3cm Flakvierling 103/38


 

Das Original

Bereits 1942 gab es den Auftrag an Rheinmetall eine 30mm Flak für die Marine zu entwickeln. Das Projekt wurde von der Flakinspektion der Wehrmacht aber aus logistischen Gründen nicht weiter verfolgt und so hat man ab etwa 1944 auf die bestehenden 30mm Mauser Kanonen der Luftwaffe zurückgegriffen und diese auf Lafetten der 2cm Flak gesetzt. Die 3cm Einzelflak kam als Jaboschreck noch vereinzelt zum Einsatz, von dem 3cm Flakvierling sind nur wenige wenn nicht nur eine probeweise erprobt worden.
Die Mehrbelastung des Materials der für 2cm Kaliber ausgelegte Lafette, sowie der Bedienmannschaft und Ungenauigkeiten des Visiers durch die heftigen Vibrationen führten dazu, das Projekt nicht mehr voranzutreiben, zumal die 3cm Munition nur geringfügig effektiver war als die 2cm.

Die Waffen wurden mit 40 Schuss Trommelmagazinen bestückt und der Vierling hatte eine theoretische Kadenz von 1680 Schuss/Min.



Der Bausatz

Werfen wir also mal einen Blick in den Karton:

Sehr übersichtlich finden wir hier zwei mittelgroße Spritzlinge in sandgelb - einer enthält in der Hauptsache Teile des Lafettensockels, der anderen die Teile des Flakvierlings an sich.

Ganz ausgezeichnet, fein und sauber gespritzt präsentieren sich hier die Teile. Feine Details, keine Fischhäute und Auswerferstellen in der Hauptsache an Stellen die später nicht oder nur schwer einsehbar sind.
Die Flakrohre sind aus Plastik, wie auch die einzigartigen Mündungsfeuerdämpfer - sicher wäre das in Metall schöner, hätte aber den Preis für alle in die Höhe getrieben. Und wer die Feuerdämpfer seitlich aufbohrt, bekommt eine ebenfalls sehr schöne Optik ohne Aufpreis.
Die Waffen an sich setzen sich aus nur wenigen Teilen zusammen und können mit oder ohne Munitionstrommeln gebaut werden. Für diese stehen auch noch Teile von Munitionsgurten zur Verfügung die man einführen kann um die Illusion einer geladenen Waffe zu erreichen. Sehr schön.
Die beiden Frontschilde sind recht schön und mit feinen Nietendetails versehen.
Besonders schön ist, dass die Waffe höhenbeweglich gebaut werden kann und dank durchdachter Bauteile auch das Flavisier beweglich mit der Waffe gekoppelt ist!
Der Lafettensockel ist größtenteils in einem Teil gespritzt und mit schönen Details. Die Fußteller werden einzeln eingebracht und weisen die Verstärkungsstreben auf.

Die Bauanleitung umfasst x Bauschritte mit sauberen, klaren Zeichnungen. Diese sind als gefüllte CAD Zeichnungen vorhanden und je nach Bauzustand in grau oder blau hinterlegt.
Der sauber gedruckte Decalbogen enthält in der Hauptsache allgemeine Markierungen der Abschussmarkierungen verschiedener Fahrzeuge und entsprechender Zählstriche in schwarz oder weiß. Als Gimmick sind auch noch drei Embleme von drei Einheiten der späten Kriegstage enthalten.
In der Anleitung findet sich auch vier farbig gedruckte Bemalungsvorschläge. Einmal in dunkelgelb, resedagrün, dunkelgelb mit olivgrünen Streifen und dunkelgelb mit schokobraunen Splittermuster, aber alle ohne Angabe von Ort, Zeit oder Einheit.


