Panzer 38(d) mit vereinfachtem Panzer IV Turm mit PAW600 und X-7 Rotkäppchen



 

Das Original

Der Panzer 38(d) war ein geplanter Nachfolger des bewährten 38(t) Designs, allerdings verbessert und aus deutscher Produktion. Deutlichste Änderungen sollten die verlängerte Wanne und die Nutzung des Tatra Dieselmotors sein, der etwa 220PS leisten sollte.
Es waren diverse Varianten mit verschiedenen Bewaffnungen auf dem 38(d) Fahrgestell geplant, aber kein 38(d) wurde jemals in Serienproduktion genommen.

Der vereinfachte Panzer IV Turm war ein Vorschlag von Krupp Essen und unter der Bezeichnung AKF 31941 projektiert. Dieser Turm sollte die Produktion deutlich vereinfachen und dabei Zeit und Material einsparen.
Dieser sechsseitige Turm hatte keine Kommandantenkuppel und nur zwei Klappluken um Turmdach, sowie eine zweiflügelige Ausstiegsluke auf der linken Seite.
Auch die Kanonenblende war deutlich vereinfacht.
Die von Amusing Hobby beigelegte Turmversion unterscheidet sich von dem Kruppvorschlag deutlich - da ist der Bausatz von Renax Sharkit deutlich akkurater.
Dieser wiederum bietet zusätzlich zwei Startrampen und die X-7 Rotkäppchen Panzerabwehrraketen. Diese wurden auch als Kramer X-7 oder Ruhrstahl-Kramer RK 347 bezeichnet und war eine deutsche Panzerabwehrlenkrakete mit Drahtlenkung. Sie stellt quasi die kleinere Ausführung der X-4 dar, wurde jedoch von Feststoffraketen angetrieben.
Die X-7 wurde von zwei Feststoffraketen angetrieben. Die erste Stufe startete die Rakete und die zweite Stufe produzierte über acht Sekunden einen Dauerschub von 5,5 kp und sollte den Flugkörper mit der 2,5 kg schweren Hohlladung ins Ziel bringen. Die maximale Reichweite lag bei etwa 1200m. Am 21. September 1944 wurden auf dem Truppenübungsplatz Sennelager sieben X-7 zu Testzwecken gestartet.
Ein paar hundert X-7 wurden produziert, wovon die meisten für Versuche verwendet wurden. Es kamen möglicherweise noch einige wenige Exemplare in den letzten Kriegsmonaten 1945 an der Ostfront zum Einsatz.

Der Bausatz

Im Karton von Amusing Hobby finden wir 6 graue Spritzlinge, ein Beutel mit Kettengliedern in braunem Plastik, die Unterwanne, eine PE Platine und ein Decalbogen.

Die Bauteile des Bausatzes sehen wie bei Amusing Hobby gewohnt sehr gut aus und sind recht übersichtlich, was schnellen Bastelspaß verspricht. Der Guss der Teile ist einwandfrei ohne Auswerferstellen, Fischhäute oder verzogene Bauteile. Der Detailgrad ist sehr gut und zeigt saubere und feine Details.

Der Bausatz ist eine komplette Neuentwicklung auf Basis des 38D Fahrgestells mit einem Panzer IV Turm mit dem 8cm Panzerabwehrwerfer 600 - eine hochinteressante Mischung, die so nur auf dem Reißbrett existierte.

