German Kugelpanzer


 

Das Original

Nur ein einziges Exemplar existiert heute noch. Es steht heute in der Sammlung deutscher Panzerfahrzeuge im Panzermuseum Kubinka. Der Kugelpanzer wird dort lediglich als „Exponat Nr. 37“ beschrieben. Das Fahrzeug wurde seit seiner Erbeutung verändert, der Antrieb wurde entfernt und es wurde neu- bzw. umlackiert. Im Jahr 2000 wurde der Originalanstrich wiederhergestellt.

Die Geschichte des Fahrzeugs ist praktisch unbekannt, da keinerlei Dokumente erbeutet wurden und keine Markierungen zu erkennen sind.

Lediglich fünf Punkte scheinen gesichert:

  1. Es handelt sich um ein Fahrzeug deutscher Herstellung, das nach Japan verschifft wurde.
  2. Es wurde als leichtes Aufklärungsfahrzeug eingesetzt.
  3. Es wurde 1945 von den sowjetischen Truppen erbeutet, vermutlich in der Mandschurei.
  4. Die Außenpanzerung ist lediglich 5 mm dick.
  5. Das Fahrzeug wurde von einem einzylindrigen Zweitaktmotor angetrieben.

Auf die Funktionsweise des Gefährts kann man nur aufgrund seines Äußeren schließen. So scheint es sich um einen Ein-Mann-Aufklärungspanzer zu handeln, ausgestattet mit gepanzerter Außenwand und einem Sichtschlitz. Vermutlich war der Antrieb unter oder hinter dem Fahrer angebracht. Am Heck befindet sich ein lenkbares Rad, um den Schwerpunkt hinter die Achse der beiden Spurräder zu verlagern und um Drehbewegungen, welche mit den Spurrädern ausgeführt werden, zu unterstützen.

Im stationären Betrieb konnte der Panzer wohl als gepanzerte Zuflucht oder Behelfsbunker dienen. Es ist anhand des vorhandenen Bildmaterials nicht festzustellen, ob Feuerwaffen aus dem Panzer heraus eingesetzt werden konnten und ob sich unterhalb des Sichtschlitzes eine Öffnung für Feuerwaffen befand.

Quelle: wikipedia

Der Bausatz

Werfen wir also mal einen Blick in diesen Bausatz - im Karton finden wir 2 sandgelbe Spritzlinge und einen Decalbogen zum Bau von ZWEI Modellen. Ja, es ist nicht wie so häufig ein 2 in 1 Bausatz bei dem man die Wahl aus zwei Optionen für ein Modell hat, sondern man kann zwei komplette Modelle bauen.

Die Qualität der Spritzgussteile ist gut. Sauberer Guss, feine Details, kein Verzug oder Fischhäute und die Angüsse recht angenehm platziert. Dazu keine störenden Auswerferstellen an sichtbaren Bereichen.

Der einzelne Bausatz setzt sich recht modellbaufreundlich aus knapp 15 Teilen zusammen, was schnellen Bastelspaß in kurzer Zeit verspricht.

Das Mittelteil ist entsprechend nach unter verjüngend geformt und mit mit Aufsatzplatten mit den passenden Details versehen. Die am Heck liegende Tür ist bereits mit angegossen. Einzeln wäre sicher noch schöner, aber die Gestaltung des Innenraums ist vollkommen unbekannt, da das Original in Moskau komplett leer ist.

Das Heckspornrad am Ausleger sieht gut aus und baut sich aus nur 3 Teilen zusammen.
Die beiden markanten seitliche Triebsphären setzen sich ebenfalls aus zwei Halbteilen zusammen, die im Inneren an das Mittelteil angesetzt und drehbar gesichert werden.
Warum die Trennnaht nun unbedingt durch die ansonsten wunderschön gestalteten Strege der umlaufenden Treibfläche gehen muss, erschließt sich mir nicht. Zudem denke ich, dass sich diese Fläche allein nur gedreht hat und nicht die ganze Aussensphäre - aber wer weiß das schon so genau. Für die Darstellung des Modells ist das am Ende unerheblich. Die Naht der beiden Halbteile lässt sich aber nahezu unsichtbar schließen, was für die hohe Qualität spricht.
Ein kleines, aber nettes Detail ist das vorn anzubringende Noteklicht, das einzeln beiliegt

Die Bauanleitung ist
sehr übersichtlich mit 2 Baustufen und sauberen, klaren Zeichnungen.
Der sauber gedruckte Decal Bogen erlaubt die Markierung von 4 verschiedenen Fahrzeugenn, die in der Anleitung farbig gedruckt als Farbprofile gezeigt werden:
- Krupp Werk mit Werkstattmarkierungen in rostschutz-rot
- Wehrmacht, 11.Pz.Div in dunkelgelb/olivgrün Zweifarbtarnung
- japanische Armee in Dreifarbtarnung
- russische Armee in russisch grün mit weißem Streifen.


