128mm Flak40 & FuMG 39D


 

Die Originale

12,8cm Flak:
Dieses Geschütz war wohl das wirkungsvollste Flakgeschütz im Zweiten Weltkrieg. Bereits 1936 wurde ein Auftrag an Rheinmetall vergeben. 1938 wurden die ersten Versuchsgeschütze an das Waffenprüfamt ausgeliefert. Die Einführung in der Truppe erfolgte Ende 1940.

Die ersten Flakgeschütze hatten noch eine Kreuzlafette mit Auslegern und zwei Protzen. Wegen des hohen Eigengewichts mussten jedoch die Rohre für den Transport ausgebaut und auf einem gesonderten Transportmittel befördert werden.

Um diese Nachteile zu beseitigen, gerade bei erforderlichen Stellungswechseln eines Flugabwehrgeschützes, wurde der Drehkranz der Pivotlafette auf eine Plattform geschraubt, die an den Ecken vier horizontal klappbare Ausleger hatte. In dieser Konstellation konnte das Geschütz komplett mit Hilfe des Sonderanhängers 220 verlegt werden.

Zur Verwendung kam m.W. die Flak in Batterieverbänden zu je 4 Geschützen bei Luftwaffe und Marineflak. Bedingt durch das hohe Eigengewicht kam es vorrangig zum Objektschutz zum Einsatz. Allerdings war gegen Ende 1944 die Leistungsgrenze gegen Hochangriffe erreicht.

Die Richtmaschinen wurden elektrisch angetrieben, ebenso die Seitenrichtmaschinen, die zudem einen Schnellgang aufwiesen. Feuerleitung und Übertragung der Schußwerte erfolgte über ein Fernleitungskabel zu dem Folgezeigersystem 37.

Erst  Anfang 1945 standen für die Geschütze Aufschlagzünder zur Verfügung die die Effizienz dieser Geräte deutlich erhöhten.

Bei einer Kadenz von 10 bis 12 Schuß pro Minute wurde eine beachtliche Feuerkraft pro Geschütz entwickelt.

Bei größter Rohrerhöhung von 87° wurde eine maximale Schußhöhe von 12.800 m erreicht. Trotzdem war ab Ende auch mit dieser Flak eine Bekämpfung der einfliegenden Kampfverbände nur noch beschränkt möglich.  


Technische Beschreibung des FuMG 62 „Würzburg“ 39 T A-D

... oder eben doch nicht, denn irgendwie tue ich dem kleinen Schmuckstück unrecht. Und bevor die Modellbaugemeinde verzweifelt das Internet stürmt - hier ein paar Fakten.  Das von Amusing Hobby als FuMG 39D bezeichnete Modell ist die Truppenbezeichnung des Funkmessgerätes 62 (Funk-Sende-Empfangsgerät FuSE 62), wobei der Buchstabe die jeweilige, in diesem Fall letzte und modernste, Version darstellt. Das Würzburg-Radar wurde in großer Stückzahl am Atlantikwall oder kriegswichtigen Industriestandorten eingesetzt und diente der Zielführung, insbesondere der schweren Flak, mit einer Reichweite der Messung bis zu 30 km. Die zentrale technische Einheit stellt der auf der Längsachse befindliche Geräteschrank dar. Auf diesem ist eine vierarmige Kippachse zur Aufnahme des Antennenparabolspiegels gelagert. Der in Funktion drehende Dipol auf der konisch zulaufenden Dipolsäule war mit der unteren Hälfte des Parabolspiegels verbunden. In der Transportstellung wurde diese Hälfte in Richtung der Längsachse positioniert und die obere Hälfte 180 Grad nach hinten abgeklappt. An der rechten Seite des Geräteschranks waren weitere Bedienungselemente sowie der Richtsitz des B2 (Höhen- und Seitenrichtung) mit den beiden beheizbaren Beinschützern angebracht. Auf den Sitzen links am Geräteschrank liest der B6, als Verbindung zum Kommandogerät, den Höhenwinkel am Höhengradbogen ab, der B5 übermittelt, daneben sitzend, den Seitenwinkel. Rechts vom Geräteschrank befindet sich der B1 am Entfernungsfeinmessgerät, der B3, für das Höhenrichtrohr, sowie der B4, der bei Ausfall des Übertragungsgerätes dem B1 die Werte ansagt, damit dieser fernmündlich die Daten an die schießenden Einheiten weitergeben konnte. Alles klar? Weitere Details zur Funktionsweise des Radarsystems sind der unten angegebenen Literatur bzw. den Internetlinks zu entnehmen.