Die Unterwanne ist einteilig, was den Zusammenbau sehr erleichtert. Dafür sieht sie erstaunlich detailarm aus - keine Nieten, nur die Markierungen für den Anbau des Laufwerks und Vorgelege - das ist der große Unterschied zur genieteten Wanne der 38(t) Fahrgestelle.
Auch die Heckwand ist komplett anders zum 38(t) mit Zugangsklappe und auch ganz ohne Nieten.
Das Laufwerk besteht aus den 8 Laufrollen, die schön detailliert mit den Radbolzen sowohl auf der Innen- als auch Aussenseite dargestellt sind. Die Blattfedern und Kurbelarme der einzelnen Radstationen sollen beweglich eingebaut werden können, wodurch sich das Fahrwerk ggf. an unebenen Boden anpassen kann.
Die Ketten liegen als Einzelgliedketten bei, die mit je zwei Angüssen pro Glied zu versäubern sind. Die Detaillierung ist sehr gut und der Guss sauber und ohne Auswerferstellen.
Zusätzlich erfreuen diese dadurch, dass sie einfach nur zusammengeklickt werden können, wodurch sie beweglich bleiben und insgesamt schnell zusammenbaubar sind.

Die Oberwanne ist einteilig mit einer besonderen Form, die sich teilweise über die einzeln anzubauenden Kettenbleche erstreckt und ein deutlich anders gestaltetes Motordeck, das mit dem Auspuff und weiteren Anbauteilen versehen wird.
Über die Lüfterlamellen wird ein Lüftergitter aus PE eingebaut, das einen hervorragenden Eindruck macht. Auch um die Lufteinlasshutze wird ein passendes PE Gitter angebracht.

Das Turmteil ist in einem Stück und wird mit relativ wenigen Teilen weiter verfeinert. Die Gussqualität ist sehr gut, sauber und verzugsfrei. Die Turmluken sind offen und geschlossen baubar, eine Inneneinrichtung ist nicht vorhanden.
Eine Besonderheit ist, dass der Panzer IV Turm keine Kommandantenkuppel hat, sondern nur ein einfacher Lukendeckel.
Eine weitere Besonderheit und der optische Leckerbissen ist der 8cm PAW600 mit der besonders gestalteten Mündungsbremse, die im Modell aus drei Einzelteilen beiliegt. Das Rohr selber ist einteilig. Dieses wird höhenbeweglich in die Kanonenblende eingebaut.

Die Bauanleitung besteht aus insgesamt 16 übersichtlichen Bauabschnitten. Die Zeichnungen sind sehr sauber und detailliert. Eingeschobene Detailzeichnungen zeigen immer wieder den Zusammenbau einzelner Kleinbaugruppen .

Es werden 4 verschiedene Farboptionen in farbigen 5-Seiten Ansichten dargestellt.
- dunkelgrau mit Tarnflecken in olivgrün und schokobraun.
- olivgrün und schokobraun mit dunkelgelben Trennstreifen.
- scharfkaniger Dreifarbtarnanstrich in dunkelgelb Aus.'44, resedagrün und rotbraun
- wolkiger Dreifarbtarnanstrich in dunkelgelb, olivgrün und schokobraun.


In dem Set des vereinfachten Panzer IV Turms von Renax Sharkit finden sich 20 Resinteile zum Bau des vereinfachten Panzer IV Turms, wie er 1944 von Krupp vorgeschlagen wurde und zudem die X-7 Rotkäppchen Raketen auf Startschienen beinhaltet, von denen 1945 tatsächlich einige hundert von Ruhrstahl gefertigt wurden.

Die Resinteile sind angenehm sauber und verzugsfrei gegossen, dazu luftblasenfrei und mit relativ humanen Angüssen.
In den offenen Luken des Turms und der Öffnung der Frontplatte finden sich ein paar kleine Reste Fischhaut, die so dünn sind, dass sie sich schnell versäubern lassen.
Die Detaillierung der Teile ist gut, wobei dieser vereinfachte Panzer IV Turm eben wenig Details aufwies, da er ja für die Produktion extrem vereinfacht wurde (keine Kommandantenkuppel, keine gebogene Kanonenblende, nur eine seitliche Ausstiegsluke, usw.
Netterweise liegen dem Bausatz zwei verschiedene Kanonenblenden bei - einmal für die Bewaffnung mit dem 8cm PAW600 und einmal für das Rohr der 7,5cm KwK L/48. Die Rohre selber liegen nicht bei.

