Light Tank Mk.VI B


 

Das Original


Der britische Light Tank MK VI wurde von der Firma Vickers in den Jahren 1935 bis 1940 in einer Stückzahl von 1.682 Panzern hergestellt. Die Produktion umfasste vier Versionen: VI (1935), VIA (1936), VIB (1936-38) und VIC (1939-40). Mit einer Stückzahl von 914 Fahrzeugen stellt der VIB die meistgebaute Variante dar. 

Der Light Tank MK VI sollte die Aufgabe der Bekämpfung von Infanterie und der Aufklärung erfüllen. Bei der Konzeption dieses Panzers war das britische Kriegsministerium von der Annahme ausgegangen, dass Panzer auf dem Gefechtsfeld nur selten auf gegnerische Panzer treffen würden, und wenn, dann ebenfalls nur auf leichte Panzer. Aus diesem Grund ist das Fahrzeug nur mit einer schwachen Panzerung (3 mm bis 14 mm) ausgestattet worden, die allenfalls Infanteriewaffen standhalten konnte. Auch die Bewaffnung des Light Tank MK VIB von zwei koaxial im Turm angeordneten Maschinengewehren (einem .50 Zoll (12,7 mm) und einem .303 Zoll (7,69 mm) Maschinengewehr) war lediglich auf die Bekämpfung von Infanterie und leicht gepanzerten Fahrzeugen ausgelegt. Der etwa 4 m lange Panzer war mit einem 88 PS starken Meadows Sechszylinder-Ottomotor ausgestattet. Bei einem Gewicht von 5,25 t erreichte der Panzer so eine Höchstgeschwindigkeit von 51 km/h. 

Der Light Tank MK VIB wurde in größerer Stückzahl als Teil der British Expeditionary Force (BEF) 1940 in Frankreich eingesetzt. Dort erwies sich die Annahme, nur selten auf gegnerische Panzer zu stoßen schnell als falsch, als die unterbewaffneten und schwach gepanzerten MK VIB bald mit den deutschen Hauptpanzertruppen konfrontiert wurden. Die Verluste waren sehr hoch und schnell wurde die Nutzlosigkeit dieses Panzers eingesehen. 

Schwere Verluste erlitt der Light Tank MK VIB und MK VIC auch auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz. Dort wurde er im Laufe des Jahres 1941 durch amerikanische Stuart Panzer ersetzt.



Der Bausatz

Der Bausatz des Light Tank MK VIB vom Hersteller Vulcan im Maßstab von 1:35 enthält sieben graue Spritzlinge (3x größere und 4x kleine), einen Klarsicht-Spritzling (3x Lampengläser), einer PE Platine, einem Decalbogen (je eine Variante für eine Einheit in Frankreich und Großbritannien 1940) und einen Beutel mit kleinen  Metallfedern und -stäben für den Bau des Laufwerkes. 

Die zehnseitige Bauanleitung ist übersichtlich gestaltet und lässt wenig Missverständnisse aufkommen. Es ist gut erkennbar dargestellt, welche Plastikteile durch PE-Teile optional ersetzt werden können. Bei den zwei Seiten mit den Bemalungshinweisen fehlten ursprünglich die Angaben der Einheiten und Einsatzorte der beiden möglichen Varianten. Interessanter Weise wurden diese Angaben nachträglich auf einem kleinen Zettel per Tesafilm eingeklebt (welch liebevolle Arbeit! Danke für die Mühe!). 

Der Bausatz ist mit einer Segmentketten ausgestattet (17 Teile pro Seite). Eine Inneneinrichtung ist lediglich in Form eines Fahrersitzes vorhanden. 

Folgendes Ergänzungsmaterial wurde beschafft:

- PE-Set von Eduard (36-20)
- Abschleppseile von Eureka (ER3540)
- Decals Light Tank MK VIB (PT2) von Echelon




Der Bau


So, nun sind Messer, Feile, Kleber und dampfender Kaffee bereitgestellt und der Bau kann beginnen.

Wanne und Fahrerraum:

Wie meist üblich wird zuerst die Wanne zusammengebaut. Sie setzt sich aus sechs Teilen zusammen. Die Passgenauigkeit ist so gut, dass die Spachtelmasse nur minimal zum Einsatz kommen muss.
An der Frontseite der Wanne befindet sich die zweiteilige Luke für den Ein- und Ausstieg des Fahrers. Hier gibt es die Option, diese offen oder geschlossen darzustellen. Da die Inneneinrichtung lediglich in Form eines Fahrersitzes daher kommt, beschloss ich zunächst die Luken in geschlossenem Zustand zu bauen. Noch beim Zusammenbau der Wanne stieß ich jedoch auf ein PE-Set von Eduard, in dem Teile des Fahrerraumes enthalten sind. Da die Wanne bis auf die Fahrerluke schon zusammengebaut war, musste ich alle PE-Teile durch die kleine Öffnung montieren. Dies klappte aber besser als befürchtet. Zusätzlich habe ich noch hinter dem Fahrersitz einen Durchgang zum Turm herausgeschnitten, sowie selbst erstellte Lenkhebel erstellt.