Ein sehr interessantes Detail sind die beiden im Spiegel anzubringenden Antennen, die ich nur auf ganz wenigen Aufnahmen finden konnte. Es handelt sich dabei um eine Freund-Feind-Kennung - für mich eine neue Information. Eine erste Mutmaßung war, dass diese Antennen auf den Einsatzaufnahmen schlicht weg retuschiert wurden. Tatsächlich konnten die Alliierten durch erbeutete Radargeräte die Funktionsweise analysieren, die notwendigen Signalkennungen verwenden, so dass zeitweise keine sichere Unterscheidung mehr gegeben war und die Zusatzantennen nicht montiert wurden.

Eine weitere Frage ergab sich bezüglich des Materials der Plattform. Bei den frühen Ausführungen A + B wurden Holzplanken verwendet, was auf diversen Fotos gut zu erkennen ist. Die späte Version wurde mit einem Gitterrost ausgeliefert. Auch hier kann die Struktur gut auf Fotos erkannt werden. Und dann gab es eben jene des vorliegenden Modells. Hier existiert im Netz das Technische Merkblatt E01-6a „Laufsteg für FuSE 62“, dass leider so gar nicht zu unserem Modell passt. Immerhin ist der umlaufende Steg aus Holz, womit die Frage zum Material geklärt wäre. Und natürlich habe ich dann auch ein Foto aus dem Finnischen Luftwaffenmuseum gefunden, das wohl als Vorbild für das Amusing-Modell diente.



Der Bausatz

Schauen wir mal in den Karton. Hier finden wir 9 beige Spritzlinge ... und das wars soweit ... keine PE Teile, keine Decals

Die Spritzlinge machen einen hervorragenden Eindruck mit sauberen und feinen Details, sauberem Guss und durchdachten Angüssen.

Eines der größten Einzelstücke ist natürlich die Basis der Flak. Schön sauber und verzugsfrei gegossen und bereits mit schönen kleinen Details. die vier Stützbeine können schwenkbar eingebaut werden. Für den Feldeinsatz liegen dem Bausatz auch passende und wirklich sehr schöne Erdnägel bei.
Die Flak auf dem Sockel bleibt natürlich seitlich beweglich.
Die Flak selber baut sich zwar aus recht vielen Teilen zusammen, aber z.B. verglichen mit der 8,8cm Flak von Bronco immer noch sehr anwenderfreundlich mit einer sinnvollen und übersichtlichen Teileanzahl, sodass der Bastelspaß erhalten bleibt.
Die Rohrlaufschiene baut sich aus relativ wenigen, dafür fein detaillierten Teilen zusammen. Der Verschlussblock ist auch mehrteilig und macht einen guten Eindruck.
Sehr positiv fällt das Rohr der 12,8cm Flak auf. Drei Einzelteile, die ineinandergesteckt werden - fertig! Keine furchtbaren Halbteile der Rohre, sondern bereits komplett runde Rohrteile an denen man ggf. noch feinen Grat und die Angüsse entfernen muss. Sehr gut und vor allem sehr vorbildlich! Auch der große Rohrbremszylinder ... in einem Stück, schön rund, hervorragend. Und dies gilt ebenfalls für die Höhenrichtzylinder, die in je zwei Einzelteilen ineinandergesteckt werden und wie ein echter Zylinder beweglich ineinander rutschen, je nach Höhenrichtung der Flak. Spricht das Flakrohr bleibt komplett frei beweglich in der Höhe mit entsprechend korrekter Darstellung der Zylinder.

Die Anbauteile an der Lafette sind ebenfalls fein und sehr schön dargestellt. Die Laufgitter und Tritte sind aus grobem Laufgitter dargestellt, wie beim Originat. Das ist für Spritzguss erstaunlich genial gelungen, wennauch bei genauer Betrachtung an dem ein oder anderen Teil nicht 100% sauber über die gesamte Fläche durchbrochen. Ob man die Fischhäute in den feinen Durchbrüchen entfernen kann, müsste man mal probieren - allerdings fällt das nur bei enormer Nahbetrachtung auf.

