Marder I


 

Das Original

Bereits zu Beginn des Unternehmens Barbarossa stellte sich heraus das dringend bewegliche Panzerabwehrwaffen benötigt wurden. 

Um den Mangel einigermaßen rasch zu begegnen griff das Heereswaffenamt auf veraltete Panzer und Beutepanzer wie dem Lorraine-Schlepper zurück. Unter  Mithilfe der Firma Alkett schuf das Baukommando Becker rd. 170 Fahrzeuge auf diesem Fahrgestell.  (Die Zahlenangaben weichen z.T. voneinander ab, a.a.O. ist von rd. 185 gebauten Exemplaren die Rede.) 

Als Bewaffnung diente die 7,5cm Pak 40/1 L46, vereinzelt kam auch die russische 7,62cm PaK 36 zum Einbau. Zur Selbstverteidigung wurde ein MG mitgeführt. 

Der Panzerjäger erhielt die SdKfz Nummer 135, später auch den Suggestivnamen „Marder I“ 

In der Hand einer erfahrenen Besatzung und taktisch richtig eingesetzt bewährten sich diese Fahrzeuge durchaus. 

Die Mehrzahl der Panzerjäger wurde in Frankreich eingesetzt. Einige Exemplare kamen aber auch nach Russland und Italien.



Der Bausatz

Panda Hobby hat sich hier eines Fahrzeugs angenommen das mir bisher nur als mehr oder weniger gute Resinbausätze bekannt ist. 

Nach Öffnen der geräumigen  Schachtel, die von einem ansprechenden Bild des Fahrzeugs verziert ist, fällt unser Blick auf erstaunlicherweise nur fünf Spritzlinge die den Marder I in Summe ergeben sollen. Eine kleine Ätzteilplatine und ein Abziehbilderbogen vervollständigen den Inhalt der Box. 

Alle Bauteile, resp. Rahmen sind durch Plastikbeutel geschützt. 

Auf den ersten Blick fallen keine großartigen Auswerfermarken und Fahnen auf. Nichts was man schnell beheben kann. Augenscheinlich alles im nicht sichtbaren Bereich. 

Zwei der Rahmen, in einem etwas dunkleren Braun gespritzt, entfallen auf die Ketten. Die einzelnen Glieder, vollständig frei von Auswerferstellen und Flash machen einen sehr guten Eindruck, dürften jedoch manch einen bei der Montage auf eine Nervenprobe stellen. Für den realistischen Durchhang ist eine Lehre beigefügt. 

Interessant ist die ungewöhnliche Aufteilung der Fahrwerke, bei dem eine ganze Reihe von Komponenten in einem Stück gespritzt sind. Keine schlechte Vorgehensweise da das Fahrwerk sonst in zu viele einzelne Bauteile aufgebrochen werden müsste. Insgesamt machen die Bauteile einen durchaus filigranen Eindruck. 

Auch die restliche Teile des Fahrwerks erscheinen in einem guten Licht. Den einzigen eventuellen Nachteil sehe ich in der Tatsache, dass das Laufwerk nicht beweglich gemacht werden kann. 

Ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen die Komponenten, die für den Bau des Fahrzeugs selbst sind. Angenehm dünn und verzugsfrei kommen sie daher. 

Für das Innenleben des Kampfraums ist alles Notwendige vorhanden, incl. eines Funkgeräts. 

Das Kanonenrohr ist in einem Stück gespritzt und sollte sich gleichfalls ohne Probleme verbauen lassen. Auch die Teile der Pak hinterlassen einen guten Gesamteindruck. 

Die Aufbauten des Kampfraums scheinen ebenfalls eine maßstäbliche Dicke zu besitzen. Lediglich die beiliegenden Granaten erscheinen mir zu kurz. Das konnte ich aktuell aber nicht verifizieren. 

Die Ätzteile sind ausreichend und für die Auspuffabdeckung liegt ebenfalls eine Lehre bei. 

Markierunge sind für fünf Fahrzeuge angegeben; wieder mal die Unsitte ohne Hinweis auf Einheiten etc.. Abhilfe schafft hier ein Blick in das Internet. 

Die Bauanleitung bringt in nicht überladenen 12 Schritten den Modellbauer zum Ergebnis. Der Kit verspricht viel Bastelspaß in einem vertretbaren Rahmen. Geeignet sicher schon für den fortgeschrittenen Einsteiger. 

Für rund EUR 40 kann man diesen Bausatz in seinen Stash einverleiben.


Der Bau

Die durchaus überschaubare Anzahl der Bauteile verspricht zumindest auf den ersten Blick einen „schnellen“ Bau. Lassen wir uns überraschen… 

In der ersten Baustufe erfolgt der Zusammenbau der Unterwanne. Die Zeichnungen lassen hier keine Fragen offen und die Teile passen nach Versäuberung perfekt zusammen. Lediglich die Aufnahmelöcher der Schwingarme an der Unterwanne sollten leicht aufgebohrt werden, damit man diese ohne Probleme gerade ausrichten kann. 

Es ist überhaupt ratsam bei dem Zusammenbau einen Satz Bohrer bereitzuhalten da sich das Problem der zu kleinen Aufnahmelöcher doch des öfteren stellt. Aber solche Utensilien hat doch jeder Modellbauer griffbereit – oder etwa nicht?? 
Baustufe zwei widmet sich dem Laufwerk. Pfiffige Lösung die Federpakete an einem Stück zu spritzen. Das macht den Zusammenbau relativ einfach und nach der üblichen Versäuberung (an manchen Stellen etwas mehr als wir mittlerweile verwöhnten Modellbauer gewohnt sind) sind die Laufwerke auch schnell zusammengebaut. Hat uns die Montage mit der (selbstverständlich üblichen) Sorgfalt ans Ziel gebracht gibt eine Probepassung mit der Unterwanne einen perfekten Sitz. 

