides einfach weggelassen und die Positionierungspunkte für die Halterungen weggeschliffen.

Baustufe 5 hält dann wieder mehrere Herausforderungen bereit.
Zuerst das Bauteil A9 an dem ich einiges an Plastik wegschnitzen musste, um PE-Teile zu ergänzen. Im Bauteil sind hier die Anzeigen als flache, glatte Scheiben aufgeprägt. Wäre ja noch i. O., wenn es dafür wenigstens Nassschiebebilder geben würde, aber leider Fehlanzeige. EDUARD bietet hier einen farbigen Papierdruck an, der unter das entsprechende PE-Teil geklebt wird. Die Anzeigen habe ich in mehreren Durchgängen mit Klarlack „aufgefüllt“ bis der Eindruck einer Verglasung entstand.

Die Motorabdeckung A3 wurde ebenfalls durch ein PE-Teil ersetzt. Dieses war aufgrund seiner geschwungenen Formgebung nicht so einfach zu biegen und wurde mit Rundmaterial in verschiedensten Durchmessern und dem Bausatzteil als Vorlage bewältigt und schaut auf jeden Fall besser aus als das Originalteil.

Dann ging es an die Teile A13 und A14 welche die Tankoberseite und die Deckel der seitlichen Staukästen darstellen. Bilder vom Original zeigen, dass die Deckel der Staukästen einen Überstand nach unten haben der im Modell nicht wiedergegeben ist. Rechts schließt das noch halbwegs plan ab, links entstand aber ein Rücksprung. Da es auf beiden Seiten nicht wirklich toll aussah, habe ich beide Stellen mit grob in Form geschnittenen Plastik Sheet ergänzt und verschliffen. Die Linienführung habe ich mit Bleistift aufgezeichnet und mit dem Bastelmesser nachgeschnitten.

In Baustufe 6 wurden dann die Schwingarme eingeklebt, da hier Positionierungsstifte vorhanden sind geht das auch ohne Probleme. Allerdings ist mir hier auch erstmals die untere Heckpartie so richtig ins Auge gefallen, die verglichen mit Originalfotos, doch eher undetailliert daherkommt. Also habe ich Kettenspanner, die Öffnung für den Schwungkraftanlasser und vor allen Dingen einen Auspufftopf ergänzt.

In Schritt 7 und 8 geht es an den Zusammenbau und die Montage der Räder was unproblematisch ist, allerdings habe ich diese für eine separate Bemalung erstmal weggelassen.

Baustufe 9 befasst sich mit den Ketten, die aus Einzelgliedern zusammengesetzt werden. Die Bauanleitung macht keine Angaben über die Anzahl der benötigten Kettenglieder. Also habe ich erstmal einen längeren Strang gebaut und mich dann durch Trockenpassen an die endgültige Länge herangearbeitet. Schlussendlich bin ich auf 42 Kettenglieder je Seite gekommen, wobei das links wunderbar gepasst hat, rechts aber ein bisschen stramm war. Ich hatte es dann rechts mit 43 Kettenglieder probiert, war aber zu lang. Die Ketten lassen sich beweglich bauen, dazu habe ich zwei Kettenglieder zusammengefügt und den Positionsstift des Kettenpolsters minimal in Sekundenkleber getaucht und auf die zwei Kettenglieder aufgesetzt. Hat ganz gut geklappt, die Kette blieb beweglich und konnte auch separat bemalt werden und dann später aufgezogen werden, wobei rechts dann doch etwas mehr „Gewalt“ erforderlich war.

Stufe 10 beschäftigt sich mit diversen Anbauteilen im Heckbereich, wobei das meiste durch PE-Teile ersetzt wurde.
In Baustufe 11 erfolgt der Zusammenbau der Frontgabel. Auch hier kamen wieder etliche PE-Teile zum Einsatz, um das Modell aufzuwerten. Bauteil C6 hat mich mit seinen Federelementen auch nicht so richtig überzeugt, mit Rundmaterial und Kupferdraht habe ich das dann nachbebaut. Der Scheinwerfer setzt sich aus zwei Teilen zusammen, wobei der vordere die Streuscheibe darstellen soll, aus grauem Plastik, das silbern bemalt werden soll, auch nicht mehr so ganz zeitgemäß? Die Restekiste hat zwar noch Klarsichtteile hergegeben, die aber alle im Durchmesser zu klein waren. Daher habe ich aus Bleidraht einen Ring geformt und an das Klarsichtteil geklebt und das Ganze mit dem Scheinwerferkörper verbunden. Hat auch noch nicht so richtig stimmig ausgeschaut also habe ich aus Milliput und Streifen vom Joghurtdeckel eine Tarnabdeckung zu Recht gebastelt. Abgerundet wurde die Frontgabel noch durch das Anbringen der Bowdenzüge aus Kupferdraht.