Der Bau

Der Bau dieses Bausatzes gestaltet sich relativ simpel, denn zum einen sind es nur wenige teile und zum anderen muss man sich hier nicht mit mehrteiligen Wannen, Laufwerken, Ketten oder Türmen herumärgern.

Der Hauptbau besteht aus dem Mittelteil des Kugelpanzers auf den die Panzerplatten einzeln aufgeklebt werden, die die schönen Details wie Nietenreihen, Sichtschlitz und vor allem die Zugangstür in hinteren Bereich. Diese ist mit feinen Scharnieren dargestellt.
Beim Aufkleben der Plattenteile auf den Mittelteil muss man genau achtgeben, dass diese spaltenfrei aneinandersitzen und seitlich exakt ausgerichtet sind. Also alle Teile direkt hintereinander aufkleben und dann zueinander ausrichten solange der Kleber noch nicht ausgehärtet ist.
Am Heck wird die Heckstütze aus zwei Halbteilen und dem kleinen Rad zusammengesetzt und angeklebt.
Beim ableben sollte man darauf achten dass es spaltfrei in alle Richtungen sauber ausgerichtet ist.
Die beiden seitlichen Räder müssen sauber herausgetrennt und versäubert werden, insbesondere an den Seitenrändern, damit zum Mittelteil nichts klemmt und zum Aussenteil möglichst wenig Spalt entsteht.
Die Radteile werden auf die Achsen des Mittelteils gesteckt und dann mit Ringen gesichert. Hier vorsichtig sein mit dem Kleber, damot dieser nicht zuweit durchläuft und die Drehbarkeit dann verhindert. Wobei man natürlich auch sagen muss dass die Drehbarkeit eigentlich nur Spielerei ist.

Die beiden Aussenteile werden dann sauber auf die drehbaren Innenteile geklebt. Leider ist es schwierig bis unmöglich die Naht unsichtbar zu gestalten, da diese mitten zwischen den einzelnen Stegen sitzt. Das macht das verspachteln und versäubern maximal schwierig. Man könnte versuchen die Kontaktflächen astrein zu versäubern und beide Seiten mit Kleber anzuweichen und dann mit starken Druck die Teile zusammenzupressen und damit die Naht quasi auf null zu reduzieren.
Zum Schluss werden vorn noch das Noteklicht und an der Hecktür der Griff angebracht - damit wäre der Bau dann abgeschlossen.


Bemalung/Alterung

Die Bemalung erfolgte auch dieses Mal wie gewohnt, indem zunächst die Sprühgrundierung von Games Workshop in schwarz aufgesprüht wurde. Diese ergibt eine sehr schöne und sehr gut haftenden Oberfläche.

Darüber wird mit Tamiya XF2 weiß ein pre-shading per Airbrush aufgesprüht. In diesem Fall wird bei dieser Kugelform mehr von oben aufgehellt und graduell nach unten hin dunkler werdend.

Da im Bausatz zwei Modelle enthalten sind, habe ich mich auch für zwei unterschiedliche Bemalungen und Markierungen entschieden.

Der eine wird mit Mission Models RAL 3009 rostschutzrot MMP-013 per Airbrush einfarbig gebrusht. Dabei wird die Farbe in mehreren dünnen Schichten aufgesprüht um zu kontrollieren wie weit das Pre-Shading noch durchkommt und damit der Farbauftrag noch für das Auge interessant bleibt.

Der andere wird mit Mission Models RAL 6003 olivgrün auch per Airbrush komplett übersprüht. Auch hier habe ich dies zunächst in dünnen Schichten aufgetragen um das Pre-Shading zu erhalten. Allerdings ist mir erst danach aufgegangen, dass ich ein Mehrfarbtarnmuster machen möchte - da macht jeder weitere Farbauftrag das pre-shading überdeckt.
Das Tarnmuster sollte aus dünnen hartkantigen Streifen bestehen. Dafür habe ich aus flexiblem Maskierband 2mm über das aufgespritzte grün frei nach Schnauze in verschiedenen Bögen aufgeklebt.
Hier ist ein wenig Kreativität gefragt. Diese Abklebungen sind dann später die grünen Streifen. Wobei an dieser Stelle schonmal vorweggenommen werden kann, dass dieses olivgrün relativ farbschwach ist und in den dünnen Streifen eher gräulich wirkt.

Der nächste Farbauftrag wird dann mit Mission Models RAL 8017 rotbraun deckend aufgetragen - hier muss man tatsächlich schauen, dass das braun wirklich über dem grün deckt und keine Mischfarbe bleibt.
Ist die Farbe ordentlich durchgetrocknet werden auch hier mit dem flexiblen Maskierband geschwungene Streifen aufgeklebt, die dann nach den grünen auch braune Streifen am fertigen Modell darstellt.