Der Bau

Der Bau dieses Bausatzes beginnt mit dem Lafettensockel. Hier werden zunächst der untere Drehteller eingeklebt, seitlich erst die Teile A28 und A29 von unten angeklebt, die Nahtstelle versäubert und danach erst die Nietenbleche A26 und A27 von unten eingeschoben und verklebt.
Bei den drei Stütztellern sollte man diese ankleben und danach auf ebener Fläche genau ausrichten, damit diese nachher nicht schief stehen.


Weiter geht es mit dem Bau der Flak - der Sockel baut sich aus vier
Seitenteilen und der Bodenplatte zusammen. Die Passgenauigkeit dieser Teile ist phänomenal gut. Natürlich sollte man hier trotzdem genug Sorgfalt walten lassen beim versäubern und verkleben, damit sich hier keine Spalten oder Verzug einschleichen.

An dem Ausleger, der sich aus zwei Teilen zusammensetzt wird dann der Richtschützensitz angeklebt. Man muss hier ein bisschen schauen wie Rückenlehne und Sitz zusammen auf die vier Stützen gehört, da keine eindeutigen
Passmarken vorhanden sind. Nebenstehendes Bild rechts hilft vielleicht etwas.
Der Anbau des Richtantriebs mit den beiden Handrädern ist schnell erledigt.

Dann geht es an den Bau der Waffenanlagen - diese müssen, wie bei einem Vierling nicht anders zu erwarten, viermal gebaut werden. Dabei setzt sich das Waffengehäuse aus nur drei Teilen zusammen, die schön gemacht sind und ganz ausgezeichnet zusammenpassen.

Das Rohr, das vorn eingeklebt wird, muss man ein scharfes Auge haben, damit es absolut und exakt gerade ausgerichtet ist. Mit dem oberen Waffenteil B15 ist die Waffe dann relativ komplett und man muss sich beim Verkleben überlegen ob man die Munitionsstreifen einlegt oder nicht, denn man bekommt sie deutlich leichter eingeführt, wenn B15 noch nicht fest aufgeklebt ist. Der Zusammenbau der Trommelmagazine gestaltet sich denkbar einfach und diese werden einfach nur über die Munitionsstreifen der Waffenanlagen gesteckt und verklebt. Man muss aber schauen, wie und in welchem Winkel man diese anklebt, denn da gibt es reichlich Spielraum - ich habe sie soweit zur Waffe hin gekippt, dass da kein Spalt ist.
Schade, dass die Trommelmagazine, die übrigens genügend auch als Ersatzmagazine beiliegen, nur wirklich hohl sind und nicht mi
t angedeuteter Munitionsfüllung.
Aufpassen sollte man, dass man je zwei Waffen auf links und zwei auf rechts baut.

Je eine linke und rechte werden dann auf eine Trägerplatte B14 geklebt. Hier sitzen die Waffenkörper an vier Punkten fest und sicher auf der Platte. Man muss diese nur komplett aufsetzen und schauen, dass sie nirgendwo verkantet sind. Jetzt ist nochmal eine gute Gelegenheit die beiden Läufe auf deren Ausrichtung und Parallelität zu überprüfen.
Die beiden Schutzschilde werden dann über die Ruhe geschoben und nur an dem schmalen Steg an der Innenseite an der Trägerplatte angeklebt. Hier auch nochmal ein Auge drauf haben, dass die Schilder schön im rechten Winkel zur Trägerplatte stehen.

Die Mündungsfeuerdämpfer habe ich erstmal noch etwas nachbearbeitet. Die seitlichen Röhrchen habe ich mit einem 1mm Bohrer durchbohrt. Das geht recht einfach und verbessert die Optik massiv.
Ich klebe diese allerdings erst am Schluss auf, nachdem im nächsten Schritt nämlich beide Trägerplatten mittels Verbindungsstück an den Waffesockel gebracht wurden. Dafür habe ich das Verbindungsstück A30 erstmal an einer Trägerplatte verklebt und abgewartet dass es richtig angetrocknet ist. Dann durch das Loch im Sockel führen und die Anschlussstelle an der anderen Trägerplatte vorsichtig mit Kleber bestreichen, damit dieser nicht an die Aussenseiten kommt und die beweglichen Teile verklebt.
Dann sollte man umgehend mit scharfem Auge den kleinen Spielraum nutzen und beide Trägerplatten so drehen, dass alle Rohe parallel zueinander sind. Da lohnt es sich auch ggf. das ganze auch ein paar Minuten zu halten und zu fixieren bis der Kleber wirklich fest ist - nichts ist frustrierender als ein Vierling mit schiefen Rohren.

