T-34/85 Mod. 1944 "Pravda Girls High School"


 

Das Original

Die Sowjets entwickelten ihren bewährten mittleren Kampfpanzer T-34/76 weiter, der 1943 den aufkommenden stärkeren deutschen Panzern wie Tiger und Panther nicht mehr gewachsen war. Es wurde eine stärkere Kanone mit 85 Millimeter Durchmesser und längerem Lauf entwickelt, die in einem dazu ebenso neu entworfenen, größeren Turm untergebracht wurde. Ab 1944 wurden diese größeren Türme mit einer weiter nach hinten versetzten Kommandantenkuppel konstruiert, die dem Richtschützen ebenso mehr Platz boten wie einem Funkgerät, das dem Kommandanten direkt zugänglich war. Die Panzerbesatzung stieg nun von vier auf fünf Mann an. Der Turm nahm zur Aufnahme des größeren Geschützes nicht nur in seinen Ausmaßen zu, sondern auch in seiner Panzerungsstärke. Die Wanne samt Motor blieben unverändert und wurden dem zusätzlichen Gewicht nicht angepasst. 

In der Animeserie "Girls und Panzer" bildet der T-34/85 das Hauptwaffensystem der "Pravda Mädchen-Oberschule", zusammen mit den T-34/76 sowie dem IS-2 und dem KV-2.

Der Bausatz

Mein Modell ist ein Hybrid aus zwei Bausätzen: Der T-34/85 Mod.1944 von "Dragon" sowie die "Girls und Panzer"-Variante. Letztere wurde gemeinschaftlich von "Platz" und "cyberhobby" aufgelegt und enthält im Wesentlichen die gleichen Spritzlinge wie das "Dragon"-Pendant. 

Der 2006 als "Premium Edition" wiederaufgelegte Bausatz des Mod.1944 (Nr. 6319) enthält eine umfangreiche Ätzteilplatine, hauptsächlich für die Lüfter und Halterungen der Treibstoffbehälter.

Als Zusatzausstattung sind noch ein Alurohr enthalten sowie zwei Projektile aus Metall, vorgeschnittene und sortierte Kettenglieder, gedrehter Draht fürs Kettenkabel und ein Decalbogen mit Markierungen für sechs Fahrzeuge. Alle Teile sind sauber und scharf gegossen, auffällig sind die Schweißnähte sowie die gelungene Gussstrukur z.B. des Turmes und der Kugelblende. 

Der "Girls und Panzer"-Bausatz hat nahezu die gleichen Spritzlinge, enthält aber neben anderen Laufrollen noch zusätzlich Halterungen für die Treibstoffässer aus Kunststoff. Die Kettenglieder sind am Gussast und müssten herausgetrennt werden. Zusatzausstattung wie Alurohr oder Ätzteile gibt es überhaupt nicht, dafür ist der Bausatz um einiges teurer als der von "Dragon"- und zwar auch in Fernost. Der beiliegende Decalbogen enthält neben Abbildungen der beiden Kommandantinnen der "Pravda"- Oberschule noch Markierungen für insgesamt zwei Fahrzeuge. 

Beim Vergleich der beiden Bausätze ist mir aufgefallen, daß, obwohl beide von demselben Hersteller stammen, die Spritzlinge des "Dragon"-Bausatzes eine Spur schärfer konturiert sind.


Der Bau

Die T-34/85 der "Pravda Oberschule" sind alle einheitlich und weisen untereinander keine Unterschiede auf. Es finden sich auf deren Acht-Fünfern keine Werkzeuge, Kettenseile u.ä. 

Der Zusammenbau erfolgte in mehrere Segmente: Unterwanne, Fahrwerk, Oberwanne, Motorheck sowie den Turm. Diese habe ich einschließlich Bemalung getrennt bearbeitet, ebenso eine Vielzahl an Anbauteilen. 

Die Unterwanne lässt sich ohne Mühe schnell zusammenbauen. Die Schwingarme passen wie angegossen und bedürfen keiner Nacharbeit. Von der Anbringung der Schwingarme (A6) für die Umlenkrolle habe ich hier erstmal abgesehen. Sie werden später beim Komplettzusammenbau justiert und festgeklebt. Selbiges galt für sämtliche Räder sowie die Naben der Laufräder. 

Anhand der trocken befestigen Räder habe ich die Kettenglieder ausgerichtet. Sie bestehen aus jeweils 36 Kettenglieder sowie Verbindern. Diese Anzahl ist notwendig für die Darstellung eines Kettendurchhangs. Wer ein fahrendes Fahrzeug darstellen möchte, dessen Ketten sich durch die Bewegung straffen, sollte die Anzahl der Glieder reduzieren. 

