Schwerer Zugkraftwagen Sd.Kfz.9 FAMO F3 früh


 

Das Original

Die Geschichte lässt sich in diversen Publikationen nachlesen, weshalb ich gar nicht näher darauf eingehen möchte. Vielmehr ist es eher interessant, dass die Unterschiede der Rüstzustände anscheinend fließend waren; es gibt nicht „die“ frühe, mittlere oder späte Ausführung F3. Veränderliche Details trifft man in Verbindung mit einer scheinbar bestimmten Ausführung an. Und schon ist es nicht mehr früh, mittel oder spät. Mein Modell ist (produktionsmäßig) um 1939/40 angesiedelt und soll eine frühe F3 Ausführung darstellen. Auf die näheren Details gehe ich im Verlaufe dieses Berichtes näher ein.

Einsatztechnisch soll mein FAMO im Sommer 1942 bei der s.Art.Abt. 833 angesiedelt sein, was Auswirkungen auf die (nicht vorhandenen) Markierungen hat. So kommt er auch als Zugmittel auch für den Mörser Karl in Betracht.

Der Bausatz

Der prall gefüllte Karton besteht aus 13 Spritzlingen, dem Fahrgestellrahmen, einem Klarsichtbogen für die Fenster und hohlen, dünnwandigen Gummireifen. Dadurch kann man sie recht einfach auch abgeplattet darstellen. Zwei der Spritzlinge beinhalten Figuren an etwa 1943. Erfreulicherweise sind die Ketten als Einzelglieder ausgeführt. Einzig der Decalbogen ist etwas sparsam ausgeführt, es fehlen atü-Angaben für die Reifen und auch einige taktische Zeichen wären schön gewesen. Die umfangreiche Bauanleitung ist übersichtlich und beschreibt u.a. Konfigurationen bei der Panzerbergung. Die Teile selbst sind gewohnt gut zu verarbeiten und weisen vor allem keine Formentrennlinien auf, die man erst nach der Lackierung entdeckt!

Zubehör:

- ABER 35093 Famo Basic Set
- ABER 35094 Famo Additional Set
- Eduard 35383 Famo
- Archer 35297 Famo Decals


Der Bau

Zunächst habe ich mit den Chassisrahmen vorgenommen. Formentrennlinien sind mit einem Skalpell zu entfernen, sowie  Angüsse für die Aufnahme diverser Teile im Inneren des Rahmens zu beseitigen. Generell finden sich an vielen Teilen Auswerferstellen und Formentrennlinien, die zwar nur sehr schwach ausfallen – dennoch aber verspachtelt und verschliffen werden müssen!

An dieser Stelle sollte man in Baustufe 23 springen, und den Pritschenaufbau an den Rahmen anpassen. Es könnte sein, dass der Pritschenboden etwas verzogen ist, sodass es später schwierig wird, die Pritsche korrekt mit dem Chassisrahmen zu verkleben! Genau das ist mir nämlich passiert…

Die Laufradschwingen und der Rahmen weisen Fixpunkte für die Befestigung auf. Das sähe später (von unten) nicht so gut aus, weil die Schwingarme so nicht schwingen könnten. Also weg damit! Andererseits sieht man später eh nichts mehr davon.

Im Rahmeninneren fehlen sämtliche Pneumatik- und Stromleitungen, ebenso die Brems- und Anhängerkupplungsventile. Je nach Version scheinen hier gravierende Unterschiede in der Positionierung der Aggregate und dem Verlauf der Leitungen zu bestehen. Auch die Auspuffanlage unterscheidet sich offensichtlich von Version zu Version (F3 früh – spät; 9, 9/1, 9/2), bzw. Produzenten (FAMO, Vomag)?

Für die Positionierung einiger Teile im Chassisrahmen hat Tamiya diese Teile mit Angüssen versehen, die den korrekten Einbau erleichtern sollen. Ich habe sie größtenteils entfernt.

Die Kettenspanner hinten sind nicht korrekt wiedergegen, und deshalb mit überarbeiteten Eduard-Teilen verfeinert worden. Die Stoßdämpfer an der Vorderachse sind zur frühen Version umgebaut, und  das Blattfedernpaket habe ich  von seiner Aufhängung getrennt und um 0,75mm aufgefüttert, um die abgeplatteten Reifen auszugleichen.

Ferner habe ich die Fanggurte der Vorderachse ergänzt, sowie den Anlenker (E62) überarbeitet. Später wird dann das Lenkgestänge aus ABER-Teilen vervollständigt.