Im letzten Schritt geht es dann an die Optik und deren Beweglichmachung. Der Auslegerarm wird auf den Stift gesetzt und dann mit einem heißen Schraubenzieher verschweißt - d.h. dass man den Stift durch die Hitze aufbaucht und plattdrückt. Allerdings nicht zu stark, damit das Stiftplastik nicht mit dem Arm verschweißt.
Ebenso verfährt man mit dem Verbindungsgestänge, das man auf den Stift an der linken Trägerplatte und seinerseits den Stift der Stange durch das obere Loch des Auslegerarms steckt und diese dann auch verschweißt.

Man sollte so den Auslegerarm gekoppelt beweglich zu den Waffen haben.

Im letzten Schritt habe ich dann die zuvor erwähnten und aufgebohrten Mündungsfeuerdämpfer auf die Rohre geklebt - das ist etwas wo man sich wirklich Zeit für lassen sollte. Die Stifte der Teile sind leider etwas klein geraten und lassen sehr viel Spielraum in allen Dimensionen. Ich habe es so gemacht, dass ich alle vier relativ zügig nacheinander aufgeklebt habe, sodass ich an allen noch herumspielen und sie ausrichten kann. So kann man dann auch besser abschätzen ob alle vier halbwegs gleichmäßig gewinkelt gedreht sind. Dazu muss man dann von der Seite und von oben schauen, dass die Mündungsfeuerdämpfer mit den Rohren in einer Flucht sind - und das ist der Punkt wo man Geduld haben muss, denn wenn man einen in der Höhe korrigiert verdrückt man ihn meist wieder seitlich. Eine etwas nervenaufreibende Arbeit und man sollte alle viel im Auge behalten bis der Kleber wirklich fest ist, nicht dass noch einer der Schwerkraft nachgibt.

Die beiden Figuren sind beide aus dem Figurensortiment von Das Werk und wurden freundlicherweise von Christian Schiller gebaut und bemalt.

Damit ist der Bau dann beendet.


Bemalung/Alterung

Die Bemalung erfolgte dieses Mal wieder mit der Grundierung mit Chaos Black aus der Sprühdose und ein Aufhellen der horizontalen Flächen und graduellem Verlauf an den vertikalen Flächen mittels weißer Farbe um ein wenig pre-shading auf das Modell zu bringen, bevor es mit den Tarnfarben losgeht. Ich habe hierfür Tamiya weiß XF-2 genommen.

Für die dunkelgelbe Grundfarbe habe ich dieses Mal als Mischung 1:1 Mission Models MMP-011 und 019 genommen habe.
Nach dem Durchtrocknen wurde nochmal mit dem späten dunkelgelb MMP-019 einzelne Flächen aufgehellt.

Dann beginnt eine zwar kleine, dennoch oder vielleicht deswegen, langwierige Abklebeorgie, denn ich möchte das Splittertarnmuster vorn auf die schmalen Schutzschilden und dem Sockelkörper.
Dazu klebe ich mit 6mm Tamiyatape, das ich zurechtschneide eckige Flächen ab und vor allem decke ich alle umliegenden und dahinterliegenden Bereiche großflächig ab. Wichtig ist die Kanten der Tapeflächen an denen im nächsten Schritt die zweite Tarnfarbe aufgebrusht werden soll, nochmal fest anzudrücken, damit der Sprühnebel nirgends unterkriechen kann.
Dann wird mit Mission Models Rotbraun (Schokobraun) MMP-012 die freien Flächen per Airbrush vorsichtig in mehreren Schichten aufgesprüht.

