Bergepanzer 38(t) früh


 

Das Original

Die Herstellung des Bergepanzers 38 begann im September 1944 und erfolgte bei der „Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik“ in Prag. Gefordert wurden seinerzeit bis zum Ende 1944 170 Stück. Um das Plansoll (101 Bergepanzer wurden direkt gebaut) zu erfüllen waren aus der Jagdpanzerproduktion 38 64 Wannen zusätzlich für einen Umbau vorgesehen.

Wieviel Bergepanzer tatsächlich gebaut wurden ist m.W. nicht genau belegt. Eine immer wieder auftauchende Stückzahl über 181 Panzer erscheint aber realistisch.

Angedacht war das für jeweils 14 Jagdpanzer 38(t) ein Bergepanzer 38 ausgeliefert werden müsse. In der Praxis kamen jedoch scheinbar nur wenige Fahrzeuge zur Truppe.

Der Bergepanzer 38 hatte gegenüber dem Jagdpanzer 38 eine etwas niedrigeren Aufbau und durch keinerlei Einbauten durchbrochene Stirnwand. Das Fahrzeug hatte den von der Firma Georg Kirsten (Sebnitz / Sachsen) hergestellten 2-t-Behelfskran, der zerlegt am Fahrzeug mitgeführt wurde. Des weiteren verfügte der Panzer über eine 5-t-Winde. Ein 3,5 Meter langer Kletterbalken gehörte ebenfalls zur Standardausrüstung.

Spätere Versionen sollten mit einem Erdsporn versehen werden. Dazu sind mir aber nur die hinlänglich bekannten und veröffentlichten Bilder eines Bergepanzers (Einzelstück???) bekannt.

Über Unterschiede ob frühe oder späte Ausführung werde ich mich hier nicht auslassen. Dazu ist die mir vorliegende Quellenlage zu dürftig und manchmal auch etwas zweifelhaft.



Der Bausatz

Mit der Nummer 35102 beschert uns die noch relativ neue Firma Thundermodel ihren vierten Kit. Nach dem „German Bergepanzer Hetzer late“ folgt hier die frühe Version.

Nach dem öffnen des sehr stabilen Kartons sehen wir sechs Spritzlinge aus grauem Kunststoff, einen Beutel mit Ätzteilen und einen weiteren mit Resinkauschen sowie diversen Drähten, Kettchen und anderen Kleinteilen. 

Die Bauteile machen einen sehr guten Eindruck und sind augenscheinlich ohne Auswerferstellen im sichtbaren Bereich. Auch Flash findet man kaum und wenn doch  dürfte alles mit ein paar Feilenstrichen behoben sein.

Für die frühe Ausfertigung liegt ein gesonderter Spritzling (E) bei, der relevante Bauteile aufweist, die für dieses Produktionslos von Bedeutung sind. U.a.richtige Lauf- und Leiträder. Auch an eine korrekte Motordecknachbildung wurde gedacht.

Der Innenraum ist von vorne bis zum Brandschott gut gefüllt mit Getriebe und angeschlossenen Aggregaten. Es finden sich Bauteile für die Winde und den Fahrersitz. Mit einer ganzen Reihe von Ätzteilen kann hier (muß aber nicht!) weiter aufgerüstet werden.

Kleiner Gimmick: Die Instrumente bestehen aus farbig bedruckten Ätzteilen.

Die dem Bausatz beiliegenden Ketten sind modellbaufreundlich  in Segmente und Einzelglieder gespritzt und dürften die Montage erheblich erleichtern. Auswerfermarkierungen sind hier ebenfalls keine vorhanden.

Das Exterieur sieht auf den ersten Blick ebenfalls vollständig aus, wobei sich wieder einmal die Gretchenfrage stellt ... Kran verstaut oder in Arbeitsposition? Oder man kauft zwei Bausätze, oder man ... Ok, lassen wir das. J

Es gibt zwei Bemalungsvorschläge in der üblichen Form für die das Team von MIG verantwortlich zeichnet. Nehmen wir das Deckelbild dazu kommen wir auf drei Tarnungen. Die Farbangaben beziehen sich auf das Spektrum von MIG.