Der Turm ist aus einem Teil gegossen und nur mit Frontplatte und Bodenplatte zu vervollständigen. Die Luken sind offen gegossen und können geöffnet dargestellt werden, wobei es im Inneren des Turms keine Inneneinrichtung gibt. Die seitliche Turmluke ist mit beiden Türhälften in einem Stück gegossen.

Als besonderes Gimmick können an der Turmfront zwei Startschienen angebaut werden. Diese liegen als ein Teil mit schöner seitlichen Struktur bei und müssen in zwei Teile geschnitten werden. Auf diese kann dann je eine der X7 Raketen gesetzt werden. Diese sind einteilig und sehr sauber gegossen. Die Steuerdrähte der Raketen müssen selber aus dünnem Draht bereitgestellt werden. Mit diesen Raketen gibt der Turm einen echten Hinkucker ab.

Die Bauanleitung besteht aus einem einseitig schwarzweiß gedruckten Zettel mit Teileübersicht und drei Zeichnungen zum Bau der Raketen an den Turm, sowie kurze textliche Erläuterungen. Der Bau des Turms erklärt sich durch die wenigen Teile von ganz allein.


Der Bau

Der Bau dieses Bausatzes beginnt mit dem Bau der Blattfedern an die Unterwanne. Man kann diese mit den Schwingarmen beweglich anbauen, allerdings ist Machart dafür ziemlich tricky und viel zu schnell gelangt ein Tröpfchen Kleber in eine Ritze und blockiert die Bewegung - also im Zweifelsfall die vier Radstationen schnell nacheinander anbauen und diese auf ebener Fläche ausrichten.
Auch das Treibrad lässt sich an das Seitenvorgelege beweglich anbauen, was später das Aufziehen der Kette deutlich vereinfacht.
Zu diesem Punkt habe ich meinem Modell schon ein kleines Extra gegönnt. Statt der im Bausatz beiliegenden Laufrollen, habe ich die geschweißte Version der 38(d) Laurollen von PPP (#35036) verwendet, die dem Modell einen besonderen Look verleihen. Die Radachsen des Plastikmodells sind etwas zu lang. Da das Aufbohren der Resinräder die Gefahr birgt, dass man sich durch den Radnabendeckel nach aussen bohrt, habe ich lieber die Radachsen etwas gekürzt.
Da es sich um Resin handelt, müssen diese mit Sekundenkleber eingeklebt werden und da gilt es vorsichtig zu sein, denn allzuschnell kann beim aufschieben der Räder der Sekundenkleber anziehen und das Rad auf halbem Wege fest sein ... womöglich leicht schief. Ich empfehle daher das Rad fast komplett aufzuschieben und nur auf den letzten Millimeter einen Tropfen Sekundenkleber in die Lücke zu geben und es dann fest anzudrücken.

Als nächstes habe ich die Kettenbleche an die Unterwanne geklebt. Diese passen außergewöhnlich gut und dennoch muss man achtgeben, dass man diese genau passend, eben und im rechten Winkel anbaut und verklebt. Im Idealfall baut man direkt die Heckplatte ein, da diese mit zwei Halterungen direkt auf die Kettenbleche aufsetzt und man so sowohl Kettenbleche und Heckplatte zueinander perfekt ausrichten kann. Vor allem sollte man darauf achten, dass die besagten Halterungen exakt passend vor den Nietenblechen der Kettenbleche verklebt werden.

Und man kann natürlich auch schon die Oberwanne aufkleben - so kann man sichergehen, dass die Kettenbleche genau passend und spaltfrei verklebt werden können. Das ganze passt wie Arsch auf Eimer und ist eine helle Freude.

Die Heckplatte kann man, derweil der Kleber trocknet, mit den Anbauteilen versehen. Insbesondere die Gehäuse und Kurbelarme der Leiträder. Auch diese lassen sich drehbar anbauen. Auch hier wieder vorsichtig und sparsam mit dem Kleber, wenn sie drehbar bleiben sollen.