Wenn die Farbe getrocknet ist, kann man das Tape vorsichtig abziehen und hat im Idealfall ein schönes zackiges Tarnmuster.
Nach 24 Stunden Trocknungszeit schließe ich das Modell mit ein paar Schichten seidenmatten Klarlack ab - ich bevorzuge hier den "Satin Varnish" Amig-0090 von Ammo by Mig. Dieser ist leicht zu verarbeiten und ergibt ein sehr schönes, seidenmattes Finish auf dem die folgenden Alterungsschritte leicht aufzutragen sind.

Selbige beginnen mit dem auftupfen von Ölfarben (gelb, ocker, braun, rostrot) auf verschiedene Bereiche und Flächen der Flak. Diese werden dann mit einem Pinsel mit White Spirit vorsichtig in die Grundfarben verblendet und damit den Farben eine zusätzliche unterschwellige Farbnuance zu verleihen.
Die Ölfarben werden dabei soweit wieder abgetragen, dass eben nur noch ein leichter Farbschleier übrig bleibt. So kann man eventuell zu harte Kontraste aufbrechen und Farben eventuell noch eine zusätzliche Farbnote hinzufügen, falls einem das gelb zu blass, das braun zu dunkel, etc. ist.
Dann geht es ans washing. Hier habe ich Amig 1000 "Dark Wash for Dark Yellow" verwendet und einen Pinwash durchgeführt, d.h. ich habe die Flächen erst mit White Spirit befeuchtet und dann mit einem dünnen Rundpinsel das Washing auf die Nietendetails aufgetupft und in Kanten und Rillen laufen lassen um dem Modell mehr Tiefe zu verleihen.
Das ganze lasse ich 24 Stunden trocknen und beginne dann mit dem trockenmalen. Dafür mische ich mit eine sehr helle ockerfarbe aus Ölfarben und lasse diese erst eine Stunde auf einem Stück Pappe das Öl "ausbluten".
Dann habe ich mit einem kleinen Flachpinsel die Farbe aufgenommen und ausgestrichen sodass nur ein paar Pigmente im Pinsel verbleiben. Damit streiche ich über Ecken, Kanten und erhabene Details wodurch hier die helle Farbe hängenbleibt und diese Details mit der hellen Farbe betont und somit die Details besser sichtbar macht.


Die Waffenkörper und Rohre bemale ich mit einer Mischung aus Amig Gun Metal und seidenmatt schwarz. Sobald die Farbe trocken ist, streiche ich die Details der Waffenkörper mit einem Bleistift ab, um hier ebenfalls Details zu betonen.
Das Flavisier habe ich mit dem Liquid Chrome Stift bemalt ... eigentlich sollte es offen sein, aber so macht es auch einen passablen Eindruck.
Ganz zum Schluss habe ich erst die Decals erhalten und habe diese nachträglich aufgebracht mithilfe von Weichmacher (Micro Sol). Das peppt das Erscheinungsbild noch ein wenig auf. Ich empfehle aber diese wie normalerweise VOR dem Beginn der Alterungsschritte aufzubringen und mit Seidenmatt Klarlack zu versiegeln.

Ganz zum Schluss habe ich den Sitz, sowie exponierte Stellen des Lafettensockels mit helgelber Farbe und einem kleinen Schaumstoffschwamm, sowie nachfolgende mit Metallfarbe und Amig Chipping color betupft und etwas Abnutzung darzustellen.


Fazit

Toll - dieser besondere Vierling der letzten Kriegswochen endlich in Spritzguss! Wer will kann diesen auch noch in einen Wirbelwindturm umsetzen und erhält dann den legendären "Zerstörer 45". Wenig Teile, schöne Details und exzellente Passgenauigkeit - hier kommt man schnell zu einem tollen Ergebnis.

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 03/2020 Thomas Hartwig

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