Jetzt ein Blick in die Bauanleitung ... Nach 28 Schritten sollte das Modellchen fertig sein. Tatsächlich sind es weniger denn in der Anleitung sind auch alle Bauschritte berücksichtigt, die für den limitierten Kit notwendig sind. Hier wird sicher ein zweiter oder dritter kritischer Blick nötig sein um das Bauvorhaben in die richtige Richtung zu „biegen“.

Decals sind keine vorhanden.

In den limitierten Bausätzen ist jeweils noch ein Spritzling „F“ enthalten, der alle Teile enthält die man zum Bau eines Motors mit den dazugehörigen Geräten benötigt. Mit Hilfe von weiteren Ätzteilen kann man die Plastikschürzen ersetzen. Ob sich der Kauf wirklich lohnt sei dahingestellt – das muß jeder für sich entscheiden.


Der Bau

Nachdem ich von dem Bau des Erstlingswerks von Thunder Models, dem Traktor Case VAI sehr angenehm überrascht war, war ich um so gespannter auf den Bausatz des Bergepanzers 38.

Der erste Blick galt der Bauanleitung die einen übersichtlichen Eindruck vermittelt. Thunder Models ist hier aber nicht explizit auf den „normalen“ Bausatz eingegangen, sondern hat auch die Anleitung für den motorisierten Bausatz, die Limited Edition eingefügt.

Also heißt es aufpassen und lieber einen dritten Blick riskieren da einige aufgeführten Bauteile eben nur in der „Limited Edition“ vorhanden sind.

Die ersten vier Baustufen zeigen den Zusammen- und Einbau des Motors sowie die Platzierung der Antriebseinheit in die Panzerwanne.  

An der Baustufe 5 geht es mit dem eigentlichen Bau los. An der Innenseite beim Durchbruch zum Seitenvorgelege sind zwanzig kleine Bolzen zu verbauen während die Außenseite in diesem Bereich dann verspachtelt werden muß. Weiter geht es mit dem Fahrwerk und diversen Anbauteilen sowie den geätzten Lüfterabdeckungen. Viel Flash und Fahnen sind an den kleineren Bauteilen zu beseitigen bevor sie montiert werden können.

In einem Zwischenschritt werden dann die Seitenvorgelege zusammengebaut und in der nächsten Baustufe mit der Wanne verklebt. Die Federpakete und Rollenhalterungen vervollständigen den „Unterbau“. Warum die Federpakete aus zwei Teilen zusammengeklebt werden müssen entzieht sich meiner Kenntnis – andere Firmen machen das schon besser.

Abweichend von der Bauanleitung habe ich jetzt die Heckplatte und das Brandschott zum Motorraum eingesetzt mit anschließender trockener Anpassung der Oberwanne. Hier waren ausgiebige Schleifarbeiten nötig bis alles zufriedenstellend passte.

Als nächstes wurde die Heckplatte komplettiert und das Brandschott vervollständigt. Hilfreich sind Originalaufnahmen da die Bauanleitung etwas vage daherkommt. Trotzdem kommt man hier gut voran.

Im nächsten Schritt widmete ich mich den „Innereien“. Die Getriebeeinheit ist in viele kleine Scheiben aufgebrochen und erfordert ein genaues Arbeiten. Auch hier ist die Anleitung nur bedingt aussagekräftig und trockenes Anpassen unerläßlich. So manches Mal trieb es mir die Schweißperlen auf die Stirn ...

Das Ganze zieht sich durch bis hin zur Baustufe 15. Eine Reihe von Ätzteilen kann verbaut werden, wobei ich nur die Teile verklebt habe die man auch später von außen sieht.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch festgestellt das Ätzteile die eigentlich dicker sein sollten dünn erstellt waren und umgekehrt. Ein Umstand der für mich nicht nachvollziehbar ist.