Um den Reifen eine abgeplattete Standfläche zu verschaffen, füllte ich sie bis in etwa 1/3 Höhe mit Miliput, zog die Reifen auf und steckte die Räder nun auf eine kurze 3mm Achse. Dann fixierte ich diese Kombination mit einem Kabelbinder auf einen Holzstreifen, bis die gewünschte Abflachung erreicht war. Außerdem habe ich die Felgen mit schmalen Streifen Alufolie an den Stellen beklebt, wo die Reifen aufliegen. So kann keine Reaktion zwischen den verschiedenen Kunststoffen, bzw. Weichmachern stattfinden. Die Felgen selbst habe ich zu einer frühen Ausführung umgebaut; ersichtlich ist dies an der Ausformung des Felgenrings am Ventilsitz.

Die inneren Laufrollen, sowie die Spannräder sind im Original miteinander vernietet. Hier half nur der Blick auf einen echten FAMO, und zwar den in der WTS Koblenz. Diese Verbindungsteile konnte ich relativ problemlos aus Kupferfolie schneiden, lochen und biegen. Sieht man am Ende nicht mehr viel von, aber…

Auch die Triebräder mussten über die ABER Teile hinaus noch nachbearbeitet werden. 

Hier ist es jetzt langsam angesagt, schon mal mit der Bemalung zu beginnen. Chassis, Laufrollen und Ketten werden lackiert, komplettiert und gealtert. Ich gehe hierbei ganz klassisch mit Ölfarbwashings, trockenmalen und Pastellkreiden vor.

Die Kette bemalte (dazu später mehr) und alterte ich separat und zog sie erst nach der vollständigen Bemalung und Alterung des Chassis auf. 

Ich mache mir übrigens immer eine lange Liste mit Punkten die es zu beachten gilt, bzw. Teilen, die ich umbauen oder ergänzen muss.

Bei allen Arbeiten am helfen Nuts & Bolts Vol. 12 und „The Military Machine FAMO 18t“ von Stefan König ganz doll; die Nuts & Bolts Hefte 16 und 34 ebenso! Hier lassen sich oftmals Rückschlüsse auf Fragen ziehen, auf die die Publikationen über den FAMO keine klaren Antworten geben. 

Die Aufbauten habe ich zeitgleich gebaut, sodass quasi Module entstanden, die vorlackiert und teilweise schon komplett vor dem Zusammenbau bemalt wurden.

Diese Baugruppen sollten noch vor dem Lackieren trocken angepasst werden – ich habe es nicht getan und bekam so einige Probleme beim endgültigen Zusammenbau!

An dieser Stelle wird die Bauanleitung nur noch zu einer groben Vorgabe. Ich musste mir genau überlegen welche Teile, bzw. Baugruppen wann und inwieweit lackiert und in welcher Reihenfolge zusammengefügt werden sollten. Die Frage ist, an welchen Stellen man noch hinterher Teile einfügen, oder auch nachtäglich bemalen kann. 

Da wären die vorderen Kotflügel (verbeult) mit dem Kühler und den Seitenteilen der Motorhaube: auf der „Stoßstange“ zeichnen sich die Umrisse der U-Profile ab, die zur Versteifung der Aufbaustruktur aufgenietet wurden. Die Form der Kotflügel entspricht übrigens denen der frühen Versionen. Diverse Nieten wurden ergänzt, ebenso die Rückschlagventilkappe mit Sicherungskette. Die Scheinwerfer stellen eine sehr frühe Version dar, haben also einen langen Sockel. Im rechten Kotflügel habe ich das Befestigungsblech für den Schwungkraftanlasser ergänzt – außerdem die Bohrung nebst Handgriff (?) im rechten Sattelblech.

Die Kühlermaske sägte ich aus, es blieben nur die beiden Stege stehen. Danach passte ich die restlichen Kühlerteile einigen dafür vorgesehenen Eduard und ABER Ätzteilen an. Zusätzlich erhielt die Kühlermaske noch einen Mittelsteg, wie er auf einigen Fotos zu sehen ist.

Alle Teile des Aufbaus (besonders die Seitenteile) sind auf Auswerferstellen zu untersuchen. Ich habe an die 120 (!) Auswerferstellen allein an Spritzling F verspachtelt. 

Die Fahrerkabine: bei den Seitenteilen habe ich die Einstiege mit Segeltuch- abdeckungen aus Miliput versehen. Diese waren innen mit einem Blechstreifen befestigt. Die Tetra-Löscher befinden sich im Inneren des Fahrzeugs (F3 früh).

An der Motorraumtrennwand befinden sich Klemmlaschen zur Befestigung des Lederfaltenbalges. Dieser Lederfaltenbalg wurde mittels eines Drahtes an den Motorhaubenblechen gehalten, und an der Seitenwänden (D20 und 21) wurde der Draht mittels aufgenieteter Stecklaschen (ABER 53) fixiert. Im Motorraum, bzw. an der Motorraumtrennwand kamen die dafür vorgesehen ABER-Ätzteile zum Einsatz, da ich die Motorhaube letztendlich doch abnehmbar gestalten wollte. Hier kann man sich durch falsche Positionierung der Aggregate viel Ärger bereiten. Doch dazu später mehr…

Eine Menge Nieten und Zurrösen für die Verdeckplane sind zu ergänzen. Weiterhin Lederköder mit Rohreinlage. Aber erst, wenn der Aufbau mit den anderen Modulen verklebt wird.

