Panzer I Trainer


 

Das Original


Die Vorlage zum Bau des Modells bildet das Foto eines Trainingsfahrzeuges zur Ausbildung von Richtschützen, das ich auf folgender Website gefunden hatte: https://tanks-encyclopedia.com/ww2/nazi_germany/gas-powered-fahrschulwanne-tanks.php.
Auf das Fahrgestell eines PzKpfw I wurde der Turm eines frühen PzKpfw III gesetzt. Die Bewaffnung bestand aus einer 3,7 cm Kanone.

Aufgrund der Rohstoffknappheit war man in den Kriegsjahren bestrebt, Treibstoff in der Heimat einzusparen und alternative Energieformen einzusetzen. So wurde viele Ausbildungsfahrzeuge der Wehrmacht mit Holzkohlevergasern ausgerüstet. Ein solcher Holzkohlevergaser kam auch bei dem hier zu bauenden Trainingspanzer zum Einsatz. Aus der oben genannten Quelle geht leiden nicht hervor, im welchen Jahren der Trainingspanzer im Einsatz war. Die Verwendung des Holzkohlevergasers lässt darauf schließen, dass das Foto aus den Kriegsjahren stammt.



Die Bausätze

Die Erstellung des Modells machte die Beschaffung von zwei Bausätzen notwendig. Für die Fahrzeugwanne wurde ein PzKpfw I Ausf. A von HobbyBoss und für den Turm ein PzKpfw III Ausf. C von MiniArt verwand.
PzKpfw I Ausf. A
Der Bausatz setzt sich aus 10 Spritzlingen, einem PE-Sheet, einem Klarsicht-Spritzling und zwei Decal-Bögen (für 6 Versionen) zusammen. Dem Bausatz liegt eine gut detaillierte Einzelgliedkette bei. Fahrerraum, Motor und Turmeinrichtungen können verbaut werden. Es ist der Bau einer frühen und späten Variante der Ausf. A möglich. Die Bauanleitung kommt unspektakulär aber klar verständlich daher.
PzKpfw III Ausf. C
Im Bausatz des PzKpfw. III sind 24 Spritzlinge (z.T. viele recht klein), ein Decal-Bogen (für 6 Versionen), ein PE-Sheet und ein Klarsicht-Spritzling enthalten. Auch diesem Bausatz liegt eine Einzelgliedkette bei. Eine Inneneinrichtung ist nur für den Turm vorhanden. Da ich nur den Turm brauche, ist es absolut ok. Die Bauanleitung ist klar verständlich und punktet mit Farbdarstellungen der verschieden möglichen Varianten.
Manko beim Panzer III von MiniArt ist eine sehr spröde Beschaffenheit des Kunststoffs. Selbst bei vorsichtiger Herangehensweise beim Abtrennen filigraner Teile vom Spritzling, besteht eine hohe Chance das das Teil bricht. Zudem lagen (zumindest bei meinem Bausatz) falsche PE-Teile bei. Letzteres war aber nicht tragisch, da beim Bau des Turmes nur wenige PE-Teile verbaut werden und diese nur im Innenraum des Turmes, wo man es ohnehin nicht wirklich sehen kann.
Zubehör: folgende Zubehörteile/-Sets hatte ich eingesetzt:
> Einzelgliedkette „PzKpfw. I Opel Maultier“ von Friul




Der Bau

Turm
Zunächst wurde mit dem Bau des Turmes mit seiner Inneneinrichtung begonnen. Aufgrund der übersichtlichen Anleitung und der guten Passgenauigkeit stellte dies keine Probleme dar. Das oben schon beschriebene recht spröde Material sorgte allerdings zu den ersten frustrierenden Momenten. Da die Mündung eines Turm-MGs etwas deformiert war, ersetzte ich beide Mündungen durch Messingrohre.

Die Bemalung der Inneneinrichtung erfolgte natürlich vor dem Einbau. Bei der Farbgebung orientierte ich mich an dem YouTube Clip „Inside the Chieftain's Hatch: Panzer III“.

Die Kommandanten- und die rechte Turmluke wurde in geöffneten Zustand dargestellt, damit das Modell etwa lebendiger aussieht und man so wenigstens etwas vom Innenleben sieht.

Neben dem Turm wurde aus dem Bausatz des PzKW.III noch der obere Teil der Wanne mit der Aufnahme für den Turm verwand. Ausrüstungsgegenstände wurden weggelassen und statt dessen lediglich ihre Halterungen montiert. Auch das MG in der Wanne wurde „ausgebaut“ und die Öffnung verschlossen.

