SdKfz.300, Sprengpanzer Borgward B II




 

Das Original

Nachdem sich bei umfangreichen Feldversuchen herausgestellt hatte, dass der Minenräumpanzer Borgward B I schlichtweg zu viele Unzulänglichkeiten aufwies und zum Räumen von Panzerminen dem Grunde nach nicht brauchbar war, weil das Gerät natürlich beim Überfahren zerstört wurde, konstruierte die in Bremen ansässige Firma Carl W. Borgward dann das Nachfolgemodell B II, welches nunmehr ein 4-Rollen-Laufwerk mit einer Stützrolle aufwies. Das Antriebsrad wurde höher nach oben und der Auspufftopf auf die Heckseite verlegt. Der vergrößerte Aufbau bestand insbesondere an den Seiten wieder aus Betonguß, wobei die Unterwanne aus Stahl gefertigt war. Zudem wurde zum Schutz des Aufbaus an der Bugseite eine Panzerstahlplatte befestigt, um das Fahrzeug zumindest vor Beschuss durch Infanteriewaffen wirkungsvoll zu schützen. Das ca. 2,3 Tonnen schwere Gerät wurde von einem Borgward Typ 6 M 2.3 RTBV Motor angetrieben.

Nachdem erkannt war, dass auch mit diesem Fahrzeug kein wirklich effektiver Minenräumer vorlag, ging man relativ schnell dazu über, den B II als Sprengpanzer zu verwenden. Bislang wurde kein mir bekanntes Foto eines B II veröffentlicht, welches das Gerät mit dem nachgeschleppten Minenräumgeschirr des Vorgängers B I zeigt. Mit dem Sprengpanzer sollten ggf. Teile von Minenfeldern bei der ferngezündeten Sprengung des Gerätes durch die entstehende Druckwelle zur Explosion gebracht und somit geräumt, oder sonstige Hindernisse o. dgl. beseitigt werden.

Insgesamt wurden 100 Exemplare ab Juli 1940 gefertigt und ausgeliefert. Der Einsatz erfolgte mit der Minenräum-Abteilung I zunächst bei Minenräumaktionen im Bereich der Maginotlinie – auch zusammen mit Borgward B I-Fahrzeugen - dann ab Beginn des Rußlandfeldzuges an der Ostfront.

Bei umfangreichen Versuchen stellte sich gleichfalls heraus, dass die Borgward B II technisch sehr anfällig waren und die Fernlenkung bzw. auch die ferngelenkte Zündvorrichtung bereits bei relativ geringfügigen Erschütterungen bspw. beim Überfahren von Bodenwellen, versagte. Um zumindest beim Auftreffen auf ein zu beseitigendes Hindernis oder z. B. einen Bunker die Explosion des Sprengsatzes durch manuelle Zündung zu garantieren, wurde ein Teil der Fahrzeuge mit einer einfachen Vorrichtung, bestehend aus einer beweglich horizontal über der gesamten Fahrzeugbreite gelagerten Metallschiene am Bug des Gerätes ausgerüstet, die durch Zurückdrücken eines Hebels die Sprengladung zündete. Dazu wurde auf der linken Fahrzeugseite über dem Antriebsrad einfach ein Loch in die Betonwand geschlagen und das Zündgestänge hindurchgeführt. 

In der Literatur finden sich noch vage Hinweise auf einen Borgward B III, von dem anscheinend ein Prototyp geliefert worden ist. Jedenfalls ist der Transport von Bremen zur Ostfront im Zeitraum Juni bis Anfang Juli 1941 und die Rückführung mit der Minenräum-Abteilung 1 in den Heimatstandort Wünsdorf erwähnt. Es liegen keine näheren Erkenntnisse dazu vor, außer dass der Betonaufbau durch einen kompletten Stahlaufbau ersetzt worden sein soll, bei sonst gleichem Aussehen.