Der Zusammenbau der Ketten war schwierig. Sie lassen sich nicht zur Gänze kleben und dann montieren, bevor der Kleber aushärtet. Dafür sind die Kontakte der Kettenglieder dem Vorbild entsprechend zu klein. Die Ketten habe ich daher abschnittsweise dem trocken montierten Laufwerk angepasst und ineinander verklebt. Nach der Aushärtung des Klebers nahm ich die ausgeformte Kette vom Laufwerk runter und ließ dünnflüssigen Kleber in die Rillen und Spalten einsickern. Somit konnte ich die Stabilität und den Zusammenhalt steigern. Die Ketten blieben trotzdem durchweg fragil und mussten bis zur Fertigstellung des Modells wie rohe Eier behandelt werden. 

Die Oberwanne bietet mit der mitgelieferten Ätzteilplatine reichlich Möglichkeiten an Detailverbesserungen und somit Aufwand. Die Ätzteile an der Frontpartie sind einfach anzubringen.

Die Anbringung der Lüftergitter auf die Motorhaube bedurfte der Vorarbeit. So musste die bereits vorhanden gegossene, massive Lüftertextur am Bauteil B12 zur Gänze entfernt werden. Ich hab dazu mit einem 3mm-Bohrer zunächst die Fläche wie einen Schweizer Käse zerlöchert. Das anschließende Heraustrennen mit einem Skalpell war dann ein Einfaches. 

An der Lüfteröffnung am Heck habe ich mittels hauchdünnem Plastikstreifen (0,2 mm) die beiden Lamellen selber angefertigt. Für einen Blick durchs Gitter reicht's völlig. 

Für die schmalen Lüftergitter an der Seite sowie auf dem Deck lassen sich ebenso die enthaltenen Ätzteile verwenden. Ich habe davon abgesehen. Sie sind mir zu flach sowie arm an Struktur und Tiefe.  Daher nahm ich die detailreicheren Spritzgußteile. Auch diese klebte ich noch nicht ein. 

Selbiges gilt für die Kugelblende sowie die Fahrerluke. In letztere habe ich noch zwei Öffnungen für die Optiken hineingearbeitet. Diese befinden sich unerwähnt am Klarsichtspritzling "J". Das Bug-MG habe ich noch aufgebohrt. 

Die Heckplatte besteht aus einer Handvoll Teilen. Der Haltegriff an der Luke "B10" ist ein massiver Anguss ohne Durchbruch. Ich habe ihn abgetrennt und mit Draht ersetzt. Die Auspuffrohre sind zweiteilig und bilden nach dem Zusammenkleben eine nahtlose Rohröffnung. Mir schienen die Rohrwände zu dick, sodaß ich diese mit einer Kugelfräse verdünnte. 

Die Halterungen für die Treibstoffbehälter können mit den beiliegenden Ätzteilen selber erstellt werden. Damit die Riemen "MA28" passend um die seitlichen Fässer herum sitzen, müssen insbesondere die Schnallen "MA27" sowie die Halteöffnungen "MA26" präzise angebracht werden. Spielräume gibt's hierbei keine, der Weg führt allein über Trockenanpassung und Probekleben. 

Die weiteren Anbauteile wie auch Staukästen sowie deren Aufdetailierung waren ohne Besonderheiten zu schaffen, die Vielzahl an zu verbauenden Kleinteilen allein war fordernd. 

Ungenauigkeiten oder Passprobleme gab es dabei keine. 

Der Turm war mit einer Vielzahl von Kleinteilen zu versehen, die allesamt problemlos zu verarbeiten waren. Besondere Sorgfalt verlangte die Befestigung der Halterungsgriffe am Turmheck. "Dragon" gibt dazu verlässliche Zeichnungen sowie präzise Maßen in der Bauanleitung an die Hand. 

Trotz sehr guter Passgenauigkeit fielen Turm sowie Turmboden wie auch die Teile "G12/13" nicht einfach ineinander, sie mussten schon achtsam zusammengefügt werden. Dabei ging dann auch nichts schief. Zuvor wurde der Geschützmantel einfach in dessen Halterung eingelegt ohne ihn zu verkleben. Damit bleibt das Rohr in der Höhe beweglich. Das beigelegte gute Alurohr habe ich durch eins von "Aber" ersetzt. Dessen Rohrwand ist feiner und weist an der Öffnung zudem Züge und Felder auf. Es passt im Mantel wie angegossen.

Für die Antenne habe ich einen Kunststoffstab in Stärke von 0,5mm verwandt. Diesen habe ich durch gleichmäßige Drehung mittels Sandpapier konisch zulaufend geschliffen. 