Die Maskierstreifen werden dann nochmal fest aufgedrückt, damit keine farbe unter das Band kriecht.
Es folgt dann der letzte Farbauftrag, der quasi die Grundfarbe des Modells darstellt, nämlich Mission Models RAL 7028 dunkelgelb MMP-019.
Dieses wird auch per Airbrush in mehrern Schichten aufgebrusht bis es deckend ist und von vorigen braun und grün nichts mehr zu sehen ist. Mit etwas weiß wird die Grundfarbe aufgehellt und Highlights so gesetzt wie sie zuvor durch das überspritzte Preshading abhanden gekommen war.
Das Ganze ordentlich durchtrocknen lassen und dann die Maskierbänder vorsichtig abziehen.

Damit ist die Farbgebung für beide erledigt und es geht an die Details und Decals.


Bei beiden Modellen werden die Kontaktflächen der Laufräder mit Metallfarbe bemalt. Beim Dreifarb Kugelpanzer, der als Einsatzfahrzeug dargestellt werden soll, werden mit Chipping Color von Amig und einem Stück Schaumstoff Farbabplatzer dargestellt, insbesondere ebenfalls im Bereich der Aussenseiten der Laufrollen und der Tür.
Die Flächen auf denen die Decals aufgebracht werden sollen, habe ich mit Glanzklarlack per Airbrush aufgepritzt um ein silbern der Decals zu mindern.
Bei den Decals ist es für den Einsatzpanzer, denn hier gibt es nur 3 Balkenkreuze und das Gespenster-Einheitensymbol der 7.Panzerdivision.
Beim rostroten Kugelpanzer, der quasi die Version aus der Werkhalle darstellen soll, wird es etwas aufwändiger, denn hier gibt es haufenweise Markierungen, Zahlen, Pfeile, die man nach Vorgabe aber auch freei nach Gusto aufbrigen kann. Gerade hier ist es eminent wichtig vorher Glanzlack als Grundlacke zu haben und die Decals mit Micro-Set weichzmachen und anzupressen.
Wenn die Decls komplett angetrocket sind, wird die rostrote Version mit klarem Mattlack und die Einsatzversion mit klarem Seidenmattlack per Airbrush abgeschlossen und versiegelt.


Wenn der Lack getrocknet ist, geht es daran mit einem Washing die Details zu betonen und dem Modell Tiefe zu verleihen. Mit Amig1005 dark brown wash wird gerade an den Stegen der Lauffläche reichlich wash aufgetragen und an den Luken, Scharnieren und Nieten ein Pinwash aufgetragen um darum einen dunklen Rand zu erzeugen.
An den Aussenflächen wird mit verdünnter Ölfarbe Laufspuren vom Rand zur Mitte hin aufgetragen und mit Verdünner soweit verblendet, bis nur ein Hauch zurückbleibt.

Das Washing und die Laufspuren werden mindestens 24 Stunden trocknen gelassen bevor es an den nächsten Schritt geht.

Hier werden dann die Kanten und erhabenen Details mit heller Ölfarbe trockengemalt. Diese habe ich mir für die Einsatzvariante ein sehr helles ocker gemischt und bei der rostroten Version ein helles grau mit einem Hauch rot.
Beim Trockenmalen wird die Ölfarbe mit eienm harten Flachpinsel aufgenommen und auf einem Stück Pappe ausgestrichen, bis keine Farbe mehr abgerieben wird. Dann wird mit dem Pinsel über die Kanten und erhabene Details gestrichen wobei die letzten Pigmente im Pinsel dort hängenbleiben und mit der hellen Farbe diese betonen und hervorheben.

Auch hier sollte man die Farbe ordentlich durchtrocknen lassen, bevor man mit den Fingern ans Modell geht.

Nach dem Durchtrocknen ist auch der Bemalungsvorgang beendet. Bei der Einsatzvariante werden mit hellen Pigmenten noch ein paar leichte Staubschlieren im Aussenbereich trocken aufgetupft.



Fazit

Das ist definitiv mal ein Bausatz der anders ist - zum einen ein besonderes Thema eines ungewöhlichen Modells, dazu leicht und schnell zu bauen, dafür aber auch 2 Modelle in der Schachtel. So kann man sich auch gut mal zwei verschiedenen Farbthemen annehmen.

Qualiät und Preis passen - das lässt sich sogar von Anfängern realisieren. Man hätte herstellerseitig vielleicht noch ein bisschen mehr machen können, aber man weiß so gut wie nichts über das Original - und das eine, das es noch gibt, ist innen völlig hohl.
Von daher, alles gut und richtig gemacht - Bastelspaß eines wahrlich ungewöhnlichen Fahrzeugs für Anfänger und Fortgeschrittene

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 10/2020 Thomas Hartwig

938 Leser dieses Bauberichts seit dem 15.10.2020

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