Lederköder? Hä?! Gemeint sind wohl (Zier-) Leder, wie man sie von Autositzen her kennt. Beim FAMO dienten diese „Lederköder mit Rohreinlage“ (lt. Ersatzteilliste D671/2) vielleicht als Dichtung (?) zwischen Aufbau und Schutzblechen??? Jedenfalls fassen sie auch die Trittbleche (D30 u. 31) über den Sattelblechen (D28 u. 29) ein. Die Keder kommen aber erst später dran, wenn die Fahrerkabine mit dem Fahrzeugrahmen verklebt wird.

Am Haubenoberteil (F6) entfernte ich den Haltebügel, um diesen „Blechstreifen“ etwas zu verbreitern. Hier wurde nämlich der Sucherscheinwerfer (im Bausatz nicht enthalten) auf der Fahrerseite angeschraubt (Ref. N&B Vol. 34). Diesen Scheinwerfer habe ich aus einem Gießast auf dem Akkuschrauber gedreht. Auf dem flachen Hinterteil könnte sich ein Rückspiegel befinden – habe ich an einem 50er Jahre Käfer so gesehen. Ferner ergänzte ich eine zweite Wartungsklappe (frühe F3-Version) auf der Fahrerseite an Teil F6. Die Klappe auf der Beifahrerseite gewährt wohl den Zugang zum Reservetank, da das Armaturenbrett der frühen Version den Einfüllstutzen verdeckt.

Die Seitenleuchten (B2) erhielten eine neue Befestigung, wurden verkabelt und zusammen mit dem Suchscheinwerfer schon mal bemalt. Für die Streuscheiben nahm ich klaren 2-Komponenten-Kleber, der blöderweise überlagert war. Die nach zwei Wochen immer noch klebrige Oberfläche habe ich dann einfach mit Vallejo „Gloss Varnish“ nachbehandelt.

Das Instrumentenbrett stellt eine frühe Version dar, passt also und sieht auch so gut aus, dass ich auf Ätzteile verzichtet habe. Die Instrumentendecals stammen von Archer, das Glas entstand hier aus zwei Lagen Gloss Varnish von Vallejo. Außerdem bohrte ich noch zwei Löcher für die Verkabelung des Tachometers und der Scheibenwischer vor.

Alle möglichen weiteren Teile sind nach Fotovorlagen nachdetailliert, bzw. mit Ätzteilen versehen.

Sämtliche Teile der Baustufen 16 bis 19 bemalte und alterte ich fast alle separat und meist noch am Gießast, denn nach dem Verkleben wäre eine Lackierung und Detailbemalung nahezu unmöglich. Deshalb deckte ich die späteren Klebestellen schon vor der Grundierung mir dünnen Streifen aus Maskingtape ab. Beim Verkleben macht „Tamiya Extra Thin Cement“ eine gute Figur – er fließt durch Kapillarwirkung in Ritzen und Spalten, ohne den Lack anzugreifen. Eine eventuell verbleibende Lösungsmittelcorona kann man einfach mit grauen Pastellkreiden retuschieren.

Überhaupt habe ich kleinere graue Flächen einfach mit Pastellkreiden in verschiedenen Grauabstufungen aufgelockert. Dies ist eine schnelle Alternative zum Filtern mit Ölfarben.

Lediglich die Seitenteile F7 und F8, das Haubenoberteil F6 und die Motortrennwand D15 klebte ich zusammen und detaillierte wie u.a. weiter oben beschrieben. Die Leitungen und Aggregate (z.B. die Reifenfüllflasche) müssen so positioniert werden, daß später die Versteifungsbleche (ABER 28 und 35), sowie die Luftfiltereinheit (Bstf. 21) problemlos passen.

Letztendlich traten beim Zusammenkleben der einzelnen Teile einige unschöne Probleme auf; die Staukisten an Bauteil D32 müssen auf der Rückseite unbedingt plan geschliffen werden, damit die Trennwand F24 rechtwinklig verklebt werden kann und die Teile B44 sollten erst ganz zuletzt verklebt werden, damit die anderen Komponenten problemlos und im Winkel zusammengebaut werden können. 

