SU-76i


 

Das Original

Nach Stalingrad erbeutete die Rote Armee u.a. zahlreiche PzKpfw. III und StuG III. Da die, auf dem T-70 basierende, SU-76 an gravierenden technischen Problemen litt, entschied man sich etwa 300 Panzer und StuG III Wannen mit einer neuen, geschweißten Kasematte mit verschraubtem Dach auszustatten und mit dem 76,2mm S1 Geschütz zu bewaffnen. Die Umbauten wurden in Fabrik 37 in Swerdlowsk durchgeführt. Diese Fahrzeuge waren bei den Besatzungen sehr beliebt, da sie guten Schutz und Kampfkraft boten, wurden aber nur zwischen Anfang '43 und Anfang '44 an der Front eingesetzt. Die letzten ungefähr 20 überlebenden SU-76i wurden dann in Ausbildungseinheiten eingesetzt.



Der Bausatz

Nachdem Thomas den Bausatz in 'ausgepackt' vorgestellt hatte, bot er ihn mir an um einen Baubericht zu schreiben. Da er auch weiss, dass ich zum Zeitvertreib gerne die eine oder andere Niete zähle, sagte er mir auch dass ich nicht zuuuu pingelig sein sollte.
Da ich schon länger an der SU-76i interessiert bin, und auch gerade eine auf Basis des Masterclub Resin Umbausatzes baue, sagte ich natürlich sofort zu. Also schnell alle anderen Projekte aus dem Weg geräumt und ran an diesen neuen Dragon Bausatz! Da es sich um einen Baubericht handelt und der Kit auch nicht gerade billig ist, versuchte ich ihn so Out Of Box wie möglich zu bauen.

Was bekommt man also für seine 65€? Da es sich um einen sg. 'Smart Kit' handelt, hauptsächlich Gussäste aus bereits bekannten Kits. Und zwar vier aus dem StuG III Ausf. G, drei vom PzKpfw. III, und je einen vom PzKpfw IV und T-34/76 1941 Modell. Dazu dann noch die Wanne und zwei Stränge DS Ketten. Nur ein relativ kleiner Gussast und eine Platine PE Teile sind wirklich neu. Dazu gibt es noch einen Decalbogen mit Markierungen für sechs Fahrzeuge, vier davon von 'Unknown Units' und eine für ein deutsches Beutefahrzeug. Die Bauanleitung führt in 19 Schritten zum fertigen Modell.


Der Bau

Über die Wanne brauche ich nicht viele Worte zu verlieren: Bastelspaß pur! Ein paar Dinge gibt es aber zu beachten: An den oberen Kanten der Wannenseiten sind sechs Laschen die zu entfernen sind - einen Hinweis darauf sucht man in der Anleitung (Dragon-typisch) vergeblich.
An der rechten, einteiligen Kettenabdeckung ist einer der Angüsse direkt auf der Stoßkante zwischen zwei Kettenblechen - diese sollte also nachgraviert werden.
Abweichend von der Anleitung, sollte man die Heckplatte B30 an die Wanne kleben bevor man den Rest der Teile an ihr anbringt. Mir fiel das erst auf als ich die Teile A5 und A6 bereits verklebt hatte und festellte dass sie nicht gerade sitzen. Wäre es mir erst nach Aushärten des Klebers aufgefallen, wären Hopfen und Malz verloren gewesen. Also schnell die Heckplatte an die Wanne geklebt. Leider dauerte es etwas bis ich die Teile A5 und 6 ausgerichtet hatte und eine kleine Lücke entstand am Kettenspanner hinter dem Leitrad. Also lieber gleich die Heckplatte ordentlich mir der Wanne verkleben. Es ist zwar etwas friemelig die Teile A5 und 6 später von oben einzuschieben, aber die Mühe lohnt sich und sie sitzen dann so gut, dass man sich den Kleber sparen könnte.

Bis jetzt war ja noch alles im grünen Bereich, allerdings kamen jetzt die ersten Wermutstropfen - leider blieb es nicht bei den ersten, bis zum Ende des Baus war die Flasche fast leer - Die Kettenabdeckungen sind wirklich toll...wären sie für ein deutsches Fahrzeug gedacht. Generell entfernten die Sowjets alle Halterungen für die deutschen Pionierwerkzeuge. Hätte Dragon seinen Job ordentlich gemacht, wie man es von einem Kit dieser Preisklasse erwarten darf, hätten sie dem Kit neue Kettenabdeckungen beigelegt mit nur winzig kleinen Löchern, wo die Halterungen gewesen waren. Stattdessen muss man massenweise Löcher (etwa 20 links und 10 rechts) mit entweder Spachtel, oder Rundprofilen füllen. Naja...wird nie 100% aussehen.
Um den DS Ketten etwas Durchhang zu geben, bohrte ich Löcher in die Wanne und klebte 0,5mm Draht ein.
Am Bug bekommt man gleich zwei Halterungen für zusätzliche Kettenglieder - aber keine Kettenglieder! Dafür bleiben aber reichlich PzKpfw III Teile für die Restekiste...