Der Bausatz

Lang ist ´s her: Bereits im Jahr 2016 war von Schatton-Modellbau der Minenräumpanzer Borgward B I mit Räumgeschirr erschienen und der B II angekündigt worden. Seit kurzem ist endlich erfreulicherweise auch der Bausatz des Sprengpanzer Borgward BII (und damit ebenfalls des B III) auf dem Markt.  Der komplett aus Resinteilen bestehende Bausatz präsentiert sich in einer stabilen Kartonverpackung und verfügt zudem über eine hervorragende gedrehte Messingantenne inklusive Antennenfuß.  

Alle Teile sind erfreulicherweise verzugs- und blasenfrei gefertigt. Auch die Entgratungsarbeiten beschränken sich dank der hohen Fertigungsqualität auf ein werkstoffbedingtes Mindestmaß. Im Gegensatz zum Bausatz des B I weisen die Seitenwände keine Betonstruktur auf. Dies ist dem geschuldet, dass der Modellbauer damit ohne Weiteres auch den B III Prototypen bauen kann. Dieser kann somit ohne jegliche Änderung unmittelbar aus dem Kasten heraus gebaut werden.

Der Bau

Will man einen B II fertigen, muss also die rauhe Betonstruktur nachträglich auf den Außenseiten der Panzerung aufgetragen werden. Ich habe hierzu Spachtelmasse von Tamiya verwendet, die mit einem harten Pinsel aufgetupft wurde. Betrachtet man zeitgenössische Fotos der B II, stellt man fest, dass diese keine Bretterstruktur wie die B I aufweisen. Offenbar verwandte die Firma Carl W. Borgward für den Guss der Betonteile eine andere Formenvariante.  

Die Panzerketten bestehen aus in Resin gegossenen Strängen, die ohne Probleme zusammengebaut werden können und dank ihrer vorgegebenen Formen sich beinahe perfekt an das Laufwerk anpassen. Hier waren nur ganz minimale Nacharbeiten erforderlich, die kaum der Rede wert sind. Bei den Kettengliedern sind, ebenso wie ein einigen Rädern des Laufwerkes, dünne „Fischhäute“ zu entfernen, was allerdings mit einer Zahnbürste schnell von Statten ging.

Eine Motorennachbildung ist dem B II nicht beigegeben.

Die Laufwerksmontage ist ebenfalls recht zügig zu erledigen, wobei unbedingt darauf zu achten ist, dass der Abstand der Schwingarme zum Boden in der richtigen Höhe erfolgt, sonst passen wahrscheinlich die Ketten nicht korrekt. Erfreulicherweise hat Schatton-Modellbau dafür eine einfache Lehre beigelegt, so dass der richtige Höhenabstand der Schwingarme unproblematisch eingehalten werden kann. Dennoch sind „trockenes“ Anpassen und ein wenig Geduld hierbei unerlässlich, wenn ein gutes Ergebnis erzielt werden soll.

Aufpassen muss man bei der Anbringung des vorderen Schwingarmes auf der rechten Seite: Dieser ist nach Bauplan um 1,5 mm zu kürzen und dann nahezu senkrecht an der dafür vorgesehenen Stelle zu befestigen. Wenn man das übersieht, passt das Laufwerk auf der rechten Seite nicht.

Will der Modellbauer auch die Variante mit der Kontaktzündleiste – diese liegt nicht bei - nachbauen, muss er sich dazu an den Originalfotos orientieren und zunächst einmal über dem linken Antriebsrad eine Öffnung in die Seitenwand bringen. Im Original wirken diese unregelmäßig und solcher Art, als wären sie mit Hammer und Meißel einfach durchgeschlagen worden. Ich habe dies bei meinem Modell mit dem Skalpell bewerkstelligt. Die Zündleiste ist ein U-Profil von Plaststruct, deren Befestigung auf dem Wannenbug und das Gestänge zur seitlichen Öffnung der Wanne mit dünnem Rundmaterial dargestellt wurden.