Auf dem Motordeck baut man als nächstes den Auspuff, die Ersatzkettengliederhalterung, die Luftauslasshutze und das feinmaschige Gitter über der Luftansaugung an. Hier und auch bei dem sehr dünnen Gitter, das man in dem dünnen Auslass unter der Hutze anbringen soll, muss man vorsichtig sein, da man sie mit Sekundenkleber verkleben muss, ohne dass man sie am Ende am Finger kleben hat. ;-)
Das Gitter für die Abdeckung des Auspufftopfs ist etwas eigenwillig, denn man erkennt nirgendwo eine Halterung und auch reicht sie an beiden Enden nicht bis auf das Motordeck. Hier müsste man eigentlich nacharbeiten.


Als nächstes kann man die Kettenbleche mit den Zubehörteilen wie Staukiste, Noteklicht und Werkzeug versehen. Beim Wagenheber muss man genau schauen, dass er passt, denn mit den Passmarken sitzt das Ganze recht hakelig.

Die Ketten sind recht schön gemacht und lassen sich zu einer beweglichen Kette zusammenklicken. Das funktioniert recht gut - hier und da bricht einer der Nupsis ab oder der Guss hat im Öffnungsbereich einen Defekt, dann sollte man die betreffenden Glieder weglassen, da die Kette an dieser Stelle nicht mehr hält. Vorher jedoch muss man die Kettenglieder erstmal alle heraustrennen und versäubern, was allerdings durch nur 2 Angüsse pro Glied recht angenehm von der Hand geht.
Das Aufziehen der Ketten verschiebe ich allerdings bis nach der Bemalung des Fahrzeugs.

Jetzt geht es erstmal an den Bau des Turms - hier habe ich mich gegen den Turm aus dem Bausatz entschieden, aber nicht weil er nicht gut wäre, sondern weil mir gerade ein Resinturm zur Verfügung stand, der perfekt zu diesem Projekt passte.
Dieser Turm stellt den projektierten vereinfachten Panzer IV Turm von Krupp dar. Dieser ist in seinem Aussehen wirklich außergewöhnlich und bietet sogar die passende Kanonenblende für den PAW600.
Doch eins nach dem anderen. Zunächst müssen die resinteile versäubert werden, was relativ schnell geht - das Abtrennen der kleineren Anbauteile vom Anguss dauert da mitunter schon länger.

Insgesamt gibt es nicht viel zu tun - die seitlichen Türen einkleben und die beiden Turmluken einkleben. Da es diesen Luken an Innendetaillierung und Scharnieren fehlt, kann man sie so nur geschlossen bauen.
Die Turmfront muss an das Hauptturmteil geklebt werden - hier sollte man trockenpassen und sicherstellen, dass die Turmfront exakt mit den Turmseiten abschließt. Ich musste etwas mit Skalpell und Feile nachhelfen.

Wo wir gerade bei nachhelfen sind ... ich weiß nicht für welches Modell Renax diesen Turm geschaffen hat, aber für diesen Panzer 38(d) ist der Turmdrehkranz deutlich zu klein.
Daher musst ich zum einen in der Wanne die beiden Verriegelungsausschnitte dichtmachen und den Turmkranz um etwa 0,7mm mit Streifen aus Plastiksheet auffüttern.

An der Turmfront habe ich die Kanonenblende für den PAW600 angebaut - diese muss geklebt werden, man sollte sich also über die genaue Ausrichtung klar sein. Das Rohr muss aus dem Bausatz von Amusing Hobby genommen werden. Das Rohr ist glücklicherweise einteilig und muss am Ende nur durch die drei markanten Teile der Mündungsbremse abgeschlossen werden. Hier muss man beim abtrennen und versäubern dieser drei Teile aufpassen, dass man sie nicht beschädigt denn die Flächen sind sehr dünn gespritzt und ratzfatz hat man Plastikausbrüche im Teil.
Beim aufeinanderkleben der drei Teile muss man unbedingt aus allen Ebenen schauen, dass diese absolut in einer Flucht sind. Und auch beim einkleben des Rohrs in die Kanonenblende, dass die Mündungsbremse horizontal und nicht verdreht steht.