Damit die Kanone später paßt, soll man ein 26mm breites Stück aus dem PzKpfw III Dach heraussägen. Dieses besteht aus zwei Teilen (A61 und A62). Dazu gibt es in der Anleitung eine, nicht maßstäbliche, Zeichnung mit Angaben wie weit von der linken Seite die Schnitte gemacht werden sollen. Bei A61 sind es 7,75mm (!) und bei A62 8,2mm (!) Meine Lösung sah etwas anders aus: Ich verklebte die beiden Teile des Daches und machte dann zwei Schnitte, den ersten etwa 8mm von der rechten Seite, den anderen 26mm weiter links. Dabei braucht man gar nicht so präzise arbeiten - die Schnitte sind nachher unter der Kasematte versteckt. Aus dem gleichen Grund kann man sich auch das Füllen der zwei Löcher im hinteren Teil des Daches, und das Entfernen der drei Zapfen sparen, was man laut Anleitung machen soll - sieht man später sowieso nicht. Im Nachhinein wurde mir klar: eigentlich kann man sich die ganze Sägerei gänzlich sparen: Einfach den hinteren Teil der Kanone, der nachher sowieso im Inneren der Kasematte versteckt ist, nicht verbauen, dann passt's schon. In dem Fall braucht man nur Teil K13 von dem Gußast des T-34 - ich gehe davon aus, dass die meisten Bastler das - unzeitgemäße - zweiteilige Kanonenrohr, so wie ich, entsorgen und ersetzen.
Laut Anleitung soll man auch K3 und K4, welche als Kanonenhalterung im T-34 Turm dienen, verbauen - nicht tun! Sonst passt die Kanone nicht.

Und damit wären wir bei Gußast 'E' angelangt, dem einzigen wirklich neuen in diesem Kit. Jetzt wird auch klar warum der Kit nicht gerade günstig ist: Neben dem Bausatzt erwirbt man nämlich auch eine Zeitmaschine! Leider reist diese nur in eine Richtung: Zurück in die schlechte alte Zeit, als minderwertige Bausätze in schlechten Formen gemacht wurden, mit weichen Details und schlechter Passung. Ohne jetzt pingelig zu werden, haben sich auch einige Fehler eingeschlichen. Aber der Reihe nach: die Zapfen an K13, der Kanonenwiege, passen in deren Halterungen E35 und E14 etwa so gut wie die entsprechenden Teile eines Katers und einer Elefantenkuh bei einem Paarungsversuch. Abhilfe fand ich in Form zweier kleiner Stückchen Uhu Pattafix.
Um die Halterungen dann mit der Kasematte zu verkleben bedarf es Augenmaß - Zapfen oder der Gleichen, die eine Passung vereinfachen würden, sucht man nämlich vergeblich. Genauso vergeblich verläuft die Suche nach den Schweißnähten an den Abdeckungen der Nahverteidigungsöffnungen (E27) und Sehschlitzen (E24/E17), darüber hinaus finden sich seltsame, keilförmige Aussparungen über den jeweiligen Befestigungspunkten dieser Teile, die verspachtelt werden müssen. Die Luken ließen sich auch geöffnet verbauen meint die Anleitung, aber da der Innenraum der Kasematte, außer der Kanone, völlig leer ist, müsste man dann das Loch mit einer Figur füllen.
Die Schaniere für die hintere Einstiegsluke (E20) sind alle identisch, nicht besonders schön und mit hohem Versäuberungsbedarf. Man muss also notgedrungen zwei davon mit der hinteren Seite nach vorne verkleben.
Jetzt darf man die Kasematte mit der Wanne verkleben - auch hier ist Augenmaß gefordert da es keinerlei Hilfen wie Zapfen gibt.
Die Hebeösen sind wirklich ganz gut gelungen, selbst Schweißnähte gibt es! Auf der linken Seite der Kasematte gibt es Markierungen wo sie hingehören, rechts nicht (?)

Zur Abwechslung gehe ich jetzt etwas auf die vorher erwähnten Fehler ein: Der 'Kugelteil' der Kanonenfassung (E31/32) ist zu groß geraten, dementsprechend ist auch die (recht schöne) gegossene Blende E33 an der Kasematte zu groß. Am Orginal war die vordere Panzerplatte 35mm dick, das Bausatzteil schafft es mit Ach und Krach gerade mal auf geschätzte 0,2mm.

Das fände ich halb so schlimm wenn E33 wenigstens ordentlich an die Kasematte passen würde - tut es aber nicht! Um es richtig zu positioniern bedarf es mal wieder, das mittlerweile recht strapazierte, Augenmaß. Es gibt lediglich einen winzigen Zapfen, der keine einwandfreie Passung ermöglicht. Eine Lücke wird es auf jeden Fall geben - man darf sich also auf weite Spachtelarbeit freuen. Um so mehr wenn man nicht vorher die beiden PE Teile MA11 und 13 um etwa 3mm kürzt. Natürlich fehlen auch sämtliche Schweißnähte ober- und unterhalb der beiden gerade erwähnten PE Teile, sowie den seitlichen PE Teilen MA9 und 10 - diese waren beim Orginal die Bleche mit denen die Kasematte mit der Wanne verbunden wurden.