Die Fotos in der Literatur bzw. dem Internet zeigen recht gut die entsprechenden Positionen und Größenverhältnisse.   


Bemalung/Alterung

Für die Grundfarbe hat der Modellbauer aufgrund des Einsatzzeitraumes keine Wahl: Dunkelgrau muss es sein! Deshalb wurde zuerst mit Schwarzgrau MM 7021 grundiert und danach mit Anthrazitgrau MM 7020 abgetönt, und die Kanten nebst Vertiefungen mittels dunkler Pigmente unterlegt. Nach dem Versiegeln mit mattem Klarlack stellte ich alles für 3 Tage zum gründlichen Durchtrocknen auf die Seite.

Anschließend kamen mit jeweils zeitlichem Abstand von mindestens 12 Stunden mehrere Aufträge der Fertiglösungen aus dem „Weathering Set 072“ von AK zum Einsatz. Gleiches galt für das „Waschen“, wobei ich mich für einen punktuellen Auftrag der Flüssigkeit entschieden habe, die mit „weißen Geist“ also dem „White Spirit“ ausgestrichen und abgetönt worden ist.

Das Fahrzeug bekam nach diesen Schritten mit „Dust“ etwas Staub dazu, wobei hier auch mit den entsprechenden Pigmenten „Earth Effects“ AK 017noch weiter verschmutzt wurde. Griffest gemacht habe ich dies dann mit Pigment-Fixer AK 048, welcher mit dem Pinsel aufgetragen wurde – allerdings sehr dünn und gut aufgeschüttelt. Dies ergibt eine matte Oberflächenversiegelung, die nach 24 Stunden Trocknungszeit eine problemlose Weiterarbeit ermöglicht.

Später habe ich noch ein paar Kratzer und auch blanke Metallstellen (natürlich nicht am Betonaufbau!), letztere mit  Grafitpulver „Dark Steel-Pigmente“ AK 086, angebracht. Auf Roststellen und stärkere Lackschäden verzichtete ich, da die Fahrzeuge relativ rasch aufgebraucht wurden.

Auf den etlichen Vorbildfotos sind keine Beschriftungen zu erkennen. Einige B II weisen relativ große zweistellige Nummern am Fahrzeugheck auf. Interessant ist, dass diese sowohl mit Schablone auf die Lamellen aufgespritzt, als auch – weil eindeutig ohne Unterbrechung bei offenen Lamellen erkennbar – irgendwie aus Pappe oder Holzbrettern weiß lackiert darüber gehängt zu sein scheinen. Ich habe mich dann für die letztere Version entschieden, nachdem ich die Lamellenteile bereits montiert und keine Lust hatte, diese wieder zwecks Aufspritzens herauszureißen.    

Fazit

Wiederum ein sehr schöner, ansprechender Bausatz eines interessanten Pionierpanzers der deutschen Wehrmacht, den es in diesem Maßstab bislang noch nirgends gab. Er bietet bei guter Qualität und Detaillierung ein ansprechendes Preis-Leistungsverhältnis.  Schatton-Modellbau hat mitgeteilt, dass das auf den Borgward B II aufbauende Amphibiengerät „Ente“ ebenfalls folgen wird. Wir sind gespannt!



Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****


Empfohlene Referenzen:

  • Markus Jaugitz, JJ. Fedorowicz Publishing: Funklenkpanzer
  • Markus Jaugitz, Waffenarsenal Spezialband 10: Funklenkpanzer
  • Motorbuchverlag, Walter J. Spielberger: Spezialpanzerfahrzeuge des deutschen Heeres              
  • Enzyklopedia of German Tanks of WW two: Arms and Armour Press Ltd. London, Chamberlain, Doyle, Jentz
  • Diverse Internetseiten

© 12/2020 Volker Andorfer

1164 Leser des Bauberichts seit dem 20.12.2020



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