Dann kommt der "lustige" Teil des Bausatzes, nämlich die X-7 Rotkäppchen Panzerabwehrrakete. Davon liegen 2 Stück dem Turmbausatz inklusive der Startschienen bei. Letztere sind vom Modellbauer durch einen geschickten Schnitt aus einem langen in zwei gleichgroße Stücke zu schneiden. Diese beiden werden dann vorn auf das Turmdach geklebt. Da es keinerlei Markierungen gibt, kann der Modellbauer diese nach Lust und Laune aufbringen, muss aber auch dafür Sorge tragen, dass sie exakt ausgerichtet sind.
Es liegen auch noch zwei dreieckige Halterungen bei, die den Startschienen einen erhöhten Winkel geben - sah für meinen Geschmack etwas zu extrem aus.

Die Rakete an sich muss noch mit selbst zu beschaffendem dünnen Draht (0,4mm) mit dem Resinteil des Heckleitwerks verbunden und verklebt werden.

Soweit so gut - leider hat Renax das Ganze nicht zuende gedacht, denn zum einen fehlt Material wie auch Hinweise zum Draht, mit dem die X-7 gesteuert wurde und vor allem wo dieser dann am Panzer verbleibt (Kabelrolle!?) und letztlich von der Besatzung gesteuert wird.
Ich habe daher aus Plastiksheet und Rundmaterial eine Umlenkrolle gebaut, die die Besatzung vor dem ausgebauten Winkelspiegel der Dachluke gesetzt hat und habe hauchdünnen Draht (Danke Ingmar!) von der Rakete über die Rolle ins Turminnere laufen lassen.

Nach der Bemalung geht es dann an das Aufziehen der Ketten. Diese sind, wenn man sie sorgsam zusammengeklickt hat, auch nach der Bemalung noch gut beweglich. Man sollte nur mit Washinglösungen auf Enamelbasis vorsichtig sein, da diese Plastik spröde machen und gerade diese kleinen Pins auflösen - im schlimmsten Fall zerlegt sich die Kette wieder.
Also - Kette vorsichtig einfädeln und dabei auf die Ausrichtung achten. Aufpassen, dass sie nirgendwo verkantet oder irgendwo zuviel Zug ausgeübt wird. Im Idealfall legt ihr den Verbindungspunkt nach unten, wo ihr ein wenig Spielraum habt um den Pinökel einer Seite einzufädeln und dann mit einem spitzen Gegenstand, wie einem Schaschlikspieß die Kette auf der anderen Seite zusammenpressen könnt.
Wer sich absolut sichergehen will, kann dann, wenn man sie überall richtig liegen hat, sie um Leit- und Treibrad richtig angelegt läuft und der Kettendurchhang kann man in die Zwischenräume Tamiya Extra Thin Kleber laufen lassen und sie so fixieren.

Mit dem Aufsetzen des Turms auf die Wanne ist der Bau dann abgeschlossen.


Bemalung/Alterung

Die Bemalung erfolgte zunächst nach meiner Standardprozedur mit einer Grundierung des Bausatzes mit Chaos Black von Games Workshop aus der Sprühdose und dem folgenden vorschattieren mit Mission Models weiß per Airbrush.
Das Chaos Black deckt wunderschön gleichmäßig alle verschiedenen Materialien (Spritzguss, Resin, PE) ab und kleistert die Details nicht zu, sondern trocknet hauchdünn auf. Nur bei den sehr feinen PE Gittern muss man aufpassen, dass man beim Aufsprühen wirklich nur dünne Schichten aufsprüht oder, wenn es doch zuviel ist, schnell die noch flüssige Farbe durch die Löcher zu pusten.
Mit der weißen Farbe habe ich die horizontalen Flächen stark aufgehellt, dies insbesondere
mittig auf größeren Flächen während die seitlichen Teile nur leicht aufgehellt wurden und das Laufwerk komplett schwarz blieb.