Wie bekommt man die Klarsichtteile „unfallfrei“ in die Scheibenrahmen? Die Rahmen pinselte ich Panzergrau an und klebte dann die Klarsichtteile mit einer Mischung aus Weißleim, Vallejo Panzergrau und Wasser, die ich mit einem dünnen Draht applizierte, ein. Leider bekam ich erst später Clear Fix von Humbrol in die Finger… Aus Tamiya Masking Tape schnitt ich mir vorher passende Maskierungen und brushte dann alles mit Tamiya XF.63. Eventuelle Sprühnebel lassen sich später mit einem Zahnstocher entfernen. Die Scheibenwischer entstammen dem ABER-Ätzteilsatz – Nur die Wischer (30), ohne die Teile 31. Das erschien mit korrekter. Den Mechanismus für das Ausstellfenster (D36) entnahm ich der Einfachheit halber dem Eduard-Satz, nachdetailliert mit Vorreibern und Flügelschrauben. Und die Scheibenwischermotoren habe ich auch noch verkabelt und später an die Steckdose auf dem Armaturenbrett angeschlossen. 

Sodann klebte ich die Fahrerkabine endgültig zusammen, sprich die Seitenteile mit Trennwand und Windschutzscheibe auf den Fahrerkabinenaufbau. Das ging noch relativ einfach – im Gegensatz zu dem nun folgenden Martyrium, den Fahrerkabinenaufbau mit dem Fahrgestell zu verkleben!

Die Reifenfüllflasche an der Motorraumtrennwand kollidierte mit der Luftfiltereinheit, weil diese so weit wie möglich nach vorne eingebaut werden sollte, was ich nicht tat. Dadurch bekam ich keine korrekte Verbindung zwischen Motorhaube, Kotflügeln und Lederfaltenbalg hin. Die so entstandenen Spalten lassen sich nun mit Plastikfäden verschließen, bzw. muss man sie halt so hinnehmen. Nun konnten auch die Lederkeder aus gezogenen Gießästen mittels Tamiya Extra Thin und Ethylacetat verklebt werden. Es folgte eine Grundierung, die gleichzeitig als Korrekturanstrich diente, den Innenraum deckte ich mit passend zugeschnittenen Papierstreifen ab. 

Eine extreme Herausforderung stellen die Verdeckspriegel und die Verdeckplane der Fahrerkabine dar: die Spriegel sollen beweglich bleiben, damit die Plane später mit einem realitätsnahen Faltenwurf aufgeklappt dargestellt werden kann. Und sehr wichtig ist auch hierbei ein genaues studieren des zeitgenössischen Bildmaterials, um alle Details zu erfassen. So sind die Fensterausschnitte in der Rückwand beispielsweise mit einer Art Klarsichtfolie ausgestattet und die Verdeckspriegel sind mit zwei Gurtbahnen fixiert, damit das Verdeck nicht über die Windschutzscheibe fallen kann.

Zunächst bog ich die Spriegel aus dem ABER-Ätzteilsatz in Form und verlötete sie dann. Alle beweglichen Teile fixierte ich mit kurzen Gießästen, die ich an den Enden zusammen schmolz. Nun ist das Verdeckgestänge halbwegs beweglich und kann am Ende eingeklappt werden. Für das Auflegen der Verdeckplane baute ich mir einen Hilfsrahmen, da die bemalte Fahrerkabine zu empfindlich ist, und die Verdeckeinheit separat bemalt werden sollte.

Es folgten die zwei Gurtbahnen aus Miliput am hinteren Verdeckspriegel, nebst Befestigungsriemen aus Bleifolie an der hinteren Trennwand. Das Ganze muss später im noch feuchten Zustand angepasst und teilweise auch schon bemalt werden. Eine Gurtbahn geriet mir zu kurz, sodass ich sie „abgerissen“ darstellen musste. Irgendwie ist der ganze Verdeckbau eine ziemlich theoretische Angelegenheit – man muss Maße hernehmen, die sich aber erst später aus den Umständen heraus ergeben. So konnte ich hier später die Verdeckspriegel nicht mehr wie geplant in ihre Verdecklager einbauen.

Aus Papier schnitt ich mir erstmal Schablonen für die einzelnen Verdeckteile aus und passte diese an das Verdeckgestänge an. Dann rollte ich zwischen zwei Blättern Wachspapier (z.B. Aufkleberträger) etwas (mittlerweile zwanzig Jahre altes) Magic Sculp dünn aus, legte die Papierschablone für die Rückseite des Verdecks auf und schnitt mit einem Skalpell die Fensteröffnungen und den Umriss aus. Dieses erste Teil befestigte ich vorsichtig an der Rückseite des Gestänges und ließ die Angelegenheit erstmal etwas anhärten. Nach etwa einer Stunde passte ich die Verdeckeinheit an der Fahrerkabine an – Die Plane ist noch etwas weich, sollte aber nicht mehr am Modell haften. Nun kann das Ganze erstmal durchtrocknen.