Sehr gelungen ist der Lademechanismus, der seitlich neben der Verschlusslinie angebracht ist. Fein detailliert und es liegt sogar eine 12,8cm Granate in Plastik bei.

Der Bausatz des FuMG basiert auf einer recht filigranen Kreuzlafette auf der eine beeindruckend gemachte, runde Grundplatte aufgesetzt wird. Diese weist unheimlich viele filigrane, durchbrochene Rippen und bereits aufgeprägte Details auf - das ist optisch ganz großes Kino!
Darauf baut die Basis der Radarelektronik in diversen Schaltschränken und Armaturen auf, die wirklich beeindruckend und in angenehm wenigen Teilen gebaut werden.
Der Bedienersitz mit Armaturen und Handrädern ist ebenfalls sehr gut gemacht und ebenfalls mit wenigen Teilen schnell baubar.
Neben der genialen Grundplatte ist das optische Hauptteil natürlich die Radarschüssel an sich, die sich aus zwei Halbteilen zusammensetzt.
Diese sind beeindruckend und toll gemacht. Sauber und vezugsfrei und mit sehr vielen feinen Details direkt eingeprägt.

Die Bauanleitung besteht aus einmal 40 und einmal 22 Bauschritten für den Bau jeweils der Flak und des Radars. Die Zeichnungen sind sauber, angenehm groß und gut verständlich. Der Bau sollte so kein Problem darstellen.

Am Ende der Bauanleitung gibt es 4 Seiten mit je zwei farbigen Vorlage zu Bemalung der Flak und des Radars.
Da es keine Abzeichen oder Markierungen gibt, liegt dem Bausatz auch kein Decalbogen bei.
  • 12,8cm Flak in dunkelgelb mit olivgrüner Mäandertarnung
  • 12,8cm Flak in wolkigem Dreifarbtarn
  • FuMG 39D in dunkelgelb mit olivgrüner feiner Mäandertarnung
  • FuMG 39D in dunkelgelb mit hartkantigen braunen Tarnstreifen

Der Preis für dieses Modell liegt derzeit in Deutschland bei rund 70 Euro und man bekommt hierfür ganze zwei wunderschöne Bausätze. Allein die große 12,8er Einzelflak ist beachtlich und mit dem Würzburg Radar bekommt man endlich eine wichtige Komponente der Flakstellungen in Spritzguss!


Der Bau

Flak (von Mike Kryza):
Vorgenommen hatte ich mir aus dem Bausatz die 12,8cm Flak 40 und das alles OOB. Das FuMG 39D würde erst einmal in der Schachtel bleiben und wird in diesem Bericht von Ralph vorgestellt und gebaut.

Packen wir es an… als erstes kamen die Spritzlinge der Plattenlafette auf den Tisch. Baustufe 01 bis 07: Der Bau gestaltet sich im Prinzip einfach. Allerdings sind hier Angüsse im sichtbaren Bereich zu versäubern. Nicht ganz verständlich, da AH das schon wesentlich besser gemacht hat.

Die Ausleger musste ich, ebenso wie alle weiteren Teile vor der Verklebung trocken anpassen, überarbeiten und auf einen korrekten Sitz hin überprüfen..

Dieser Umstand sollte mich auch während des gesamten Baues begleiten.

Besonderes Augenmerk bedürfen die Teile E4 und E5, die als Halterungen für die Erdsporne dienen. Die Lage wird nur durch ein Piktogramm erklärt.

Als nächstes erfolgte die Montage der Ausleger an der Lafette. Manchmal etwas hakelig, aber mit Geduld passt das auch. Mit der Montage der Kleinteile ist dieser Bauabschnitt beendet.

Nicht verbaut habe ich das Unterteil (D11) der Oberlafette. Dieses Bauteil kommt erst bei der Komplettierung der Oberlafette zum Einsatz.

Kommen wir zu den Baustufen 08 bis 10, die den Bau der Rohrwiege und des Verschlußblocks abhandeln.

Ärgerlich, aber nicht zu ändern… Die meisten Bauteile wiesen Fischhäute, Auswerferfahnen und Riefen auf die es zu beseitigen galt. Dabei mußte ich auch aufpassen bei der Versäuberung nicht versehentlich Teile des Bauteiles mit abzuschneiden.  An diesem Punkt drängte sich mir zum ersten Mal der Verdacht auf, dass die Gußformen nicht ganz sauber waren und die Spritzlinge auch zu früh aus den Formen genommen wurden.