Dann geht es daran die Grundfarbe aufzubringen. Ich habe ein bestimmtes Tarnmuster im Sinn und denke, dass es am sinnvollsten ist dem Modell eine grüne Grundfarbe zu verpassen, was zudem zu der Anweisung zu Ende des Krieges passt, dass die neue Grundfarbe nicht mehr dunkelgelb, sondern resedagrün zu sein hat.
Also habe ich mir von Mission Models das MMP-018 resedagrün genommen und es mit ein paar Tropfen MMP-009 olivgrün verfeinert.
Ich habe diese Farbe in einigen dünnen Schichten über das pre-shading aufgebrusht, sodass das Modell deutlich grüne Grundfarbe aufweist, die durch das Pre-Shading schöne Helligkeitsabstufungen zeigt.


Über diese grüne Grundfarbe kommen nun verschieden große, unregelmäßige gelbe Flecken per Airbrush, die ich mir aus Mission Models MMP-011 und MMP-019 gemischt habe.
Hier bestand die Herausforderung darin das Modell interessant und nicht eintönig zu gestalten, indem man die Flecken zu gleichmäßig verteilt.
Eine des Laufrollen habe ich in gelb statt in grün gebrusht, um ein wenig Abwechslung reinzubringen.

Nach ein wenig Trocknungszeit geht es dann an den schwierigsten Teil, denn IN diese gelben Flecken werden als nächstes unregelmäßige Formen an brauner Tarnfarbe per Airbrush aufgebracht.
Dazu habe ich Mission Models MMP-015 rotbraun genutzt, die sich recht gut und problemlos auch in so feinen Bereichen spritzen ließ. Das Ergebnis hat mich jedenfalls befriedigt. Das Schwierigste, neben einer ruhigen Hand und einem fehlerfreien Farbfluss ist hier das Entscheiden in welchen Fleck welche Art von braunem Fleck eingebrusht wird, sodass es wie bei den gelben Flecken nicht zu künstlich oder eintönig wirkt.

Nach dem Durchtrocknen der Farben geht es erstmal an das Aufbringen der Decals.
Ich habe mich hier wieder für Nummern und Balkenkreuze aus dem Trockenreibesortiment von Archer entschieden. Diese sind einfach aufzubringen und haben einen perfekten Look - gerade bei Turmnummern, die sonst bei den normalen Decals den Modellbauer mit den großen Flächen an Trägerfilm vor eine Herausforderung stellen.
Die Abzeichen werden vom Bogen ausgeschnitten und auf die entsprechende Stelle am Modell gelegt und nach Überprüfung der Position angedrückt. Zum Glück haften sie von sich aus schon etwas. Mit einem Bleistift wird die Nummer oder Balkenkreuz oder was auch immer dann auf die Oberfläche des Modells gerubbelt. Man sollte den Ausschnitt gut fixieren, damit er während des Rubbelns nicht verrutscht.
An der Wannenfront habe ich das Abzeichen der Panzerdivision "Feldherrnhalle" aufgebracht, das nochmal einen kleinen Farbtupfer ins Modell bringt.


Danach wird das gesamte Modell mit mehreren dünnen Schichten seidenmattlack von Amig versiegelt. Damit werden die Decals final fixiert und die Bemalung vor den folgenden Alterungsschritten geschützt.

Ich beginne die farbliche Nachgestaltung mit einem Filtering, d.h. ich tupfe kleine Punkte verschiedenfarbiger Ölfarben, wie rot, gelb, grün, braun, ocker auf, die dann mit einer großen Rundpinsel und viel Verdünner in die Grundbemalung verblendet wird und soweit wieder abgetupft wird, bis nur ein hauchzarter Farbschleier zurückbleibt, der kaum direkt sichtbar bleibt aber unterschwellig eine Farbvariation in der Lackierung hinterlässt. Dabei lohnt es sich angrenzende Flächen mit verschiedenen farbigen Ölfarben zu versehen um diese leicht zu variieren und voneinander abzugrenzen.