Als nächstes zieht die nun (hoffentlich) etwas stabilere Einheit wieder auf den Hilfsrahmen um. Und dieser Hilfsrahmen sorgte wohl für kleinste Abweichungen des Klappverdecks gegenüber dem Modell…

Die eigentliche Plane der Fahrerkabine bereitete mir einiges Kopfzerbrechen: woraus und vor allem - wie? Alufolie ist zu steif und Kosmetiktuch zu dünn, um es mit Weißleim zu tränken und dann einzuklappen. Miliput erschien mit zu spröde, wenn dünn genug ausgerollt. Blieb wieder nur Magic Sculp, mit anderen Produkten habe ich noch nicht gearbeitet. Beim Abziehen der Rückwand von der Folie gab es schon Schwierigkeiten, da das Zeug aber auch wirklich an allem haftet und sich dabei auch noch wie ein Pizzateig ausdehnt. Als letzte Möglichkeit nahm ich eine Backmatte aus Silikon, die glatt und ziemlich hart sein sollte. Aber auch hier klebte das Magic Sculp hervorragend am Silikonuntergrund. Also sprühte ich mit einem Deozerstäuber Wasser auf die Matte und das Magic Sculp. So ließ es sich einigermaßen dünn ausrollen. Wenn es zu dünn wird, neigt es aber leider zum reißen – also ist die Plane relativ dick ausgefallen. Mit einer Papierschablone und einem Skalpell schnitt ich das Verdeck aus und löste es schrittweise mit einer Teppichmesserklinge und Wasser vom Untergrund. Funktionierte ganz gut, die Plane behielt ihre Form und dehnte sich nicht aus. Spätestens jetzt sollte man sich Einweghandschuhe überstreifen, damit keine lästigen Fingerabdrücke entstehen.

Generell hätte ich die ausgerollte Masse vor dem Ablösen vielleicht erstmal einige Minuten etwas anhärten lassen sollen. Beim nächsten Mal…

Die zwei schmalen Gurtbahnen wurden nun nach vorn hin verlängert. Sie sollten etwas länger als die Verdeckplane sein, damit sie ein bisschen weiter als die Plane durchhängen können. Und nun wurde quasi in einer fließenden Bewegung die Verdeckplane aufgebracht und die ganze Verdeckeinheit eingeklappt. Die Übergänge zur Rückwand zog ich mit einem feuchten Modellierspachtel und Spucke bei. Auch kleinere Unebenheiten und Fehler konnten so beseitigt werden. Jetzt durfte das Verdeck erstmal aushärten. Das Endergebnis erscheint mir einigermaßen akzeptabel.

Nach dem Aushärten konnte die Plane dünner geschliffen, Details ergänzt und Passkorrekturen am Modell vorgenommen werden. Verbliebene kleinere Fehler beseitigte ich mit Spachtelmasse (Plastic Putty von Vallejo).

Die Bemalung nahm ich nach der Grundierung mit Vallejo Farben vor, außerdem kamen Pastellkreiden zu Einsatz. 

Nach Bemalung und Alterung ließen sich die Klarsichtfolien der Fensterausschnitte mit Clearfix von Humbrol darstellen. Der entstandene Film lässt sich später sogar knicken, ohne zu brechen!  Allerdings anscheinend nur, wenn mit Acryl-, bzw. Vallejo Farben bemalt wurde. Nachdem ich das Verdeck mit mattem Klarlack aus der Dose eingenebelt hatte, härtete das Clearfix nicht wirklich hart aus. Als ich mit weiteren Clearfix Schlieren erzeugen wollte, tat sich bei einem Fenster ein Loch auf. Bei Vorversuchen an einem bemalten Stück Plasticsheet geschah dies nicht. Mit stark verdünnter Matt Varnish von Vallejo brach ich noch den Glanz der Scheiben. Übrigens ließ dieses Matt Varnish, verdünnt mit Airbrush Thinner (70.061), das Verdeck schön seidenmatt aufglänzen! Am Ende brushte ich 1 Teil Tamiya Flat Base X-21 zu 5 Teile Flat Clear H-20 von Gunze und verdünnte mit Isopropylalkohol. Matt!

Mit dem Famo verklebt wird das Verdeck aber erst als quasi vorletzte Tat! 

Der Pritschenaufbau: die Teile werden lt. Anleitung verklebt (Auswerferstellen verspachteln!). Die Staukästen müssen „nachvernietet“ werden, die Seitenwände ebenso. Auch hier habe ich Keder aus gezogenen Gießästen ergänzt. Außerdem wird die Ladebordwand mit Ätzteilen gesupert.

Übrigens Ätzteile: einiges von Eduard ist mit zu klobig, eine Menge von ABER schlichtweg Blödsinn! Wer soll das zusammenbauen?! Allerdings sind eben auch viele Teile durchaus sinnvoll oder sogar unverzichtbar!