Nach Überarbeitung aller Teile läßt sich die Rohrwiege aber gut zusammenbauen.

Große Sorgfalt ist jetzt beim Bau des Verschlusses gefragt. Erst nachdem alle Teile in Form gebracht waren konnte mit dem Zusammenbau begonnen werden. Schnitzen und schleifen ist wieder angesagt… Etwas tricky bis sich alles spaltenfrei und versatzfrei zusammenfügen ließ. Anschließend noch eine Passung des Verschlusses auf der Rohrwiege.

Für das Rohr war wieder eine erhebliche Schleiforgie notwendig bis die unschöne Formtrennnaht beseitigt und eine gleichmäßige Rundung erzielt war. Sicher wäre ein Rohr aus dem Aftermarket die bessere Wahl, aber mit etwas Mühe kommt man auch hier zu einem guten Ergebnis.

Und damit verlasse ich die Reihenfolge der Baustufen.

Die Baustufen 14 bis 18 befassen sich mit dem oberen Teil der Rohrwiege. Und wie soll es anders sein… Holzauge sei wachsam und hol den Trockenkleber raus… J

Schleifen, feilen und nochmal schleifen und feilen… …und spachteln…

Der Bastelspaß hält sich momentan in Grenzen…   

Haben wir diese Hürde genommen wird die gesamte untere und obere Rohrwiege zusammengebaut. Anschließend geht es weiter mit Baustufe 13. Rohr und Verschluß werden eingebracht und der Luftvorholer mir seinen Stützen ebenfalls. Auch die noch offenen Kleinteile habe ich jetzt verbaut.

Baustufe 19 bis 20 beschreibt den Bau und die Montage der Ladeschale und geht schnell von der Hand. Der Zusammenbau der Ausgleicher wird in Baustufe 21 beschrieben. Leider sind die typischen Faltenbälge nicht vorhanden. Das dürfte aber wohl den nicht machbaren technischen Möglichkeiten geschuldet sein.

Baustufe 22 wurde jetzt von mir übersprungen und ich habe mich mit den Baustufen 23 und 24 beschäftigt. Hier gilt es die Innenseiten der Seitenteile der Oberlafette zu vervollständigen. Liegt diese Montage hinter uns können wir uns dem  Zusammenbau der Flak zuwenden.

Die Teile D11 (Baustufe 07) und A 11 (Baustufe 22) werden verklebt. (Zahnrad C18 nicht vergessen!) Im nächsten Schritt erfolgt die Montage der Ausgleicher (Baustufe 22) gefolgt von der Fixierung der Seitenteile der Oberlafette mit dem Geschütz (Baustufe 25). Zeit nehmen sollte man sich dabei, alle Bauteile genau auszurichten.

Sinnvoll ist es zu diesem Zeitpunkt die Bauteile aus der Baustufe 39 zu montieren. D17, D19, D20 und D23. Die Transportsicherung wurde von mir nach hinten verbaut. Leider auch hier kein entsprechender Hinweis in der Bauanleitung.

Zum weiteren Bau und Handling kann man die Flak auf die Plattenlafette aufstecken. Verklebung ist nicht nötig da alles stabil ist.

Die Baustufen 26 und 27 zeigen den Zusammenbau der Ladeplattform und die Anbringung an die Lafette. Vorsicht ist bei Teil D27 geboten. Eine vollständige Überarbeitung ist nötig damit sich die Flak ohne zu haken in der Höhe richten läßt.

Die Tatsache daß die Ladebühne ab einer Rohrerhöhung von 60° ausgeschwenkt wurde verschweigt die Bauanleitung. Schade. Die zweite Plattform wurde von mir dann in ausgeklappten Zustand montiert.

Der Bau der Zünderstellmaschine wird in den Baustufen 28 bis 30 beschrieben. Ebenfalls ist hier schleifen, feilen und überarbeiten der Bauteile nötig. Genaue Ausrichtung beim Anbau auch hier Pflicht… J

Mit dem Bau der Höhen- und Seitenrichtmaschinen sowie weiterer Anbauteile beschäftigen sich die Baustufen 31 bis 37. Wieder wurde alles überarbeitet und anschließend an der Oberlafette angebracht. Leider sind die Zielfolgezeiger vollständig gegossen. Ein Decal für die Anzeigen wäre die bessere Lösung gewesen. Baustufe 38 wurde ja schon abgearbeitet und entfällt.