Dieses muss man dann ordentlich durchtrocknen lassen bevor es weitergeht.

Der nächste Schritt ist das Streaking - das bedeutet, dass dunkle und helle vertikale Laufspuren in die Bemalung eingearbeitet werden.
Dazu habe ich braune, schwarze und weiße Ölfarben per Zahnstocher auf die vertikalen Flächen aufgesetzt und dann mit einem sauberen Flachpinsel und frischem Verdünner in geraden Bewegungen von oben nach unten verwischt, bis sie in unterschiedlichen
Stärken zurückbleiben und unterschwellig ein Laufspurenmuster ergibt, das interessant fürs Auge ist.

Auch diesen Schritt sollte man trocknen lassen, bevor es an den nächsten Schritt geht, nämlich das washing.
Hier habe ich mit Amig 1000 "Brown Wash for German Dark Yellow" ein Pinwash durchgeführt, d.h. ich habe die Washinglösung nur punktuell an den Details eingesetzt, wie Schnittkanten, Schweißnähte, Rillen, Nieten, etc. und den Rest der Flächen lediglich mit Verdünner benetzt, damit es keine unschönen Ränder gibt. Durch die dunkle Washinglösung, die in die vertiefungen läuft, bekommt das Modell mehr deutliche Details und eine vertiefte Ebene.

Das Washing sollte mindestens 24 Stunden trocknen gelassen werden, bevor man mit dem nächsten Schritt zum trockenmalen übergeht.
Hier habe ich mit hellocker Ölfarbe, die ich zuvor einige Zeit auf einem Stück Pappe habe "ausbluten" lassen, die Kanten und erhabenen Details trockengemalt. Das bedeutet im Detail, dass ich mit einem härteren Flachpinsel die Ölfarbe aufgenommen und auf einem sauberen Stück Pappe ausgestrichen habe, bis sichtbar keine Farbe mehr zurückbleibt. Damit streicht man dann vorsichtig über Kanten und Details - die restlichen verbliebenen Pigmente in den Pinselhaaren bleiben an den Details hängen und betonen diese mit der hellen Farbe. Damit verleiht man dem Modell deutlichere Details, die sonst im Tarnschema untergehen und auch die Konturen treten deutlicher hervor. Man gibt dem Modell nach der dunklen tiefen eine weitere Ebene, die dem Modell mehr Tiefe verleiht.

Die Ketten werden nach dem zusammenklicken ebenfalls mit Chaos Black aus der Dose grundiert und werden denn per Pinsel mit AK-4041 "WWI British Khaki Brown Highlights" bemalt. Interessanterweise deckt die Farbe per Pinsel nicht besonders gut, was in diesem Fall aber gut ist, denn es gibt der Kette einen realistischen, leicht fleckigen touch an Flugrost. Die Innenseite der Kette und die Laufflächen auf der Aussenseite werden mit Amig Gun Metal bemalt um die blankgescheuerten Metallteile der Kette darzustellen.
Die Aussenseite der Kette habe ich dann noch mit ein paar Rostpigmenten nachbehandelt.



Fazit

Ein herrlicher Spritzguss-Bausatz für die "what-if" Modellbaugemeinde. Gute Passung und Details, klickbare Kette und leicht zu bauen.
Der Resinturm bietet das besondere Extra, insbesondere mit den Raketen - nicht ganz billig, nicht perfekt in der Ausstattung, aber in der Optik schon ein Pluspunkt. Aber auch ohne den Resinturm ist dieser Bausatz ein Blickfang.

Amusing Bausatz:
Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****


Renax Turm:

Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: **** Schwierigkeitsstufe: *****




© 05/2019 Thomas Hartwig

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