Hanomag SS100 mit Meillerwagen und V2 (1:72)


 

Die Originale

Hanomag SS 100

Der Hanomag SS 100 Gigant gehörte zu den größten Zugmaschinen seiner Zeit. Zwischen 1936 bis 1951 baute die „Hannoversche Maschinenbau AG“ rund 6.200 Fahrzeuge. Geliefert wurden verschiedene Ausführungen, z.B. mit Seilwinde oder Doppelkabine. Parallel zum Dieselmotor wurden während des Krieges auf Holzgas umgerüstete Motoren gebaut. Allerdings reduzierte sich die PS-Zahl von ca. 100 PS auf 80 bis 85 PS.

Durch unterschiedliche Getriebeübersetzungen wurden 35, 40 oder 45 km/h an Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Zuerst hauptsächlich von der Luftwaffe eingesetzt hielt der SS 100 später auch Einzug im Heer.

Nach dem Krieg wurde die Zugmaschine unverändert weitergebaut, jedoch als ST 100 benannt. 

 

Meillerwagen

Der Meillerwagen wurde im Peenmündener Raketenzentrum entwickelt um das Aggregat 4 zu mobilen Abschußbasen zu bringen und startfertig zu machen. Im Grunde bestand der Anhänger aus zwei übereinander liegenden Rahmen, bei dem der oben liegende als Transportgestell für die V2 aufmontiert war.

Im Gegensatz zum Vidalwagen, der nur dem Transport der V2 diente, konnte die Rakete mit dem Meillerwagen am vorgesehenen Starttisch durch die eingebaute Hydraulik aufgerichtet werden.

Mit Hilfe des Meillerwagens konnte die letzten erforderlichen Arbeiten bis zum Abschuß der V2 direkt vor Ort erfolgen. 

 

Aggregat 4 / V2

Über das Aggregat 4 muß man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Über die erste funktionierende Großrakete mit Flüssigkeitstriebwerk gibt es Informationen wie Sand am Meer…

Entwickelt wurde die A4 unter Leitung von Wernher von Braun in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf Usedom ab 1939. 1944 wurden die Raketen in großer Zahl zum Einsatz gebracht.

Im Oktober 1944 wurde diese Waffe dann von Propagandaminister Goebbels zur Vergeltungswaffe 2, kurz V2, erklärt. (Nach der Fi 103 = V1)

Von den Starteinheiten der Wehrmacht und der SS wurde die A4 schlicht nur als „Das Gerät“ bezeichnet.

Die Brenndauer von rund 60 Sekunden verlieh der V2 eine Geschwindigkeit von bis zu 5.500 km/h. Bei einer Reichweite von 250 bis 300 Kilometern und einer daraus resultierenden Flugzeit von etwa fünf Minuten ergaben sich seinerzeit keine Abwehrmöglichkeiten gegen diese Waffe.



Der Bausatz

Mit diesem Bausatz hat Takom seinen ersten Bausatz in 1:72 auf den Markt gebracht. Im Komplettpaket sind die Hanomag SS100, der Meillerwagen und die dazugehörige V2 (Aggregat 4) enthalten. Ein Starttisch vervollständigt das ganze Ensemble. Alle Zutaten für ein kleines Diorama ...

In dem relativ stabilen Karton befinden sich insgesamt vier hellgraue Spritzlinge, die Karosserie der SS100, ein Spritzling der die Klarteile enthält, eine kleine Ätzplatine und 15 Vinylreifen. Decals sucht man leider vergebens. (Kennzeichen für die Hanomag – Fehlanzeige.)

Es sieht so aus als ob alles im Großen und Ganzen vom 1:35er Bausatz herunterskaliert worden wäre wobei einige Baugruppen zusammengefasst wurden. Das dürfte dem kleineren Maßstab geschuldet sein.

Auf den ersten Blick machen die Bausatzteile einen durchaus guten Eindruck. Auswerferstellen sucht man vergebens und die Teile sind durchaus scharf wiedergegeben. Lediglich an einigen wenigen Teilen ist etwas Fischhaut zu erkennen die aber ohne Probleme zu entfernen sein sollte.