Laufwerk:

Anschließend ging an die Montage des Laufwerkes. Die vier Laufräder werden pro Seite in zwei Paaren zusammengebaut. Die Verbindung zwischen den einzelnen Laufrädern wir nicht verklebt und muss flexibel bleiben, um im Anschluss die Federbeine einbauen zu können! Pro Laufräderpaar bestehen die Federbeine aus 16 Einzelteilen (4 große Federn, 4 kleine Federn, 2 Verbindungsstangen, 2 Zwischenringe und 4 kleine Endschrauben). All diese Teile zusammenzufügen erfordert etwas Geduld und eine ruhige Hand. Wichtig ist hier, sich die Bauanleitung genau anzuschauen, da die Verbindungsstangen für das vordere Laufradpaar ein wenig größer sind als die hinteren. Dies bemerkt man auf den ersten Blick nicht.
Nach der Montage der Laufwerke an die Wanne und noch vor der Montage der Kette wurde der untere Wannenbereich grundiert und mit dem Tarnanstrich (noch ohne Klarlackversiegelung) versehen.

Kette:

Nun zur Kette. Bis zu diesem Punkt hat der Bau noch Spaß gemacht. Wie schon oben angeführt, setzt sich eine Kette aus 17 Teilen zusammen. Die kleinsten Kettenteile sind aus drei Einzelgliedern zusammengesetzt und sind für den Bereich der Lauf- und Antriebsräder vorgesehen.
Die kleinen Kettenteile sind leicht gebogen, um sich der Krümmung der Rädern anzupassen. Der obere Kettenteil setzt sich aus zwei längeren Segmenten zusammen die leider keinen Durchhang aufweisen (erstes Manko). beim Abtrennen der Kettensegmente von den Spritzlingen fällt gleich das zweite Manko auf. Die Spritzlinge sind so grob mit den recht spitz zulaufenden Endstücken der Kette verbunden, dass ein sauberes Abtrennen fast unmöglich ist. Entweder kappt man die Endstücke der Kette zu sehr, oder es bleibt zu viel Material des Spritzlings an der Kette zurück. Ein optimales Versäubern der Schnittstelle ist kaum möglich.

Nächstes Manko stellte sich dann beim Zusammensetzen der Kettensegmente heraus (zumindest bei meinem Modell). Auf einer Seite des Fahrzeuges erwies sich die Kette als zu kurz (um etwa zwei Kettenglieder). Diese Lücke habe ich mit Kettengliedern eines Universal Carriers geschlossen.
Hier wäre es wünschenswert, zusätzlich Kettenglieder dem Bausatz beizufügen, um solch ein Missgeschick beheben zu können. Um eine leichten Durchhang der Kette darzustellen hatte ich in die Wannenseite ein kleines Loch gebohrt und dort einen kleine Drahtstift eingeführt, der so die biegsame Kette leicht herunterdrückt. Dieser Stift ist so angebracht, dass er nahezu nicht zu sehen ist.

 

PE-Teile:

Aufgrund der zur Verfügung stehenden PE-Sets (eine Platine des Bausatzes und zwei Platinen von Eduard) bestand der Rest des Zusammenbaus überwiegend aus der Montage von Ätzteilen. Dies ist zwar wie gewöhnliche eine Geduldsarbeit, die sich aber absolut lohnt um den ohnehin schon guten Bausatz deutlich aufwertet. Auch die Anleitung von Eduard zum Verbau der PE-Teile ist (wie gewohnt) sehr anschaulich und lässt kaum Fragen offen.

Bemalung/Alterung

Vor dem Auftragen der Tarnbemalung steht natürlich zunächst die Grundierung des Modells. Da der Bereich des Laufwerkes bereits lackiert wurde, wird dieser abgeklebt. Für die Basisgrundierung habe ich einen schwarzen Primer von AK genutzt. Auf die schwarze Grundierung wurde dann ein weißes Preshading (ebenfalls von AK) aufgetragen. Ob ein Preshaing bei der Größe des Panzers und dem Fehlen größerer freien Flächen überhaupt zum Tragen kommt, stelle ich mal in Frage, habe es aber dennoch ausprobiert.