Und damit kommen wir zur letzten Baustufe 40 die noch die Montage diverser Sitze für die Bedienung illustriert.

Die dem Bausatz beiliegende Granate können wir getrost im Abfalleimer versenken. Hier habe ich mir einen Satz Granaten von Schatton bestellt.


Radar (von Ralph Sommer):
Die Bauanleitung weist immerhin 22 Baustufen für die Montage von Unterlafette, Plattform, Geräteeinheiten und dem Parabolspiegel auf. Drei Spritzlinge enthalten fein detaillierte Teile, wobei der Radarschirm mit den filigran gegossenen Nietenreihen quasi den Höhepunkt darstellt. Da meine Entscheidung für diesen Baubericht relativ spät im Baufortschritt fiel, habe ich keine Aufnahmen der einzelnen Baugruppen.
So kann ich an dieser Stelle nur beteuern, dass der Zusammenbau der Kreuzlafette und deren Verbindung mit der Plattform überhaupt kein Problem darstellt. Die Tragegriffe an den langen Armen der Kreuzlafette sind aufzubohren. Die Abstandhalter für den Laufsteg fügen sich gut ein. Bis Baustufe 4 ein schnelles Wegarbeiten. Sofern man die zehn Stützen erst später anbringt. Ein für den erfahrenen Modellbauer selbstverständliche Entscheidung, da ja der gesamte Aufbau noch kommt.

Die Baustufen 5 bis 15 beschäftigen sich mit dem Zusammenbau des Geräteschranks und den daran befestigten Bedienungselementen. Das geht alles nach dem aufgezeigten Vorgehen. Die beiden Sitze in Stufe 8 sind mit den Trägern etwas nach zu justieren.
Das Bauteil H6 (Achtung-versäubern) liegt vierfach vor und ist an den vorgegebenen Positionen anzubringen – irgendwie gerade am Schrank. Das gelingt leider auf der Seite mit dem Gestänge für die Sitze nicht richtig gut, da die Schranktüren dann nicht zu öffnen wären. Auf den Detailaufnahmen im Internet kann die genaue Position dieser Haltestangen für den Spiegel nachvollzogen werden und sind nahe an der Tür zu positionieren.

Die zentrale Geräteeinheit bildet der zweiflüglige Schrank, der sich direkt auf dem Drehpunkt der Anlage befindet und aufgeklappt dargestellt werden kann. Da mir zum Zeitpunkt des Zusammenbaus keine Aufnahmen des Innenlebens der verschiedenen Bedienelemente vorlagen, habe ich diese immer geschlossen gebaut. Im Nachhinein habe ich aber eine Internetseite mit aufschlussreichen Grafiken (http://lucafusari.altervista.org/page1/page26/WurzburgRadar.html) entdeckt. Eine schöne Aufnahme der Entfernungsmesseinheit bestätigt die Details des Modells.
Die Bauteile der Bedienelemente in den Baustufen 10 bis 12 werden mittels Gehrung verbunden – unter Verwendung des flüssigen Tamiyaklebers ein völlig problemloses Unterfangen. Das Bild 13 zeigt die Beinschützer bestehend aus jeweils zwei Hälften. In der Zeichnung werden die Nahtstellen hervorgehoben, was leider falsch ist. Bitte diese sauber verschleifen und mit einer kleinen Delle versehen, kann das bei der Bemalung ein schöner Effekt werden.

Der zweiteilige Parabolspiegel lässt einen scheinbar kniffligen Zusammenbau befürchten. Aber die vier Arme (E 4 bis E8) nehmen über die Führungen an der Rückseite des Radarschirms diese - sofern sauber entgratet – akkurat auf und zentrieren den Mast für den Dipol. Ein wenig Kleber und die Radarhälften verharren passgenau für die künftige Position gen Himmel. Am Original wurden die beiden Hälften mit zwei Schnappschlössern, die ebenfalls schön detailliert sind - verbunden. Auch die zwei Stabantennen sind schnell positioniert, aber ich empfehle vorher die beiden Kabel - davon ein Breitbandkabel - am Antennenmast anzubringen.
Bemalung/Alterung

Flak:
Wie üblich wurde die Flak zuerst mit Isopropanol 99,9% gewaschen um den Untergrund von allen störenden Verunreinigungen zu säubern. Anschließend erfolgte eine Grundierung mit AK 767 (Black – Primer And Microfiller) (Teilbereiche wurden während des Zusammenbaus bereits von mir grundiert, an Stellen die nach dem Zusammenbau schlecht zu erreichen sein würden.