Der Boden des Pritschenaufbaus (F20) war - wie schon erwähnt - leicht verzogen, was ich beim Zusammenkleben mit den Seitenwänden schon mal ein wenig ausgleichen konnte. Nachdem die Pritschenhalterungen auch etwas nachbearbeitet sind, könnte man diese (leicht verzogene) Baugruppe (am Ende) einigermaßen gut verkleben. Aber jetzt noch nicht!

Aus den aufgetretenen Passproblemen habe ich gelernt, dass bei diesem Bausatz viel trocken angepasst werden sollte, was aber nicht immer möglich ist. Das liegt aber weniger am Bausatz selbst, sondern vielmehr an den vielen ergänzten Zusatzteilen.

An diesem Punkt erfolgte die Lackierung in Panzergrau und stellenweise mit Weiß aufgehellt, um schon mal etwas Leben in die Bemalung zu bringen.

Die Reserveradhalterung habe ich mit einem langen Blech, und dieses mit einem Griff versehen. Damit konnte man das schwere Reserverad herausziehen. Die beiden Hemmschuhe (B43), die als Reserveradabdeckung dienten, habe ich weggelassen. Ergänzend kamen auch hier diverse Zusatzteile, wie z.B. Schmutzfänger, Beleuchtungskabel, einige Nieten usw. zum Einsatz.

Übrigens gab es seinerzeit verschiedene Konfigurationen der Versteifungssicken an den Seitenteilen (F13 u. 14) - dem genauer nachzugehen habe ich mir verkniffen…

Beladen ist die Ladefläche mit Teilen aus dem Erdanker-Set für den 21cm Mrs.18 von Precision, sowie den Laufrosten des Mörsers und einer Geschoßtrage. Die Ladung baute und bemalte ich separat, um am Ende die komplette Einheit auf der Ladefläche zu plazieren.

Bemalung/Alterung

Im Prinzip ist ja alles schon bemalt, nun kommen Alterung, Detailbemalung und eine dezente Verschmutzung dran: nach dem Washing mit verdünnten Ölfarben probierte ich mal „Brown Blue Wash“ (070) von AK Interactive. Mit dem Ergebnis bin ich eher unzufrieden, die Farbe ist eher braun als blau, viel zu dick und läuft verdünnt auch nicht sauber in Vertiefungen. Allerdings habe ich auch nicht vorher mit Klarlack fixiert und danach überschüssiges Washing wieder entfernt. Also habe ich „oldschool“ mit (Schmincke) Ölfarben gewaschen und auch mit Ölfarben trockengemalt.

Um das Panzergrau weiter zu beleben folgte ein Pinwash, d.h. man betupft einige Flächen mit diversen Ölfarben, die dann direkt mit einem leicht terpentinfeuchten Flachpinsel verstrichen werden. Dabei kann es passieren dass der Acryllack hochkommt, wenn das Terpentin zu aggressiv ist. Kurioserweise habe ich die besten Erfahrungen mit Nitroverdünnung gemacht! Solche Schadstellen lassen sich mit der Grundfarbe per Pinsel ausbessern und mit Pastellkreiden egalisieren.

Überhaupt eigenen sich Pastellkreiden hervorragend für Farbverläufe, zum homogenisieren der Lackierung und Schattieren so mancher Details in „undankbaren“ Farbtönen wie z.B. Grün oder Rot. So habe ich die olivgrünen (Segeltuch-) Einstiegsklappen und das Verdeck mit verschiedenen grünen Pastellkreiden von Rembrandt (trocken) bearbeitet, um der Vallejofarbe Tiefe zu verleihen. Auf größeren Flächen, bzw. wenn es Sinn macht, trage ich die Kreiden feucht auf. Dazu verwende ich eine Mischung aus Wasser und sehr wenig Essig und Spüli. Mit Isopropylalkohol entstehen unschöne Ränder, die sich kaum retuschieren lassen. Sie schlagen nach einer Lackierung mit Klarlack immer wieder durch.

Bei den Gleisketten hingegen verwende ich allerdings Isopropylalkohol und bürste überschüssige Pastellkreiden mit einem Borstenpinsel ab. Die Ketteninnenseiten werden mit verschiedenen Rotbraun-, Braun- und Orangetönen bepinselt, die Außenseiten mit mittel- bis dunkelbraunen Pastellen. Vorher werden die Ketten natürlich erst in einem gewissen Grauton (6 Teile XF-1, je 2 Teile XF-7, XF-51 und XF-59) gebrusht und die Kettenpolster und Führungszähne bemalt. Washing nicht vergessen! Zuletzt wird nochmal mit Silber / Gunmetal trockengebürstet.