Spritzling A: Hier finden wir alle Teile, die zum Bau der V2 benötigt werden. Vier Halbschalen ergeben den Korpus der sicherlich etwas mehr Aufmerksamkeit bedarf um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Im Rahmen finden wir auch die Teile des Starttisches.

Spritzling C: Dieser Rahmen beinhaltet alle zum Bau der Hanomag benötigten Bauteile. Am Rahmen sind bereits alle Kotflügel und Trittbretter angegossen. Somit ist eine aufwändige Ausrichtung beim weiteren Bau ausgeschlossen. Das Innere der Kabine ist gut ausgestattet und bedarf eigentlich keiner weiteren Detaillierung da die Sicht durch die kleinen Fenster eingeschränkt sein dürfte.

Schön gemachte Felgen und Felgenringe ergeben mit den schönen Reifen recht ansprechende „Schuhe“ der Zugmaschine. Winzig, aber vorhanden der Schrifzug „Hanomag“ auf der Frontblende.

Scheinwerfer, Blinker und Rückspiegel sind ebenfalls recht filigran dargestellt und dürften eine „kleine“ Herausforderung sein. (Oder auch nicht ... )

Und damit kommen wir zu den Spritzlingen B und D: Da sich der Meillerwagen durch einen Vielzahl an kleinen und kleinsten Teilen zusammensetzen lässt ist eine saubere Arbeitsweise unabdingbar um eine exakte Ausrichtung zu erhalten. Im Wesentlichen besteht der Träger aus zwei Längsholmen und mehreren Querträgern zusammen mit den Lagern der V2. Dazu kommen noch einige Anbauteile die sehr filigran ausgeführt sind. Im Vergleich zu Originalfotos fallen allerdings einige feinste Teile auf die fehlen und evtl. von dem Modellbauer ergänzt werden können. Trotzdem kein Beinbruch da wir uns immer den Maßstab vor Augen halten sollten.

Alles in allem ist hier eine Vielzahl kleinster Teile zu verbauen.

Die Rakete kann in Transportstellung oder auch in Startposition dargestellt werden. Hier hat man eine durchaus attraktive Wahl.

In 36 Schritten bringt die Bauanleitung den Modellbauer Schritt für Schritt zum fertigen Modell. Leider ist die Bauanleitung im DIN A fünf Format erstellt. Manche Bauschritte stellen sich somit etwas sehr klein dar. Abhilfe schaffen Adleraugen oder ein Scanner mit dem diverse Bauabschnitte vergrößert werden.

Bemalungshinweise, wie mittlerweile üblich von MIG, finden sich auf den letzten fünf Seiten der Bauanleitung.

Im einzelnen:

•         Belgien, 1944 – Tarnung: Gelb und Olivgrün
•         Berlin – Tempelhof, 1942 – Dunkelgrau
•         Peenemünde, 1943 – Dunkelgelb
•         Mittelwerk (Nordhausen), 1945 – Olivgrün


Der Bau

Erfreulich für Leute mit wenig Platz hat Takom diesen Bausatz in 1:72 (!) herausgebracht.

Begonnen habe ich mit dem Bau der SS 100. Als erstes wurden die Druckluftbehälter (Schritt 4) am Rahmen fixiert und die Passung des Kabinenbodens auf dem Rahmen geprüft. Dieser sollte ohne Spalt aufliegen. Andernfalls kann ein leichtes Tieferlegen der Behälter dieses Problem beseitigen.

Nach Anleitung wurden jetzt die Schritte 1, 2 und 5 ohne Probleme abgearbeitet.  Diese umfaßten die Federpakete, die Achsen, die Lenkung, den Auspuff und den hinteren Aufbau. Auch eine winzige Anhängerkupplung wurde verbaut.

Räder und Felgen wurden erst einmal zur Seite gelegt da ich alle, auch die des Meillerwagens zu einem späteren Zeitpunkt in einem Rutsch bearbeiten wollte.