Da der Panzer einer Einheit in Frankreich 1040 angehören soll, bekommt er den, für diese Zeit typischen hellgrünen/dunkelgrünen Tarnanstrich. Bei dem Farbton der Tarnbemalung habe ich mich an Abbildung von britischen Panzern in Museen (z.B. Bovington) orientiert, die mit der hellgrünen/dunkelgrünen Tarnung versehen sind. Nach der Angabe der Bauanleitung soll für den hellen Grünton Khaki Green verwand werden. Dieser Farbton ist jedoch deutlich brauner, als bei den Fahrzeugen in den Museen. Für den hellen Grünton habe ich eine eigene Farbmischung aus drei Vallejo-Farben erstellt (Light Green 71.022, Yellow Olive 70.892, Khaki Green 71.330). Für das dunklere Grün  verwendete ich, ebenfalls von Vallejo,  das Dark Green 71.011.

Nach dem Lackieren des Modells mit dem hellen Grünton wurden, nach einer angemessenen Trocknungszeit (hier 24 Stunden), mit Masking Putty von MIG und Klebeband die Bereich abgedeckt, die Hellgrün bleiben sollen. Anschließend erfolgte das Auftragen des dunkelgrünen Tarnanstriches.

Vor dem Anbringen der Decals wurde eine erste Schicht Klarlack aufgetragen. Ich bevorzuge bei meinen Modellen eine seidenmatte, nicht allzu verwitterte Oberfläche. Um diesen Effekt zu erzeugen verwendete ich Glanzlack von Vallejo. Durch das abschließende Altern und Washing wird der Glanzeffekt soweit geschwächt, dass ein (für mich) optimaler Seidenglanz zurückbleibt.

Decals:
Bei der Auswahl der Kennzeichen des Panzers habe ich mich für eine Variante aus einem Decalbogen von Echelon entschieden. Der Decalbogen bietet 13 Varianten der Kriegsschauplätze Frankreich 1940 und Nordafrika 1940 zur Auswahl an. Hier wurde Markierungen eines Fahrzeuges des Royal Tank Regiments ausgewählt. Bei den Decals die über Nieten angebracht werden mussten, kam Decalsoft zum Einsatz. Im Anschluss erfolgte wieder ein flächendeckender Auftrag von Glanzlack um die Decals zu versiegeln, die Bemalung von Details (z.B. Werkzeuge oder Gurte), sowie das Anbringen eines Abschleppseiles.

Alterung:
Für das Drybrushing und Washing verwendete ich Ölfarben von Abteilung 502. Die Effekte habe ich nur dezent angebracht, da die britischen Fahrzeuge 1940 in Frankreich sicher noch nicht so abgenutzt aussahen wie spätere Weltkriegspanzer nach mehrjährigem Einsatz.

Leichte Verschmutzungen habe ich mittels Vallejo Pigmenten (Light Sienna) erzeugt. Das Pigment Pulver wurde mit einem Pinsel trocken im Laufwerks- und unteren Wannenbereich aufgetragen und verrieben. Auf eine Fixierung der Verschmutzung habe ich verzichtet, da ich so noch alle Freiheiten habe, den Effekt zu verändern/zu beseitigen. Die so aufgetragene Pigmentierung ist reibfest genug um nicht gleich bei jeder Berührung abzugehen. Zudem kommt das Modell noch in eine Plexiglas-Box.

Die Auspuffanlage und die Federbeine des Laufwerkes habe ich dezent mit selbst hergestellten Rostpigmenten versehen.

Fazit

Wenn man, wie ich, ein Fan von Panzern der ersten Kriegsjahre ist, dann ist der Light Tank MK VIB ein Muss! Der Bau des kleinen Briten war, mit Ausnahme der Kette, eine wahre Freude. Der Bausatz ist detail- und passgenau und kann zusätzlich durch PE-Sets aufgewertet werden. Noch mehr Freude macht der Bau, wenn man sich dazu entscheidet eine Einzelgliedkette eines anderen Anbieters zuzulegen. Für den Light Tank MK VIB passen von der Form her die Ketten des Universal Carriers (z.B. von MasterClub). Es ist jedoch zu beachten, dass die Kette des Universal Carriers kürzer ist.

Zudem, staube dein Modell immer vorher ab, bevor du es fotografierst! 

Ergänzung: Nach Fertigstellung des Panzer gefiel mir die etwas zu dicke Haltestange des Fahrerspiegels nicht mehr. Also fix die Stange gekappt und durch einen dünneren, zweiteiligen Messingdraht ersetzt. 

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 06/2020 Andreas Immekus

1694 Leser dieses Bauberichts seit dem 15.06.2020


zurück zur Übersicht