Die Ladefläche wurde ebenfalls mit Washings, Pastellkreiden usw. gestaltet – im Nachhinein hätte ich besser silbern lackiert und mittels Haarspray ein Chippainting angewendet, um Kratzer realistischer darstellen zu können. Die Beladung verdeckt aber eh den größten Teil der Ladefläche.

Größere Kratzer und Lackschäden malte ich mit dünnem Pinsel und Vallejo Farben auf, kleinere Kratzer entstanden mit Vallejo Dark Grey,  Faber Castell‘s Polychromos Buntstiften, sowie mit Pigmentlinern von Staedtler. Abnutzungen gelingen mit einem weichen Bleistift, bzw. verschiedenen Graphitstiften.

Bezugsquelle für Pastellkreiden, Pigmentliner, Ölfarben, etc. ist beispielsweise der Künstlerbedarf Boesner, https://www.boesner.com/shop , welcher in einigen Städten auch Niederlassungen hat. 

 

Sonstiges: 

Etwas Ausrüstung belebt den Fahrerraum, ich habe mir u.a. Kartenmaterial aus dem Netz heruntergeladen und es dann ausgedruckt. Außerdem baute ich mir eine Hülle für die Gasplane, die zusammen mit der Gasmaske mitzuführen war.

Die Fahrerfigur habe ich umgebaut, um den Fahrer auf 1942 zu trimmen. Der Kopf stammt von Hornet, die Hände passte ich an das Lenkrad an. Außerdem tauschte ich die Schnürstiefel gegen Knobelbecher. Die Feldmütze des Oberkanoniers ist eine der zweiten Form, also Schiffchen-Form mit Soutache. Die Feldbluse ist ein 1940er Modell mit Kragen aus feldgrauem Grundtuch, die Schulterklappen jedoch sind die ältere Ausführung in dunkelgrünem Abzeichentuch.

Die Farben der Bekleidungsstücke variierte während der Produktionszeit, auch von Hersteller zu Hersteller gab es Farbabweichungen.

Eine Bemalungsanleitung findet sich, wenn man beispielsweise „figurenbemalung mit vallejo“ in die Suchmaschine eingibt.

Dies ist meine eigentlich erste „richtige“ Bemalung einer Figur – bislang habe ich mich davor immer herumgedrückt. Zuerst habe ich grundiert, danach die ganze Figur weiß gebrusht.

Bei der Gesichtsbemalung sollte man erst die Grundfarbe aufmalen (die Augen habe ich ausgespart, ging ganz gut) und danach die Vertiefungen lasierend immer dunkler werden lassen. Danach hellte ich mit Trockenmalen auf, zuletzt betonte ich Nase, Lippen, Ohren, Haare und Augenbrauen mit entsprechenden Farbtönen, auch trocken. An manchen Stellen arbeitet es sich bei der Trockenbemalung mit Ölfarben ggf. einfacher.

Übrigens habe ich festgestellt, dass sich leicht angetrocknete Vallejo Farbe mit etwas Sidolin wieder entfernen lässt, ohne die Farbe darunter anzugreifen. Außerdem eignet sich Sidolin auch als Malmittel, um die Oberflächenspannung von Wasser zu brechen, sowie zum Verblenden der leicht angetrockneten Farben.

Die Uniformteile wurden in den entsprechenden Farben bemalt. Die Falten habe ich erst „großflächig“ abgedunkelt, dann in der tiefen Mitte noch dunkler gewaschen. Hier habe ich mit Flow Improver, bzw. Sidolin experimentiert.

Bei den Highlights bin ich umgekehrt vorgegangen, erst eine dunklere Aufhellung etwas flächig trockenmalen, dann weiter aufgehellte Farbe für die hervorstehenden Partien. Die ansonsten unverdünnten Farben hatte ich mit „Slow Dry“ (Retarder) versetzt, damit sie länger streichfähig blieben.

Zuletzt bekam der Oberkanonier sein Rangabzeichen auf dem linken Oberarm. Dafür nutzte ich Letraset-Buchstaben auf Wet Media Paper von Archer. 

 

Der Endspurt: 

Nachdem ich den Mannschaftsaufbau ein wenig ausdetailliert hatte, klebte ich die Fahrerfigur ein.

Es folgte das Aufsetzten des Verdecks, was mit Ach und Krach und altem, relativ dickflüssigem Sekundenkleber (lässt die nötige Zeit für Korrekturen) so einigermaßen unfallfrei gelang. Naturgemäß sieht man hier so einige Klebestellen, die müssen also vorsichtig wegretuschiert werden. Ich schreibe mir ab sofort immer alle Farbcodes der einzelnen Details auf!