Nachteil ist hier lediglich dass das Laufwerk nicht beweglich gebaut werden kann, aber das kann verschmerzt werden. Für die Lackierung aber ein wahrer Segen. 

Baustufe vier widmet sich dem Thema der Ketten. Wer hier seine masochistischen Neigungen ausleben will kann diese Einzelgliederkette gerne zusammenbauen. Für den realistischen Durchhang liegt dem Bausatz jedenfalls eine Lehre bei. In diesem Fall habe ich auf eine passende Kette von Friul zurückgegriffen die sich auch perfekt um die Antriebsräder legt. 

In der vierten Baustufe werden das erste Mal auch Ätzteile zur Montage angezeigt. Es ist empfehlenswert diese erst zum Schluß (ohne Probleme möglich!) zu montieren. 

In der fünften Baustufe erfolgt der Zusammenbau des unteren Teils des Kampfraums und der Munitionshalterungen. Es zeigt sich das die beigegebenen Granaten viel zu kurz sind. Verwendet habe ich deshalb das Produkt von RB. Diese Geschosse weisen (augenscheinlich und gefühlt) die richtige Länge auf.  Die etwas ungeschickt platzierten Auswerfermarken am Fußlauf verlangen ein bisschen Putty (oder eine Abdeckung aus Plastikkarte). 

Baustufe sechs weist ein paar Fallstricke in einer fehlerhaften Nummerierung auf. Deshalb sollte man die Fächer immer wieder mal trocken anpassen. KeinHexenwerk! 

Baustufe sieben führt uns durch den Bau der Oberwanne. Hier ist lediglich ein Augenmerk auf den korrekten Sitz von Teil B4 zu achten.

In Stufe acht kann die Oberwanne mit der Unterwanne verklebt werden. Ebenso werden in diesem Bauabschnitt weitere Teile für den Kampfraum verbaut.

Das Ätzteil für den Auspuff (Lehre liegt ebenfalls bei) sollte vorab ausgeglüht werden. Es erleichtert den Biegevorgang ungemein. 

Baustufe neun widmet sich der Komplettierung des Kampfraums. Auch hier ebenfalls ohne Überraschung.

Fehlende Schweißnähte wurden mit Ätzteilen von Lion Roar ergänzt.

Lediglich die Rohrzurrung gibt etwas Rätsel auf. Im Bauplan ist nur die Montage in gezurrtem Zustand dargestellt, Recheren brachten hier keine unbedingt befriedigende Lösung. 

Die Beladung des Kampfraumes entstammt wieder der „berüchtigten“ Grabbelkiste.  

Der Bau der PaK wird in Baustufe zehn erläutert und geht ebenfalls zügig von der Hand. Ursprünglich wollte ich das Rohr aus dem Kit ersetzen… Es besteht aber keine Notwendigkeit dazu. Keine Auffälligkeiten. 

Die restlichen Bauabschnitte widmen sich noch kleineren Teilen wie Handgriffen, dem Fahrlicht usw. Alles in Allem wieder ohne Probleme. 

…und damit liegen vor uns folgende Komponenten bereit zum Lackieren. 

   Wanne mit Kampfraum
   Zwei komplette Laufwerke und
   die PaK mit Schutzschild. 

Der Anhänger stammt noch von Italerie und wurde für den Marder restauriert.


Bemalung/Alterung

Alle Komponenten wurden vor der Bemalung mit Alkohol gereinigt. 

Als Grundierung nutzte ich den Primer Dunkelgelb von AK. Für die anschließende Farbgebung folgten im dezenten Modulation-Stil weitere Gelbtöne. Nach dieser Prozedere wurde das Modellchen mit Future versiegelt und für zwei Tage zum trocknen beiseite gestellt. 

Im nächsten Durchgang erfolgte ein (allerseits bekanntes) partielles Washing mit anschließenden Pinwash. 

Ein Fading mit verschiedenen Ölfarben schloß sich an und verlieh dem Marder schon etwas mehr Konturen. Darauf wieder eine Klarlackschicht, diesmal Semimatt. 

Nach ausreichender Trocknungszeit kamen diverse Mittelchen von AK und MIG zum Einsatz. Auf eine Aufzählung verzichte ich da bei mir vieles aus dem Bauch heraus geschieht. Diese Vorgänge zogen sich über einige Tage hin und dabei erfolgte immer wieder ein Blick auf verschiedene Fotos, damit der Eindruck eines Originals im Modell auch realisiert werden konnte. 

Den Abschluß bildeten dann noch kleine Retuschen und hier und da ein paar kleine Farbakzente, vorwiegend im Kampfraum.





Fazit

Hier hat Panda Hobby ein durchaus ansprechendes Modell auf den Markt gebracht dessen Bau auch einen fortgeschrittener Anfänger nicht unbedingt vor unlösbare Probleme stellen sollte. 

Im Paket gesehen ein Modell das auf jeden Basteltisch gehört.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****






© 02/2017 Mike Kryza
Bilder des fertigen Modells von Ingmar Stöhr

2838 Leser dieses Bauberichts seit dem 31.01.2017


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