Baustufe 12 sieht dann noch das Anbringen von ein paar Kleinteilen und den Zusammenbau der Fahrerfigur vor. Diese habe ich mal ganz tief unten in der Restekiste verschwinden lassen, hat halt dann doch schon ein paar Jahre auf den Buckel.
Der Infanteriekarren stammt ebenfalls von DRAGON (6104). Hier wurde lediglich die Deichsel aus einem gezogenen Spritzling umgebaut, da das im Originalbausatz für den Pferdezug vorgesehen ist.
Ein bisschen Zubehör wurde noch aus der Restekiste gefischt und inspiriert durch Originalfotos am Modell angebracht.
Sowohl die Ketten, als auch die Trosse wurde nach der Bemalung angebracht.

Bemalung/Alterung

Zuerst habe ich alle Teile mit dem schwarzen Surface Primer von Vallejo versehen, auf ein Aufhellen habe ich bei diesem kleinen Modell verzichtet, zumal ja noch eine Farbtarnung darüber kommt.

Das folgende Dunkelgelb stammt von Mission Models (MMP-011). Für die Tarnbemalung habe ich das Muster aus dem Bemalungsplan mit Bleistift auf das Modell übertragen und dann mit der Airbrush aufgespritzt. Auch hier kamen die Farben von Mission Models Olivgrün (MMP-009) und Rotbraun (MMP-015) zum Einsatz, die Rückbank wurde mit Canvas von Vallejo gespritzt.
Hervorstehende Teile, wie zum Beispiel die Tankdeckel, wurden mit entsprechender, aufgehellter Farbe hervorgehoben.

Nachdem alles durchgetrocknet war folgte eine Schicht glänzender Klarlack, um die Nassschiebebilder aufzubringen, dies beschränkt sich auf Nummernschilder und das Verladekennzeichen sowie einer Nummer 4 an der Frontgabel.

Danach wurden Farbabplatzer und Kratzer mit aufgehelltem Dunkelgelb aufgebracht und mit schwarz ergänzt. Rostspuren habe ich mit verschiedenen Rosttönen von Vallejo, die mit deren Retarder Medium vermischt wurden, aufgebracht.

Im nächsten Schritt erfolgte ein mit Wasser verdünnter Wash aus Vellejos Game Color Wash Pale Grey über das gesamte Modell, um einen gewissen Fading Effekt zu erzielen. Dann ein Pinwash mit Game Color Wash Sepia Shade von Vallejo, um die Details hervorzuheben.

Die Ketten wurden mit Dark Tracks von AMIG gespritzt über die dann noch ein leichter Hauch von verschiedenen Rosttönen gelegt wurde. Die Kettenpolster und Gummianteile der Räder wurde mit Vallejos Tyre Black bemalt.

Für die Verschmutzung kam Diorama Effects Thick Mud von Vallejo zum Einsatz das nach dem Durchtrocknen auch noch mal einen Wash aus Sepia Shade erhielt. Thick Mud habe ich dann nochmal stark mit Wasser verdünnt und in die angrenzenden Bereiche der stärkeren Verschmutzung aufgetragen, um einen weicheren Übergang zu erzielen.
Dann kamen noch die Splatter Effects Dry Mud von AK zum Einsatz die mit einem Zahnstocher und einem Pinsel „aufgespritzt“ wurden. Dann noch ein paar Pigmente für das Reifenprofil, das leichte Übernebeln mit Tamiya Buff und eine abschließende Versiegelung mit mattem Klarlack.

Fazit

Dass ein Bau mit PE-Teilen ein bisschen länger dauert, gar keine Frage, was aber das Ganze in die Länge gezogen hat war das Nacharbeiten aufgrund der Passungenauigkeiten, der unscharfen Detailzeichnung der Bauteile und der fehlenden Detaillierung (obwohl auf dem Karton steht „Highly detailed“.
Man merkt halt, dass das schon eine ältere Form ist, die nicht mehr den heutigen Standards entspricht. Aus der Schachtel gebaut erhält man ein Modell, das nach Kettenkraftrad ausschaut, zumindest in vereinfachter Form und das mit Passungenauigkeit nicht geizt.
Wer mehr rausholen will dem sei der PE-Satz von EDUARD oder auch der von ROYAL zu empfehlen und die Lust zum Scratchbau.

Mir hat der Bau auf jeden Fall Spaß gemacht auch wenn’s dann doch etwas länger gedauert hat als geplant zumal ich schon eine Ewigkeit auf eine Veröffentlichung dieses Fahrzeuges gewartet habe.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 02/2021 Robert Schall

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