Das letzte Drama war das Verkleben der leicht verzogenen Ladepritsche: zuerst betupfte ich die Pritschenhalterungen (Bstf.23) mit Klebstoff und setzte sie vorsichtig auf. Dann nahm ich sie direkt wieder ab - hatte aber nun die korrekte Klebeposition, um an diesen Stellen die Farbe zu entfernen. Wäre die Pritsche gerade gewesen, hätte ich sie hier einfach direkt verklebt. So musste ich mir aber noch eine Art Helling, bzw. Richtbank bauen. Auf dieser setzte ich dann den Fahrgestellrahmen ab, damit mir beim Ausrichten der Ladefläche nicht die Schwingarme brechen konnten. Über vier Gewindestangen und zwei Brettchen zog ich dann die verzogene Pritsche gerade auf das Fahrgestell. Gut trocknen lassen!

Und ab jetzt sieht man von den in mühevoller Arbeit gescratchten Aggregaten und Leitungen im Chassisrahmen auch wirklich gar nichts mehr. Aber Hauptsache gebaut!

Nun verklebte ich die letzten Ätzteile, die Schutzblecherbinder (ABER Teile 78) von Mannschaftsraum und Ladefläche. Passte rechts hervorragend, links nicht so. Sieht auf Referenzfotos aber auch nicht viel anders aus. Das Typenschild auf der Fahrerseite ist ein Archer-Decal. Letzte Kratzer erstellte ich mit spitzem Pinsel und Vallejo-Farben, einen leichten Staubschleier brushte ich mit stark verdünnten Farben (XF-53 und XF-57) vonTamiya.

Zuletzt brachte ich dann auch die Verdeckspriegel an. Auf eine Verdeckplane habe ich verzichtet, ich hätte sie sehr viel früher anpassen müssen. 

 

Die Decals:

Müssten für die 833. s.Art.Abt. mit einem Vektor-Grafikprogramm selbst erstellt, und dann in weiß ausgedruckt werden. Soweit bin ich aber noch nicht… Falls jemand mit Corel Draw umgehen kann, melde er sich bitte!

Ein Decal für die 833. Gibt es bei Peddinghaus, allerdings ist es eine Version für ein Fahrzeug von 1941.

Auf der Krim zeigten die Famos 1942 eine mit anscheinend Schlamm erstellte Tarnung, die ich mir jedoch erstmal verkniffen habe. Vielleicht probiere ich sie, wenn ich die passenden Decals dazu habe.

Und dann könnten neben dem schon erwähnten Typenschild auch die atü-Angaben auf den vorderen Kotflügeln stehen. Vorgeschrieben waren 4 atü, es fanden sich aber auch 3,5, bzw. 4,1 atü Angaben. Findet sich aber alles nicht in meinem Fundus, weshalb sie später mal nachgerüstet werden sollen. 

 

Fazit

Über die Ausführung des nunmehr schon fast zwanzig Jahre alten Tamiya Bausatzes gibt es nichts zu diskutieren: schön! Klare Linien und Details, alles passt. Leichten Formenverzug hatte ich lediglich an der Pritsche. Ein paar Senkstellen finden sich an den Stellen der Karosserie, wo Nieten dargestellt sind. Einzig die vielen (wenn auch nur flachen) Auswerferstellen stören den durchweg positiven Eindruck.

Auch die ABER Ätzteilsätze sind für die Detaillierung wirklich sinnvoll, da mit ihnen eben auch fehlende Details dargestellt werden können.

Die Bauzeit betrug in etwa ein Jahr, da ich ja nebenher noch andere Modelle fertigte und dazu noch eine Fülle an Details nachgestaltet habe.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****

Literatur:

  • D 671/1, D 671/2, HDv. 471
  • König, Stefan: FAMO 18t The Military Machine, König Vlg. Krefeld 2001
  • Nuts & Bolts Vol. 12, 16 und 34
  • Waffen Arsenal 144, WA-Special 22, 36 und 40
  • History File No. 002 FAMO, NMC, Nürnberg 2006
  • Allied-Axis Issue 3, Ampersand Publishing USA 2001
  • Friedli, Lukas: Repairing the Panzers Vol. 2, Panzerwrecks U.K. 2011
  • Davis, Brian L.: Uniformen und Abzeichen (…), Motorbuch Vlg. 1973
  • Cardona / Sanchez: Dt. Heeresuniformen u. Ausrüstung, Motorbuch Vlg. 2005
  • Lagarde, Jean de: Dt. Uniformen 1939-1945, Motorbuch Vlg. 2004
  • Schlicht / Angolia: Die dt. Wehrmacht (…) Bd.1, Motorbuch Vlg. 1993 
  • Diverse Artikel in Modell-Fan, Steelmasters, Kit, Military Modelling, AFV Modeller, Modellwelt und dem weltweitem Netz



© 02/2019 Christoph Garski

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