Der erste Farbauftrag erfolgt mit RAL7016 von Vallejo (MA 115) und wurde nicht ganz deckend aufgetragen. Durch Zugabe von Schwarz oder Weiß wurde der jeweils veränderte Farbton in Anlehnung an die Modulationstechnik aufgebracht.

Da diese Geschütze, bedingt durch den ortsfesten Einbau in der Regel sehr gepflegt waren hielt sich die weitere Alterung doch in Grenzen.

Ein dezentes Wash über alles wurde im nächsten Gang realisiert. Selber gemischte Grau- und Brauntöne (Abteilung 502) wurden verwendet um Vertiefungen besser zu definieren. Ganz dezent ebenfalls kleinere Rostschleier. Abschließend noch das Trockenmalen um auch positive Strukturen der Flak zu betonen.

Abschließend erfolgte noch die Bemalung der Handräder in Schwarz.

Um die Flak optisch noch etwas besser darzustellen habe ich noch eine kleine einfache Base aus Styrodur erstellt. Die Zutaten für die einfache Gestaltung stammen alle aus dem Modellbahnbereich. Dazu noch eine Figur aus meinem Fundus und…

…endlich fertig!!!


Radar:
Die Bauanleitung enthält zwei Farbvorschläge, die ich so auf Originalaufnahmen nicht gefunden habe.
Die meisten Aufnahmen zeigen das Radargerät in einem dunklen Farbton. In diesen Fällen dürfte es sich um RAL 7016, dem Dunkelgrau für Luftwaffenbodengerät, handeln. Es gibt aber auch Radargeräte mit mehrfarbiger Tarnung und dabei eine Farbaufnahme, die mich für mein Modell inspirierte. Nach intensiver Diskussion im befreundeten Modellbauerkreis lies ich mich überzeugen, dass die Bemalung nicht in den Luftwaffenfarben der RLM-Gruppe erfolgte, sondern ein schnödes dunkelgelb mit grau ist.

Nun denn, die Pflicht mit einer schwarzen Grundierung A.MiG 2005 wurde umgehend erfüllt. Der umlaufende Holzboden erhält als Basisfarbe Neues Holz A.MiG 037 aus dem Tools Colours Set A.MiG 7112, der Gerätesockel und der Parabolspiegel das Dunkelgelb 7028 A.MiG 011.
Die grauen Tarnschemen (Vallejo Air 115) werden
nach abkleben der Grundfarbe auf der Vorder- und Rückseite aufgesprüht. Durch einen unachtsamen Schleier – der aufmerksame Leser nahm sicher schon den langen Zeitraum zwischen Baubeginn und Veröffentlichung wahr - aus Dunkelgrau musste ich die gelben Tarnflecken nochmals aufwändig abkleben und nachbessern. Bei der Bemalung der Unterlafette zeigt sich nun, dass die Komplettmontage keine gute Idee war. So musste ich per Pinsel die Oberseite in dunkelgelb zu bemalen.

Dem Holzrahmen wurde dann mit shadow rust A.MiG 043 seine typische, abgenutzte Struktur gegeben. Dieser Effekt entsteht durch einen punktuellen Auftrag des mit Wasser verdünnten Dunkelbrauns, das umgehend längs der Planken verwischt wird. Dunkel abgetönte Bereiche werden mehrfach bearbeitet. Die hellen Holzeffekte werden mit einem
dezenten Auftrag des helleren Holztons ebenfalls durch verwischen erzeugt. 

Zum Ende der Bemalung des Laufstegs wird die Tiefenwirkung mittels wood ageing solution  hergestellt. Die Scharniere für das Hochklappen in die Transportstellung und sichtbare Nieten werden mit Metallfarbe aufgehellt.
Und es gibt noch ein Detail, was mir bei der Bemalung auffiel: das Sicherungsgestänge für die Transportposition. Diese Stangen werden mit Dunkelgelb 7028 und ein wenig abgenutzt mit gun metal A.Mig 045 dargestellt und sind so ein wenig auffälliger im einerlei des Holzstegs.