Punkt 6 der Anleitung befaßt sich mit der Kabine und deren Innenleben. Als erstes habe ich die diversen Hebel am Arbeitsplatz des Fahrers verbaut und anschließend die Heckwand an der Rücksitzwand befestigt. Ebenfalls verbaut wurde das Armaturenbrett. Wenn hier genau gearbeitet wird läßt sich der Kabinenboden ohne Probleme paßgenau nach unten in die Kabine einschieben. Ideale Lösung zur kommenden Lackierung . (Eine Verklebung war bei mir letztendlich nicht nötig, da sich die gesamte Karosserie am Ende auf das Chassis paßgenau aufstecken ließ.

Scheiben und Lenkrad werden erst nach der Lackierung eingebaut. 

Die Baustufen 7 bis 12 befassen  sich mit vielen kleinen und kleinsten Anbauteilen. Das sind die Scheinwerfer, Rückspiegel, Tritte an den hinteren Kotflügeln, Abschlepphaken und u.a. die Reserveradhaltung. Das Reserverad kann am Ende von oben eingeschoben werden. Tank und  Werkzeugkasten werden in diesem Arbeitsschritt ebenfalls montiert.

Am vorderen Stoßfänger wurden die Peilstangen angebracht und diese Komponente erst einmal zur Seite gelegt. Der Einbau sollte ziemlich am Ende des Baus erst vor der Lackierung vorgenommen werden!

Erhöhte Vorsicht ist ab hier geboten, da die feinen Halterungen recht dünn ausfallen und leicht brechen könnten.

Alle vorbereiteten Teile werden jetzt bis zur weiteren Bearbeitung auf die Seite gelegt und damit kommen wir zum Meillerwagen.

In den Schritten 13 bis 17 wird der Bau des unteren Gestells dargelegt. Die anfangs etwas labile Konstruktion gewinnt durch die vielen Streben und Anbauteile immer mehr an Stabilität, so daß wir am Ende ein recht verwindungssteifes Stück „Plastik“ in Händen halten.

Entscheiden muß man sich hier ob man die V2 in Transport- oder Startstellung baut. Beide Optionen läßt der Kit zu.

In Baustufe 17 werden weiteren Kleinteile montiert die das Konstrukt zum Abschluß bringen. Erstmals werden in diesem Bereich auch die Ätzteile verbaut. Dies ging durch die hervorragende Paßgenauigkeit relativ schnell und gut über die Bühne. Kleine Vertiefungen, auf den ersten Blick nicht erkennbar, helfen ungemein bei der Platzierung.

Aufmerksamkeit ist lediglich den hinteren Stützen zu schenken damit diese nicht zu schief eingebaut werden. Einziger Ausreißer (während des gesamten Baus (!)) waren die vorderen Befestigungsklammern der A4 die sich in geschlossenem Zustand nicht verbauen lassen wollten…  Machen wir eben aus der Not eine Tugend und kneifen die Augen etwas zusammen.

Die Halterung für die hinteren Zwillingsreifen wird auch zusammengebaut, aber noch nicht am Trailer befestigt. Sie wird erst nach der Lackierung, mit den Rädern versehen nur von unten in eine Halterung eingeschoben.

Und damit sind wir schon bei dem vorderen Achsgestell. Direkt schon beängstigend  ist auch in diesem Bereich die Paßgenauigkeit sehr gut. In relativ kurzer Bauzeit ist diese Komponente fertig.

Zum Bau der V2 braucht nicht viel gesagt zu werden. Sie besteht aus wenigen zu montierenden Teilen die mit Sorgfalt zusammengesetzt werden wollen. Lediglich bei der Raketenspitze kam etwas Spachtelmasse (Erstmalig und Einmalig ) zum Einsatz. Alle anderen Teile paßten spaltenfrei zusammen.