Wanne
Parallel zur Fertigstellung des Turmes ging es an den Bau der Wanne. Nach dem optimistischen Einbau des Fahrerraumes mit Sitz und Getriebe, musste ich feststellen, dass der Korb des Turmes dort keinen Platz findet.
Im Originalfahrzeug muss es im Innenraum zu Umbauten gekommen sein. Entweder wurde der Platz des Fahrers versetzt oder es wurde auf den Turmkorb verzichtet. Dies lässt sich anhand des einen Fotos natürlich nicht rekonstruieren. Ich habe mich daraufhin entschieden, Fahrersitz und Getriebe zu entfernen, da diese beim Modell ohnehin nicht sichtbar sein sollten.
Nach Zusammenbau der unteren Wanne mit dem Laufwerk ging es nun an die Oberwanne. Von der im Bausatz enthaltenen Oberwanne wurde nur ein vorderes Segment genutzt und musste abgetrennt werden.
Zwischen der Wanne des PzKpfw. I und der Oberwanne des PzKpfw. III mit seinem Turm wurde ein Aufsatz montiert um den Turm zu erhöhen. Dies war wohl aufgrund der Höhe des Turmkorbes notwendig. Dies ist ein Indiz dafür, dass der Turmkorb nicht entfernt wurde.
Auch bei der Wanne wurden die Werkzeuge nicht dargestellt und stattdessen nur deren Halterung montiert.
Nach Zusammenbau der Wanne ging es nun an die Rekonstruktion der Anlagen des Holzkohlevergasers. Auf dem Foto der Vorlage ist die Anlage nicht komplett zu erkennen, doch sind auf der Website der Bildquelle einige Fahrzeuge mit Holzkohlevergasern zu dargestellt. Ach eine Internetsuche nach Holzkohlevergasern war recht hilfreich. Fazit: jede Anlage sieht anders aus. Es gibt/gab wohl ein breites Spektrum an Möglichkeiten diese Anlagen zu verbauen. Einerseits ist es ärgerlich, keine eindeutige Darstellung gefunden zu haben, aber so hat man eine gewisse Interpretationsfreiheit. Eine hilfreiche Grundlage über den Auf-/Anbau solcher Anlagen bildeten die gefundenen Abbildungen aber dennoch.
Die Anlage des Holzkohlevergasers bestand zum einen aus dem Hauptkessel am Heck und einer Art Auspufftopf auf der Frontwanne mit einer Rohrverbindung zum Fahrerraum. Dieser Auspufftopf (ich nenne ihn mal so) konstruierte ich aus dünnen Plastikplatten, Pappe und Teilen aus der Restekiste (ein dreifach hoch auf alle Restekisten!).
Für den Hauptkessel am Heck habe ich ein Grundgerüst konstruiert und auf dessen Grundlage mit Green Stuff Modelliermasse und Spachtelmasse den Kessel rekonstruiert. Nach umfangreichen Schleifarbeiten erfolgte die Ergänzung von Details mittels PE-Blechen, Elektokabel und wieder Teilen aus der Restekiste . Aus schmalen Plastikstreifen wurden nun T- und Doppel T- Träger für die Halterung des Kessels an dem Heck der Wanne gebaut.
Mit der Montage des Holzkohlevergasers und dem Einsetzten des Turmes sind die Arbeiten an der Wanne abgeschlossen. Was zum vollständigen Glück noch fehlt, ist die Kette...


Kette
Nun ja, die Kette, was hat mich die Kette Nerven gekostet!
Zum ersten mal in meinem Modellbauerleben fand ich mich Auge in Auge mit einer Einzelgliedkette. Einerseits war ich fasziniert von der Detailgenauigkeit, andererseits geschockt von der bevorstehenden Friemelarbeit! Nach dem Abtrennen vom Spritzling ging es an das endlose Abschleifen kleiner Grate.

Dank einem sehr hilfreichen Tutorials auf YouTube („Einzelglieder Ketten Montage auf die einfache Art“) ging die Montage dann auch recht flott und problemlos vonstatten. War mit dem Ergebnis sehr zufrieden
. Aber dann musste ich feststellen, dass ich die Kettenglieder seitenverkehrt montiert hatte! Der Klassiker!

Nach Überwindung der Frustphase beschaffte ich als Ersatz eine Einzelgliedkette von Friul. Hier war zwar kein Entgraten notwendig, aber die Verbindung der kleinen Einzelglieder mit einem dünnen Draht war nicht weniger nervig. Aber die Mühe lohnte sich, in beiden Fällen! Anschließend wurde die Ketten mit einem Brüniermittel von AK behandelt und zum Abschluss die erhaben Stellen der Ketten mit Schleifpapier blank gerieben.
Die endgültige Montage der Ketten erfolgte nach Auftrag der Grundierung und der Hauptlackierung.

Bemalung/Alterung

Bemalung:
Für die Bemalung habe ich Acryl Farben und Grundierung von Vallejo benutzt.
Die Grundierung besteht aus einem hellen Grau, wobei ich auf ein Pre-Shading verzichtet habe.
Für die Grundfarbe des Panzers verwendete ich das Panzer Grau 71.056 (Vallejo Model Air). Da mir die Farbe jedoch zu dunkel erschien, habe ich sie deutlich mit hellem Grau aufgehellt.
Als Abschluss der der Lackierung erfolgte ein Klarlack Überzug (Seidenmatt von Vallejo).

Decals:
Das Vorlagenfoto weist keine erkennbaren Markierungen an dem Trainingspanzer auf. An den vorderen Kettenblechen sind zwar kreisförmige Markierungen zu sehen, doch können diese nicht klar identifiziert werden. Daher habe ich mich entschlossen ganz auf Kennzeichnungen zu verzichten.

Alterung:
Für das Drybrushing und Washing verwendete ich dverse Ölfarben von Abteilung 502 (Schwarz, Weiß, Hellbraun, Rotbraun, Grün) .
Die Darstellung von Roststellen wurde mittels Vallejo Pigment (Old Rust) erzeugt. Das Pigment Pulver wurde auf eine mit Wasser angefeuchteten Oberfläche aufgetragen und nach dem Trocknen mit einem Borstenpinsel je nach gewünschtem Verschmutzungsgrad abgetragen. Auf eine Fixierung der Verschmutzung habe ich verzichtet, da die so aufgetragene Pigmentierung reibfest genug ist um nicht gleich bei jeder Berührung abzugehen.

Fazit

Abgesehen von dem Schockmoment mit der falsch montierten Kette hat der Zusammenbau und die Modellierung viel Spaß gemacht. Es ist immer wieder reizvoll nach Materialien zu suchen um bestimmte Bauvorhaben umzusetzen. Aufgrund recht magerer Bildvorlagen bleibt das Modell in Teilen natürlich spekulativ, man möge mir dies nachsehen.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 05/2020 Andreas Immekus

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