Die Unterlafette erhielt die üblichen Beschädigungen mit Chipping A.Mig 044 sowie diverse Filter mit Ölfarben 502 Abteilung und ein abschließendes brown wash.

Die Baugruppen Höhenrichtgerät und Anzeigegerät ANG 62 für die Seitenpeilung wurden in grau Vallejo Air 115 bemalt. Auf den Fotos sind häufig einzelne andersfarbige Bedienelemente zu erkennen. Dies liegt an der technischen Anpassung der Geräte im Zuge der notwendigen Weiterentwicklungen, die im Übrigen wohl auch der Grund für den ungewöhnlichen Holzsteg war.

Die Detailbemalung der Sitze, Handräder oder Schalter etc. sind den Fotovorlagen entlehnt. Die Sitze waren offensichtlich schwarz, dagegen scheint der Sitz des B2 mit braunem Leder überzogen zu sein. Die Bemalung erfolgt analog Mig‘s Enzyklopädie Nr. 2, S. 49 zunächst mit A.MiG 035 Dark Tracks und wird anschließend aufgehellt mit A.MiG 014 Rotbraun. Auf die Idee muss man erstmal kommen, aber es wirkt. Alles erhält zum Abschluss noch ein washing mit track wash und black wash.  

Der Parabolspiegel als, im wahrsten Wortsinn, herausragendes Bauteil des Würzburg ist besonders zu bearbeiten. Nach der Tarnbemalung wurde eine dünne Schicht Lack für die Ölbemalung aufgetragen. Diverse Gelb-, Braun- und Grautöne werden in Längsrichtung aufgetragen und anschließend mit Glanzlack versiegelt. Nun folgt ein Wash mit Braun und Schwarz. Das Ganze empfand ich zu intensiv und dämpfte die Wirkung mit einem Hauch light dust (A.Mig 3002). Schlussendlich werden punktuell Nieten und diverse andere hervorstechende Details z.B. an den Bediengeräten mit einem Grafitstift aufgehellt.

Fazit

Flak:
Dieser Bausatz von Amusing Hobby hätte ein wirklich großer Wurf sein können. Nachdem ich schon mehrere Kits von AH gebaut hatte war ich diesmal von der Qualität der Bauteile oft mehr als enttäuscht. Ein Bausatz bei dem sich der Bastelspaß in sehr engen Grenzen hielt.

Hat man sich aber durch alle Baustufen durchgearbeitet wird man trotzdem mit einem Modell belohnt das mit seiner Größe durchaus beeindruckt. Allerdings ist dieser Kit definitiv nichts für Anfänger.

Radar:
Dieser Bausatz ist einfach zu bauen, auch aufgrund der übersichtlichen Bauanleitung. Es passt alles gut zusammen. Auch Detaillierung des Modells ist wirklich prima, doch dieser Radarspiegel ist ein Gedicht. Aber hier liegt auch ein kleines Aber, denn mir ist es nicht immer gelungen die Bauteile sauber vom Gießast zu trennen, ohne dabei die Nieten zu beschädigen. Kleinere Details z.B. Verkabelungen könnten noch ergänzt werden. Die beiliegenden Kopfhörer habe ich nicht verwendet, da diese nur mit einer passenden Figur wirklich sinnvoll zum Modell passen. Meine Empfehlung – bringt das Teil separat und es wir Freunde finden. Im Doppelpack macht es sicher auch doppelt Freude: Kaufen.

Bewertung Flak:
Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****

Bewertung Radar:
Preis / Leistung: ***** Paßgenauigkeit: *****
Detailierung: ***** Schwierigkeitsstufe: *****



© 12/2018 Mike Kryza / Ralph Sommer

Quellen:

  • Die Geschütze, Ortungs- und Feuerleitgeräte der schweren Flak, Werner Müller, Podzun-Pallas-Verlag
  • Die schwere Flak, Werner Müller, Podzun-Pallas-Verlag
  • Das große Buch der Flak, Manfred Griehl, Podzun-Pallas-Verlag
  • Diverse Internetseiten (Tipp: englisch sprachige Suchbegriffe verwenden)
  • Deckname Würzburg, A. Bauer, Verlag Historischer Technikerliteratur Herten



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