Damit ist der Bau der Segmente im Wesentlichen abgeschlossen. Der Komplettzusammenbau aller Teile folgte im Anschluss an die Bemalung.

Bemalung/Alterung

Die Panzer der "Pravda Mädchen-Oberschule" sind bei Auswärts-Kämpfen in Dunkelgrün gehalten. Bei Heimrecht sind deren Fahrzeuge der Umgebung im Permafrost entsprechend weiß lackiert. 

Ich entschied mich für die Auswärtsvariante. 

Einfarbig, dunkelgrün, keine Werkzeuge und einigermaßen gepflegt (die Mädchen halten ihre Panzer gut in Schuss): Die Bemalung stellte mich vor die Herausforderung, kein eintöniges Fahrzeug am Ende zu haben. 

Also entschied ich, möglichst viele Teile mit Farbnuancen zu versehen, indem ich diese getrennt voneinander behandelte. Zur Bemalung verwende ich nahezu nur Tamiya-Acrylfarben. 

Zunächst verlieh ich den gesamten Modell eine Vorschattierung mittels "Flat Black". 

Die Ketten überzog ich mit "Burnt Iron", danach folgte ein unregelmäßiger Auftrag mit irdenen Tönen wie "Flat Earth", "Khaki" und  "Khaki Drab". Anschließend habe ich die Laufflächen, die mit den Umlenkrollen und dem Treibrad in Berührung kommen, mit "Silver" dünn lackiert. Danach habe ich mittels eines kleinen Schwamm und wiederum "Burnt Iron" diese Flächen abgetupft.

Als nächstes habe ich die Führungszähne mit "Silver" trockengemalt. Schließlich wusch ich die Ketten mit einer Mischung aus den Emaillefarben "Flat Black" und "Red Brown". Zum Abschluss versah ich die Ketten mit den Mig-Pigmenten "Europe Dust", "Light Dust", "Brick Dust" sowie "Dark Mud". 

Dabei war Maßhaltigkeit angesagt, da Verschmutzungen generell an diesen Panzern nur meist von einem einzigen Wettkampftag herrührten. Andererseits sollte eine Abnutzung dargestellt werden, die von einer Vielzahl von Einsätzen beim "Senshado" zeugen, wo neben den herrschenden harten Wettkampfbedingungen immer scharfe Munition eingesetzt wird. 

Die Gummierung der Laufräder habe ich mit "Rubber Black" lackiert. Dafür nutzte ich eine Sprühschablone, die für die Laufrollen des Chieftain von "Takom" gedacht sind. Passte haargenau auch auf diese Räder des T-34. Die Laufräder wurden mit unterschiedlichen Grüntönen grundiert wie "NATO Green", "Field Grey" und "Olive Green". Deren Narben jedoch wurden alle in derselben Farbe bemalt. 

Genauso verfuhr ich mit dem gesamten Modell: Der Farbauftrag erfolgte panelweise. Die Grüntöne wurden auch dezent variiert, indem ich sie untereinander mischte oder mit ähnlichen Farbtönen anreicherte. Exponierte sowie erhabene Details wie auch Kleinteile wurden fast alle mit dem hellen Grünton "Sky" lackiert. Danach erfolgte der Auftrag der Hauptfarbe. Diese musste ich nach Durchsicht meines "Girls und Panzer"-Referenzmaterials erstmal ergründen. 

So empfiehlt Tamiya allgemein für die Darstellung von "Russian Green" eine Mischung aus "Olive Green" und "Yellow Green" im Verhältnis 1:1. 

Für die "Pravda"-Panzer ist es allerdings "Dark Green" die passende Hauptfarbe. 

Diese Hauptfarbe trug ich mittels zwei Verfahren auf: Zum Einen mit meiner Airbrush, zum Anderen mit einem kleinen Schwamm.  Auch "Dark Green" wurde dabei mit anderen Grüntönen variert. 

Den Farbauftrag nahm ich mittels Airbrush in unterschiedlicher Stärke vor. Der Schwamm bescherte ein Übriges an unregelmäßiger Textur.  

Mit den bereits erwähnten erdigen Farbtönen alterte ich das Fahrzeug wiederum mit einem Schwamm. Aufgrund des Lösungsmittels im Verdünner wurde die unterliegende Farbe mitunter angelöst. Somit trat entweder die Vorschattierung "Flat Black" hervor oder die bereits aufgetragene Grundierungsfarbe wie etwa "Olive Green". 

Als nächstes wurden einzelne Bauteile mit unterschiedlichen, jedoch stets dünnen Lagen von Klarlack bemalt. 

