Das mittlerweile rund 20 Jahre alte Modell des Hetzers (späte Ausführung) war lange Zeit der einzige Vertreter dieses Typs auf dem Markt. Mittlerweile gibt - bzw. gab es auch einige Varianten dieses Fahrzeuges von Dragon. Eines dürfen wir schon vorweg nehmen, man sieht dem Modell sein Alter kaum an - und bei einem Preis der bei weniger als der Hälfte des Dragon Pendants liegt, ist es eine echte Alternative. Beim Öffnen der Packungen machte sich ein erstes Stutzen breit. Die drei sauber gegossenen Spritzlinge waren bei Thomas Modell in dunkelgrau gehalten, während meine in Dunkelgrün gegossen sind (das Modell des Hetzers, welches ich vor mittlerweile fast 20 Jahren einmal gebaut habe, kam noch in Sandgelb daher). Gravierendere Unterschiede gibt es allerdings bei den beiliegenden Abziehbilderbögen, wobei meiner doch bedeutend umfangreicher ausfiel. Die Spritzlinge machen alle einen sauberen und guten Eindruck, die Vinylkette ist, wie bei Italeri früher üblich etwas härter. Lediglich die Figuren deuten auf das Alter des Modells hin, diese sollte man dann doch lieber durch solche aus der Grabbelkiste ersetzen. Die beiden hier beschriebenen Modelle entstanden in unserer dritten Bastel-Jam-Session in grade mal einem Tag.
Der Bau beginnt mit dem voll beweglichen Laufwerk. Wie bei allen Italeri Modellen mit Panzer 38(t) Fahrgestell, ist nicht nur die Federung, sondern sind auch alle Lauf-, Treib- und Leiträder, sowie die Stützrollen beweglich. Diese Tatsache und der Umstand, daß die relativ harten Ketten nicht mehr wirklich als schön bezeichnet werden können, schreien eigentlich nach Einzelketten von Friul. Die Kombination der beweglichen Federung mit einer Friulkette wäre sicherlich grade für Dioramenbauer interessant. Aus Zeit- und Kostengründen haben wir trotzdem die Vinylkette verwendet. Im nächsten Schritt wird das Wannenheck montiert, inkl. der diversen filigranen Haken. Die Bauanleitung schlägt nun vor auch den Wannenbug mit der Unterwanne zu verkleben, aus Gründen der besseren Passgenauigkeit, würde ich diese aber erst einpassen, wenn Ober- und Unterwanne zusammengefügt sind, zumindest sollte man beim Einbau des Wannenbugs die Oberwanne zwecks Kontrolle aufsetzen und anpassen. Nach Komplettierung der Unterwanne folgt der Einbau der Kanone in die Oberwanne. Die komplette 7,5cm L/48 Kanone besteht zwar nur aus zwei Teilen, ist aber für den Einblick durch die Dachluken ausreichend detailliert. Die Kanone ist gut ausbalanciert, kann aber leider nur in der Höhe, nicht seitlich bewegt werden. Die Kette wurde erst nach Abschluß der Bemalungsarbeiten aufgezogen, wobei man erwähnen sollte, daß die Kette sogar nach Anbringen der Schürzen (die beim Bemalen ja nicht vergessen werden sollten) aufzuziehen ist, man muss allerdings etwas Geschick und Geduld mitbringen, um die Kette zwischen Treibrad und Schürze durchzuzwängen und aufzuziehen. Als Bordwerkzeug liegt lediglich eine Schaufel bei, dieses erscheint etwas wenig, allerdings ist auf den uns vorliegenden Einsatzfotos auch kein weiteres Werkzeug zu erkennen. Eine Skizze besagt allerdings, daß auf den hinteren Kettenabdeckungen die normale Werkzeugpalette (Axt, Wagenheber, Vorschlaghammer, C-Haken) mitgeführt wurde. Wer will, kann diese Werkzeuge also aus der Grabbelkiste ersetzen (Tamiyas "Panzer IV On-Vehicle-Equipment" ist hierfür sehr zu empfehlen).
Mein Modell soll ein fiktives Fahrzeug der 9. SS Panzer Division "Hohenstaufen" zur Zeit der Ardennenoffensive darstellen. Der Hetzer wurde mit Japanese Navy Green von Tamiya grundiert, da Fahrzeuge zu dieser Zeit bereits Dunkelgrün als Basisfarbe hatten anstatt Dunkelgelb. Anschließend erfolgte das Highlighten, um dem Modell einen plastischeren Eindruck zu verschaffen. Hierzu wurde das Modell mit einer Mischung aus ca. 80% J.N. Green und 20% Dunkelgelb eingenebelt. Nach dem Durchtrocknen der Tarnfarben wurde die Gummierung der Laufräder und Stützrollen aufgebracht, sowie die Schaufel und der Holzklotz bemalt. Das Holz habe ich wie üblich erst mit Tamiya Matt Gelb grundiert, dann mit einer rotbraunen Ölfarbe überzogen. So entsteht auch bei glatten Flächen der Eindruck einer Maserung. Der nächste Schritt war das Washing des Modells. Da mein Hetzer zur Abwechslung mal ein relativ fabrikneues Fahrzeug darstellen soll, habe ich ihn nur mit einer stark verdünnten braun/schwarzen Lösung überzogen (Schwarz und Vandyk Braun stark verdünnt mit Revell Color Mix). Nachdem die Fugen und Kanten durch die Ölfarbe hervorgehoben sind, folgt das Trockenmalen. Auch hierfür verwende ich Ölfarben aus dem Künstlerbedarf. Mein Hetzer wurde mit einem Khakiton trockengemalt, der aus den Farben Weiß, Ocker, Grün und Braun gemischt wurde. Das Trockenmalen mit Ölfarben hat meiner Erfahrung nach den Vorteil, daß die Effekte bedeutend weicher ausfallen, als mit Enamel oder Acryl Farben. Die Kette wurde mit einer Mischung aus Tamiya Metallic Grey, Gunze Rostfarbe und Tamiya Schwarz grundiert und nach dem Trocknen mit einer Mischung aus diversen Brauntönen mit Pastellkreide "gewürzt". Der Metalleffekt an den Zähnen, sowie der abgeschliffenen Laufseite der Kette wurde mit Wischsilber von Lukas aufgebracht.
Die Bemalung meines Hetzers war diesmal ein wahres Horrorszenario, da ich mir vornahm zum ersten Mal eine Dreifarbtarnung mittels Airbrush aufzutragen ... im nachhinein hat sich dies als gar nicht so schwierig herausgestellt!
Meinen ersten Italeri Hetzer habe ich zu meinem 11. Geburtstag bekommen. Doch auch heute, fast 20 Jahre später, kann dieses Modell durchaus überzeugen. Lediglich die Kette und Figuren sind wie erwähnt nicht mehr ganz zeitgemäß, das sind dann aber auch schon die einzigen Kritikpunkte die wir finden konnten. Der Bau geht flott von der Hand und dank der guten Paßgenauigkeit ist das Modell auch für Anfänger uneingeschränkt empfehlenswert.
Empfohlene Literatur:
(C) 5/2001 Carsten Gurk & Thomas Hartwig |