Als Abschluß der Bauorgie wurde noch das Startgestell, ebenfalls aus angenehm wenigen, aber ausreichenden Teilen problemlos zusammengebaut.

!!! Bemerkung zum Bau. Fast alle Bauteile haben kleine Nupsis und Löcher, kleine Erhebungen und Vertiefungen oder auch Stufen die man leicht aus den Augen verlieren kann und sie vielleicht als kleine Unebenheiten verschleift oder auch verspachtelt. Tatsächlich helfen diese Marker nicht unerheblich beim Bau und sorgen für eine korrekten Ausrichtung der Bauteile.  Hier sollte man den Bauteilen immer einen zweiten Blick schenken da die Bauanleitung nicht unbedingt (größenbedingt) darauf eingeht. !!!

Und damit geht es an die Lackierung…

Bemalung/Alterung

Das gesamte Gespann, Felgen eingeschlossen erhielt eine Grundierung mit Mission Model RAL 7028. Darauf erfolgten in dezenter Modulationstechnik weitere Farben von MIG und AK. (Gerade im Maßstab 1:72 sollte unbedingt darauf geachtet werden nicht zu dunkel zu arbeiten. Wash und Co. tragen ja dann ihren Teil dazu bei.)

Der Meillerwagen erhielt zusätzlich eine verwaschene Tarnung mit grünen und braunen Flecken.

Als nächstes wurde bei der SS 100 das Innere der der Kabine bemalt. Sitze in braun und Lenkrad in schwarz und anschließend einem leichten Wash in braun und dezenter Trockenbemalung unterzogen. Allerdings sieht man hinterher nichts mehr davon.

Ein Überzug mit MIGs Neutral Wash folgte. Behandelt wurde das komplette Gespann incl. des Startgestells und hob damit schon mal die ersten Konturen hervor.

Im nächsten Schritt wurden die Scheiben und das Lenkrad bei der SS 100 eingesetzt und das Fahrzeug zusammenbaut.

Die Räder erhielten einen leichten Überzug mit Pigmenten und wurden anschließend verbaut.

Mit diversen Washes und Oilbrushers erfolgte die weitere Alterung. Immer mit Blick auf den Maßstab.

Alles in sehr dezenter Weise. Diese Fahrzeuge waren in der Regel durchaus gepflegt und sahen keinen Fronteinsatz. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Und damit kommen wir zum krönenden Abschluß, der V2. Hier habe ich, nachdem es viele unterschiedliche Lackierungen gab einfach eine eigene, durchaus denkbare  Interpretation vorgenommen. Grundfarbe Olivgrün mit Tarnflecken in Dunkelgelb Base und Cremeweiss, freihändig aufgebracht. Anschließend noch ein leichtes Wash um die Panellines zu betonen.

Damit das ganze einen festen Platz hat wurde von mir noch eine kleine Base mit ein paar Figuren erstellt.

Fazit

Wir haben es hier mit einem Bausatz zu tun der den Vergleich mit seinem größeren Bruder aus dem selben Haus nicht zu scheuen braucht. Überraschend für diesen Maßstab war für mich die fast absolut perfekte Paßgenauigkeit, auch bei kleinsten Teilen. Allerdings trieb es mir dabei öfter die Schweißperlen auf die Stirn. Enttäuschend war das Fehlen jeglicher Decals, vor allem der Kennzeichen. Schade.

Ebenfalls durch Abwesenheit glänzte das Reserverad des Anhängers, obwohl die Halterung selbst dargestellt ist.

Nicht unbedingt ein Bausatz für Anfänger – eine gewisse Erfahrung im Modellbau sollte vorhanden sein. ...und ein gerüttelt Maß an Geduld, gerade bei den Kleinteilen.

OOB gebaut hat man mit dem Gespann in der Vitrine einen kleinen Eyecatcher stehen.

Mir hat der Kit definitiv viel Spaß gemacht.


Danke für das Muster an:


http://www.modellbau-koenig.de

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 06/2018 Marina Kryza

1886 Leser dieses Bauberichts seit dem 03.06.2018


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