Für ein hartes Finish mixte ich "Clear" mit dem Tamiya-Lackverdünner (der mit der gelben Verschlusskappe). Dies trug ich beispielsweise auf die Staukästen auf wie auf die Laufräder, den Lüfterabdeckungen am Motordeck und dem Turmdach, dem Geschützrohr usw.

Exponierte größere Teile versah ich mit einer großzügigeren (aber dennoch maßhaltigen) Schicht an Klarlack wie die Kommandantenkuppel, der Geschützmantel oder die Kugelblende. 

Dann erfolgte ein Mikrofiltern mittels Ölfarben; Verlaufsspuren stellte ich wiederum mit dunklen Emaillefarben von Tamiya dar. Den Scheinwerfer lackierte ich innen mit Tamiya-Emaille "Black" (also einer Glanzfarbe) und trug danach "Chrome" von "Alclad" auf. Danach setzte ich das schön strukturierte Scheinwerferglas ein. Dabei verzichtete ich auf Klebstoff, es sitzt auch so fest in der Fassung. 

Die Antenne habe ich mit "Semi Gloss Black", die Auspuffrohre gleichsam den Ketten mit "Burnt Iron" lackiert. 

Erst danach habe ich die beiden Decals aufgetragen. 

Die Figur der stellvertretenden Oberkommandantin "Nonna" ist in Hautfarbe gegossen und besticht durch Detailreichtum und eine exzellente Passgenauigkeit. Nach einer gründlichen Reinigung trug ich als Grundierung "White Prime" auf und wiederum eine Vorschattierung mit "Flat Black". Die Haare lackierte ich ebenso mit "Flat Black" und hellte es seitlich etwas mit einer Mischung aus "Dark Yellow" und "Flat Brown" auf. Die Weste ist scheinbar schwarz, in Wirklichkeit aber dunkelgrau. Daher verwandt ich "German Grey". Für den darunterliegenden Waffenrock trug ich "Olive Green" mit unterschiedlichen Abmischung (hier dann u.a. "Yellow Green") auf. Das Hemd ist schlicht "Flat Red". 

Nachdem alle Teile lackiert waren, setzte ich den T-34 zur Gänze mit Sekundenkleber zusammen.

Nun wurden die komplett gebauten und bemalten Ketten auf das fertiggestellte Fahrwerk aufmontiert. Dann habe ich die Schwingarme der Umlenkrolle justiert und von innen der Wanne her festgeklebt. 

Danach setzte ich die Oberwanne auf die untere Wanne, die perfekt zusammenpassen, und verklebte sie zusammen mit der Heckplatte. Die Spalten über den hinteren Schmutzfängern sowie der Unterwanne ließen zunächst Sorgen aufkommen. Sie sind aber tatsächlich so am reelen Vorbild zu finden. 

Die Kleinteile gingen einfach anzubringen, die Motorhaube sitzt an sich auch gut auf. Jedoch passten sich dessen oberen drei Scharniere nicht lückenlos der Wanne an. Daher verwandt ich beim Verkleben zusätzlich einen Streifen Maskierungsband sowie etwas Gewicht zur Fixierung, bis selbst der Sekundenkleber gründlich ausgehärtet war. 

Beim Turm habe ich die Optiken aufgewertet, indem ich den zuvor schwarz lackierten Periskopen noch zugeschnittene Rechtecke aus Klarsichtkunststoff (0,2 mm) von Tamiya aufklebte. Sämtliche Sehschlitze habe ich mit Emaillefarbe "Black" herausgearbeitet. 

Zum Abschluss der Arbeiten habe ich insbesondere die Unterwanne mit den bereits erwähnten Farbpigmenten behandelt.

Fazit

Moskau kennt keine Tränen. Diese eigene Grußbotschaft der "Pravda"-Oberkommandantin "Katyusha" hat beim Zusammenbau der Ketten gleichsam ihre Berechtigung. Ansonsten ein sehr guter Bausatz mit scharfkonturierten Details und tadelloser Passgenauigkeit. Dessen "Premium Edition" bietet alles für einen detailreichen T-34/85. Fortgeschrittene eröffnen sich zusätzliche Verbesserungsmöglichkeiten, Anfängern sei versichert, daß sie an den Ketten auf jeden Fall zu kauen haben werden. 

Bei der "Girls und Panzer"-Variante ist die Resinfigur von "Platz" ein Zugewinn, indem sie mit ihren Details und ihrer Machart eine weiteren Kontrastpunkt setzt. 

Beenden möchte ich diesen Baubericht mit dem für die grandiose "Girls und Panzer"-Serie typisch gewordenen Satz im japanischen(!) Originalton: "Panzer vor!"

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****


Quellen:






© 09/2017 Marco Sari

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