Egal, in diesen Baustufen ist wirklich höchste Aufmerksamkeit erforderlich bis alles so sitzt wie es muß. Ständiges Trockenanpassen wird hier zur Pflicht. Kleine Teile bedürfen zudem fast immer einer Nacharbeit da der Guß nicht immer zufriedenstellend ist. Feile und Schleifschwamm werden die besten Freunde.

Die Winde für den Innenraum wird ohne größere Probleme zusammengebaut und erst mal zur Seite gelegt. Die Oberwanne wird im Innenbereich mit dem Armaturenbrett und dem Sichtmittel für den Fahrer vervollständigt. Gleichzeitig wurden die Aufnahmen des Krans angeklebt. In diesem Schritt habe ich mich auch entschieden den Werkzeugkasten einzubauen. In diesem Arbeitsgang habe ich auch die komplette Motorabdeckung verbaut.

Im Innenraum wurde nur noch ein MG oberhalb des Fahrers auf der Kettenabdeckung angebracht. Wer will kann noch allerlei mehr Gerödel im Innenraum platzieren.

Zeit die Oberwanne auf das Untergestell zu montieren. Dank den vorhergegangenen „Trockenübungen“ passte jetzt alles perfekt zusammen. Gleichzeitig wurde in diesem Arbeitsschritt die Winde eingebaut. Das  dem Kit beiliegende Seil ist nicht brauchbar und wird ersetzt. Es wird dann „blind“ in das Schott eingeklebt.

Nach ausreichender Trocknungszeit des Klebers können wir uns nun dem Außenbereich widmen.

Ohne Probleme erfolgt der Zusammenbau des Auspuffs, der Umlenkrolle und des Wagenhebers. Der Wagenheber wurde allerdings durch ein besseres Exemplar aus der Grabbelkiste ersetzt. Mit der Montage diverser Ätzteile (Lüftergitter etc.) und des Tarnlichts sowohl des obligaten Holzblocks ist die Oberwanne ziemlich komplettiert. Allerdings wurde die Werkzeugkiste auf dem Ketteschutz ebenfalls durch ein anderes Exemplar aus der Grabbelkiste ersetzt.

Es zeigte sich das der Durchbruch für das Windenseil zu weit links gesetzt war. Der Alte wurde verschlossen und circa 3 mm weiter rechts ein neuer Durchbruch gesetzt. Für die genaue Position der Kausche in Ruhe schwieg sich die Bauanleitung wieder einmal aus. Ich habe sie nach einem Originalfoto montiert.

Als nächstes erfolgt die Montage der Halterungen für den Kran. Das geht relativ gut, obwohl es sich um ein Mix aus Plastik- und Ätzteilen handelt. 

Im nächsten Schritt wurde das Laufwerk zusammengebaut und die Ketten, Segmente und Einzelglieder, aufgezogen. Verwendet wurden auch die im Bauplan vorgegebenen Laufrollen. Die Schürzenmontage erfolgte anschließend nach Plan.

Von den beiden möglichen Optionen des Krans wählte ich die verstaute Version, auch im Hinblick auf die etwas verunglückten Ätzteile. Wurde im Vorfeld sauber gearbeitet passen die Stangen perfekt in ihre Halterungen.

Zum Abschluß habe ich auf die Stirnwand noch drei Halterungen aufgebracht wie oft auf zeitgenössischen Fotos zu sehen sind.

Damit ist der Bau dieses Panzers, der sich bei mir über einen längeren Zeitraum erstreckte, abgeschlossen.

Den im Kit fehlenden Kletterbalken werde ich bei passender Gelegenheit, heißt, sobald ich ein entsprechendes Pendant dazu habe, noch ergänzen.

Bemalung/Alterung

Die Farbgebung des Panzers sollte eigentlich kein Problem sein… Hier scheiden sich aber hinsichtlich des Innraumes die Geister. Auch in der mir zugänglichen Informationslage habe ich keine schlüssigen Farbangaben gefunden.

Folglich habe ich mich für den Innenraum des Fahrzeugs für einen roten und für die Innenwände der Oberwanne einen gelben Farbton entschieden.