Jetzt kann die Kanone vervollständigt werden: Bevor man des Splitterschild E11 verklebt sollte man die drei großen Auswerfstellen auf der Innenseite abfeilen. An der Kanonenfassung E15 muss man ca. 2mm vom oberen Teil entfernen, sonst passt sie nicht in die Blende. An die vordere Kante gehören dann noch sechs spitze Bolzenköpfe. Der Bausatz enthält diese als Teile E36 und zwar angegossen am Gußast. Zur richtingen Platzierung gibt es eine Zeichnung in der Anleitung. Toll sehen diese Bolzenköpfe nicht aus. Ehrlich gesagt ist die Teilenummer schärfer detailliert als die eigentlichen Teile. Ich konnte mich nicht dazu überwinden diese Bolzenköpfe zu verwenden und griff auf Masterclub 0,9mm bullet-proof bolts aus Resin zurück.

Fehlen noch Scheinwerfer, Zusatztanks und Werkzeugkisten - ich mach's kurz: die gehören entsorgt! OK, vielleicht sollte ich dieses Urteil qualifizieren: Die Linse des Scheinwerfers ist eine, völlig detailunbelastete, Scheibe aus grauem Spritzguß - selbst die Anleitung zeigt sie mit den korrekten Gravierungen. Für einen modernen Kit mit einem heftigen Preis völlig inakzeptabel, finde ich. Hier benutzte ich einen Scheinwerfer von Elf mit der Halterung des Kit Teils, das ich absägte.

Genauso inakzeptabel finde ich die zweiteiligen Zusatztanks, das hat Dragon schon in den neunziger Jahren besser gemacht! Und die Halterungen für die Tanks sind einfach unbeschreiblich sch...sch...schlecht: Zu dick, falsche Form, keinerlei Details! Anfangs wollte ich sie durch bessere Teile aus der Restekiste ersetzen, entschied mich dann aber eine SU darzustellen die zur Ausbildung von Besatzungen genutzt wurde - diese hatten die Tanks nicht.

Dann die Werkzeugkisten...boah, wo soll ich anfangen? Die Halterungen und deren Bolzen um sie and den Kettenblechen zu befestigen fehlen gänzlich. Die Scharniere sind so vage ausgebildet dass sie fast unsichtbar sind - und zu allem Überfluss ist der einzige Anguß genau da wo eines davon sein sollte - da hilft nur scratchen (Dicke Alufolie und 0,3mm Rundprofil)

Bemalung/Alterung

Die DS Ketten wurden grundiert und dann mit German Camouflage Black Brown 'geairbrusht'. Highlights an den Ketten, sowie den Antriebs- und Leiträdern, wurden dann per Drybrushing mit Liquid Silver gesetzt.
Die Gummibandagen der Laufrollen wurden mit Vallejo Dark Rubber bemalt, die Schäden mit Schwarz, danach noch ein Washing mit Oiled Earth.

Die Wanne wurde mit Panzergrau Primer grundiert, die Kasematte mit Russian Green Primer. Danach kam das 4BO Modulation Set zur Anwendung, dann ein Filter aus stark verdünntem Wash for Green Vehicles (alles von Vallejo).
Als nächsten Schritt versuchte ich mich an einer, für mich noch neuen, Methode: Das, von Michael Rinaldi entwickelte, OPR (Oil Paint Rendering) mit Ölfarben von Wilder.
Der untere Rand der Wanne wurde dann mit Dark Russian Mud und etwas Mud and Crushed Grass bepinselt (Vallejo), dann Pigment Fixer von MIG gefolgt von einer Mischung aus dunklen Pigmenten und schließlich mittelbraune Pigmente, mit denen ich auch die unteren Seiten der Kettenabdeckungen verschmutzte. Räder und der obere Teil der Wanne, Kettenabdeckungen und Kasematte wurden dann mit einer Mischung aus hellbraunen Pigmenten trocken (ohne Fixer, einfach mit Pinsel verteilt) verstaubt.
Normalerweise würde ich mehr Zeit und Mühe für das Weathering aufwenden, aber, ehrlich gesagt, hing mir das Modell so langsam zum Hals raus.



Fazit

Schade! Wären die neuen Teile dieses Kits so hochwertig wie die recykelten, hätte dies ein richtiges Highlight sein können. Die Verantwortlichen sollten sich in die Ecke stellen und schämen!

Bausatz ohne SU76i Spritzling:

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****


Bausatzteile für SU76i:

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****





Referenzen:
https://fotki.yandex.ru/users/holger2/album/158201/
http://photo.qip.ru/users/coast70/135157495/?page=1


© 02/2017 Dierk Schmidt

1987 Leser dieses Bauberichts seit dem 17.01.2017

zurück zur Übersicht