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht für die vorgesehenen Fahrzeugfarben einen ähnlichen Farbton als Primer zu verwenden. Für den Innenraum und das Brandschott  kam AK 180 (Red Primer) und für die Innenseiten der Oberwanne AK 176 (Dark Yellow Primer) zum Einsatz. Mit verschiedenen aufgehellten roten Farben habe ich den Grundton etwas verändert. Bei dem Dunkelgelb habe ich mir das geschenkt da nach Fertigstellung so gut wie nichts mehr zu sehen ist.

Ein leichtes Wash mit hellem Braun erfolgte in einer sehr dezenten Weise. Auch Kratzer wurden nur sehr behutsam gesetzt. Den Abschluß bildete ein Trockenmalen des Innenraums mit hellgrauer Ölfarbe.

AK 176 war die Basis des Panzers auch auf der Außenseite. Aufgehelltes Dunkelgelb wurde wolkig aufgetragen um dem Ganzen Leben einzuhauchen. In diese Prozedere wurden auch die Stangen des Krans, wie bei allen weiteren Arbeitsschritten, mit einbezogen. Der Auftrag der resedagrünen Tarnung erfolgt mit dem Pinsel.

Die Radreifen wurden mit Tire Black bemalt und alle maßgeblichen Teile, die in der Realität blankgescheuert waren, mit Metalltönen. Der Auspuff wird mit Rosttönen aus der Reihe Panzer Aces bemalt.

Die Ketten erhielten als erstes eine Grundierung mit AK 185 (Tracks Primer) und anschließend diverse Washes nach Gefühl.

Als nächstes wurde ein Chipping mit der von MIG erhältlichen Farbe durchgeführt und einige kleinere Kratzer erzeugt. In stärkerem Maße bei den Teilen des Krans.

Die Kontaktflächen der Ketten wurden mit geölter Stahl von Vallejo trockengemalt.

Partiell wurde ein gelblicher Filter über die Farben gelegt um alles zu homogenisieren. Darauf ein Wash mit hellem Braun im oberen und dunklerem Braun im unteren Bereich des Panzers.

Verschiedene Akzente wurden durch den Einsatz der Oilbrushers von MIG erzeugt. Hauptsächlich kamen weiß, gelb und braune Töne zum Einsatz. Diese Ölfarben trocknen sehr schnell und können perfekt kontrolliert werden. Das Modell wurde jetzt erst mal zur Seite gestellt damit alles durchtrocknen konnte.

Nach ein paar Tagen und auch etwas Abstand wurden augenfällige Stellen mit Pinwashes und Fading nachbearbeitet. Und das solange bis sich mir der Eindruck eines im gesamten Anschein augenfälligen Fahrzeugs darstellte.

Zum Abschluß der Bemalungsarbeiten wurden die Kanten des Bergepanzers noch mit Sand und Light Sand der Serie Tamiya Weathering Master betont.

... und damit kann sich das Fahrzeug in die Vitrine verabschieden.

 

Anmerkung: Alle Bemalungshinweise von meiner Seite dienen in meinen Augen nur einer groben Orientierung und Hilfestellung. Hier sollte jeder versuchen seinen eigenen nachhaltigen Stil zu entwickeln und verwirklichen. Immer bessere Ergebnisse sind der Lohn der Mühe

Fazit

Endlich mal ein Panzer der sicher schon bei vielen Modellbaukollegen auf der Wunschliste stand. Nach dem hervorragenden Tractor Case VAI aber ein Bausatz von Thunder Models der doch etwas enttäuschte. Viel Licht, aber auch viel Schatten. Sehr viel Nacharbeit bei kleinen Bauteilen, bei einigen Teilen eine grobe Darstellung die heute nicht mehr zeitgemäß ist. (u.a. Tarnscheinwerfer, Unterlegklotz, ein nicht passender Wagenheber)

Trotzdem ist es möglich aus dem Kit ein recht passables und ansehnliches  Modell zu erstellen. Anfänger sollten aber die Hände von diesem Bausatz lassen.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 02/2018 Mike Kryza
Fotos: Ingmar Stöhr

1761 Leser dieses Bauberichts seit dem 09.02.2018


zurück zur Übersicht